wie ich eine Ampel sehe

Nach meinem letzten Eintrag  kam die Frage auf warum ich (im Overload) die Ampel nicht
als Ampel erkenne. Nun, das ganze ist etwas komplizierter.  Ich weiss nicht wie ein neurotypischer Mensch (Person ohne Autismus) auf eine Ampel zugeht. Was sieht er, wenn er dem Strassenrand näher kommt? Ich sehe die kleinen Details. Für mich ist die Ampel nicht einfach nur eine Ampel. Sie ist zusammengesetzt aus mehreren Teilen. Und jedes dieser Einzelstück hinterlässt eigenständige Eindrücke und Wahrnehmungen.

Beginnen wir mit dem Anforderungstaster. Hier gibt es sehr unterschiedliche Ausführungen. Am „schlimmsten“ finde ich die rechteckigen aus Metall. Sie lösen einen sehr unangenehmen taktilen Reiz bei Berührung aus. Dann gibt es welche mit rundem Druckknopf und die in unserer Stadt am häufigsten vorkommenden abgerundeten Taster. Auf diese versuche ich nun spezieller einzugehen.
Sie sind nochmals unterteilt in den vorderen und hinteren Teil. Der vordere Teil wiederum ist oftmals unterteilt in oben und unten. Manchmal ist der  obere Abschnitt gelb, manchmal rot. Wenn er rot ist blinkt eine Schrift auf nachdem der Taster betätigt wurde. Nicht immer, manchmal ist es auch defekt. Auf dem Betätigungsfeld ist entweder der Aufdruck „bitte berühren“mit oder ohne einem Handsymbol, das Sehbehindertenzeichen oder auch eine Prägung in Blindenschrift. Die Prägung fühlt sich wieder anders an, als das glatte Plastik. Dann gibt es beschädigte Drücker. Auf denen sind Brandlöcher oder Aufkleber. Vielleicht auch Kratzer, die durch einen spitzen Gegenstand verursacht wurden. Diese Beschädigungen ergeben neue Muster. Manchmal interessante Muster, die meine Aufmerksamkeit wecken. Ihr erkennt also solch ein Detail einer Ampelanlage ist schon ein Faktor mit sehr vielen Wahrnehmungseindrücken, die verarbeitet werden müssen.

Dann gibt es unterschiedliche Ampelmasten, die Ampelfelder für Fußgänger und Autofahrer sind in den meisten Fällen auf gleicher Höhe, selten in verschiedenen Höhen angebracht. Entweder direkt am Mast oder mit einem Verbinsungsrohr.  Es gibt hellere und dunklere Masten, mit Maserung und ohne. Ihr ahnt es vielleicht an diesen Masten können ebenfalls Aufkleber, Schilder, Beschädigungen oder andere Dinge sein.
Ein weiterer Aufmerksamkeitspunkt ist das erkennen ob alle Ampelfelder Hütchen haben oder ob eines fehlt? Sind  Lautsprecher am Ampelmast, der das Signal für Sehbeinträchtige wiedergibt? Wenn ja, wie laut wird das Signal wohl sein und ist es ein ticken im Sekundentakt, ein klopfen oder dieses schreckliche schnelle piepen. Verändert sich der Ton je näher die rote Ampelphase rückt? Wird das Signal auch gesendet, wenn kein Lautsprecher sichtbar ist? Gibt es zwei Ampelfelder oder drei? Ist es eine einfache Farbampel oder eine mit Symbolbildern? Blinkt vielleicht noch irgendetwas? Es gibt so vieles zu entdecken. Ich kann auf Grund der vielen unterschiedlichen Ausführungen einer Ampelanlage gar nicht alles aufzählen. Ich  kann nur einen kleinen Einblick geben in das, was ich wahrnehme, sehe. All dies im einzelnen und nicht als großes Ganzes.  Im Overload ist es mir nicht mehr möglich all diese vielen Wahrnehmungen zu verarbeiten, konzentriert zu filtern was nun wichtig ist. Die vielen Sequenzen lassen sich nicht zusammensetzen, ergeben kein klares Bild sondern den im letzten Artikel genannten „Brei“ oder Wirbelsturm. Da ist dann einfach nicht mehr klar ob das wahrgenommene Rot nun das Lichtsignal im Ampelfeld, die Schrift am Drücker oder ein Aufkleber am Mast war. Vor allem aber sind die vielen Eindrücke einfach weitere  Tropfen im schon überlaufendem Fass (Redewendung). Was davon im überlaufen verschwindet und was im Fass („sicht- und erkennbar“) bleibt kann ich selbst nicht steuern, dementsprechend ist nicht klar auf welches Detail ich reagieren könnte und auf welches nicht.

Ach eine kleine Anekdote möchte ich noch schreiben. Hier in der Region wird gerne gesagt
„Wir gehen über die Ampel.“ Bevor ich also überhaupt an die Überquerung der Strasse komme entstehen schon sehr lustige aber nicht unmögliche  Bilder in meinem Kopf, die ich dann erstmal wieder beiseite schieben muss. Gemeint ist natürlich an der Ampel über die Strasse gehen. 😉

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Overload im Strassenverkehr

Im Overload zu sein bedeutet mein Körper hat schon so viele Reize aufgenommen, dass er sie nicht mehr verarbeiten kann. Häufig verursachen sie bereits Kopfweh, Übelkeit und ein Schwindelgefühl. Das Schwindelgefühl ist sicher kein Wunder, wenn man bedenkt, das im Kopf Bilder, Töne und Eindrücke rauschen als wären sie mit 300 km/h in einer Extremachterbahn. Alle Wahrnehmungen gleichzeitig ohne Anfang, ohne Ende, ohne Halt. Konzentration ist nicht mehr möglich. Alles verschwimmt zu einem bunten, lauten Brei im Wirbelsturm.

In der Öffentlichkeit zu sein, agieren zu können, bedeutet jedoch eine Menge Konzentration haben zu müssen. Welcher Reiz ist wichtig? Was bedeutet er? Wie muss ich handeln? Für die Antworten auf diese Fragen habe ich im Overload keine Kapazität mehr.  Da ist einfach nur noch ein weiteres Signal, dass in meinen Kopf, meinen Körper dringt.
In dieses wuseln. Da bedeutet die rote Ampel für Autos genauso viel wie rote Schrift auf dem Werbeplakat, rote Beutel, rote Schuhe, rote Rückstrahler eines Autos, eine rote Blüte oder das Flugzeug mit rotem Aufdruck  das vielleicht noch zum selben Zeitpunkt in meinem Blickwinkel ist. Das rot ist ein farbiger Schatten, den ich nicht mehr deuten kann. Gleichzeitig ist da ein grünes Blatt, eine grüne Jacke, ein grüner Schriftzug, die grüne Ampel, eine grüne Mütze und grünes Bonbonpapier am Boden. Zu dem roten Schatten gesellt sich ein grüner Schatten. Genauso ist es mit jeder anderen Farbe. Ein buntes Schattengewirr.
Dazu die Geräusche – Worte, Autos, das knacken der Ampel, der abfahrende Bus, eine Fahradklingel, aneinanderreibender Stoff, ein klappernder Taschenbaumler, ein hechelnder Hund, Vögel und das Flugzeug. Im schlimmsten Fall kommen auch noch taktile Reize hinzu – der Wind, einzelne Haare die ins Gesicht wehen, Regentropfen etc.  Auf welchen Reiz muss ich mich jetzt konzentrieren?  Welcher Farbpunkt  war die Ampel? War dieser rote Farbpunkt in meinem Schattenbild die Ampel oder war es nur eine Mütze in der Ferne? War der grüne Farbpunkt in meinem Schattenbild ein herannahendes Auto oder war es nur ein Blatt vom Baum? Ich habe keine Konzentration mehr. Ich „sehe“ es nicht mehr genau.

Ich muss hier einfach nur weg. Raus aus diesem Brei an Eindrücken. Also laufe ich los, konzentriere mich auf den taktilen Reiz, den das laufen mir gibt. Das verlagern des Gewichts von einem Bein aufs andere. Das merkwürdige Gefühl im Körper das durch die Bewegung entsteht. Der Brei um mich herum wackelt nun noch mehr. Ich versuche den Tönen zu entkommen. Es muss ruhiger werden. Auditiv und visuell.

Irgendwann breche ich dann ein, kann auch die Reize die das laufen verursachen nicht mehr aushalten. Habe mich im besten Fall in eine Seitenstrasse zurückgezogen in der es ruhiger ist. Vielleicht auch in ein offenstehendes Treppenhaus oder in einen Toilettenraum eines Geschäfts. Jetzt muss ich die Augen schließen, die Ohren zuhalten, den Achterbahnbrei im Kopf zur Ruhe kommen lassen.

Wie komme ich aus der Situation heraus? Die beste Hilfe ist hier eine Begleitperson. Ein Fixpunkt an den ich mich dann halten kann. Der konstant ist, nicht im Brei verschwindet. Das kann der Schuh des Begleiters sein, ein Knopf an der Jackentasche, ein kleines Label auf der Handtasche. Ein visueller Fixpunkt der mich von diesem Platz an einen „sicheren“ Ort bringt. Ein Punkt der sich auf dem Weg nicht verändert und dem ich folgen kann. Wichtig ist hier, dass ich dafür noch bzw, durch eine kurze Pause, wieder die Konzentration habe.
Eine klare Ansage (bspw. Ich bin da. Ich bringe dich jetzt hier raus. Ich weiß was zu tun ist. etc.)  kann einen Punktreiz geben und Sicherheit. Mit mir sprechen wollen, einen Dialog führen, Fragen stellen sollte man  vermeiden, das kann zu einem Meltdown führen. Ich „höre“ ja nicht mehr genau was gesagt wird. Es geht unter im auditiven Brei.
Je nach Situation und Person kann auch ein fester taktiler Reiz hilfreich sein. Eine Hand die mich fest am Arm oder der Schulter berührt. Die mich „führt“, damit ich mich nicht verliere im „Brei“ und wieder orientierungslos werde. Manchmal ist dies sogar notwendig, damit ich auf den anschließenden auditiven Reiz des Begleiters reagieren kann.

 

 

Autismus öffentlich machen – erste Schritte sind gegangen

Im nächsten Jahr soll es mit dem Thema Autismus, meinem Alltag und meiner Wahrnehmung weitere Schritte in Richtung Öffentlichkeit gehen. Interview- und Drehtermine sind bereits gehalten worden, mindestens ein weiterer steht noch offen. Auch schriftlich wird es Neuerungen geben sowohl online als auch offline. Mir wurde zudem des öfteren nahegelegt eine Ausstellung mit einigen meiner Fotos zu machen um damit die Menschen zu erreichen. Lange schon ringe ich mit diesem Vorschlag und seiner möglichen Umsetzung. Für eine Ausstellung muss natürlich neben einem Raum auch das Material (Leinwände, Poster, Banner, Werbung etc.) zur Verfügung stehen. Dies ist mit Kosten und der Suche nach guten Anbietern verbunden, denn auch die Qualität muss stimmen. Pixum.de gab mir die Möglichkeit einen Leinwanddruck zu testen, Größe und Form konnte ich frei entscheiden. Für mich war es wichtig, dass dies zum Bild passt. Anfangs wählte ich ein Panoramaformat, denn mein ausgewähltes Foto kam damit am besten zur Geltung. Schön fand ich hier die Möglichkeit, die Pixum bei der Formatwahl bietet. Anhand einer Personensilhouette hat man einen direkten Größenvergleich und erkennt in etwa die Wirkungsweise auf den Betrachter. pixum Im nächsten Schritt kann man das Bild betrachten, wie es an einer hellen oder einer dunklen Wand wirkt. Vielleicht wird es irgendwann weitere Wandfarben zur Auswahl geben – ich wäre sehr dafür. pixum2 Das Motiv ist nochmal aufs ausgewählte Format anpassbar, der Fokus kann verschoben oder ein Bildausschnitt gewählt werden. pixum3 Anschließend wird mit einem Klick die Leinwand in den Warenkorb gelegt, es wird ein voraussichtliches Fertigungsdatum angezeigt und Schritt für Schritt zum Ende der Bestellung geführt. Da mich vor allem das Druckergebnis interessierte war es mir wichtig möglichst unterschiedliche Farben auf dem Bild zu haben. Aus Erfahrung weiß ich, dass gerade hier die Schwachstellen im Druck liegen. Da wird ein blau zum lila, das Bild bekommt insgesamt einen Rotstich, verblasst oder wird ungenau gedruckt. Aus diesem Grund entschied ich mich also um was die Motivauswahl betraf und wählte im Anschluss nochmal ein für das Motiv passendere Format. Die Lieferung dauerte in meinem Fall 6 Tage. Die Leinwand kam verschweißt in einem festen großen Pappumschlag bei mir an. IMG_0059 Der Pappkarton hatte auf der Rückseite, vermutlich durch den Transport beim Versand, eine kleine „Macke“ und ich befürchtete zu Beginn die Leinwand könnte, da sie nicht mit Luftpolsterfolie geschützt war, ebenfalls beschädigt sein. Glücklicherweise, war dies jedoch nicht der Fall. 20150101_161443 Die Leinwand ist sauber am Rahmen befestigt/ getackert, was ich schon anders erlebt habe. Da gab es Tackernadeln kreuz und quer oder nur halb getackert, grobe Heißkleberspuren, einen unsauberen Schnitt oder ein verzogenes Bild. IMG_0063 Die Farben des Drucks sind gemäß meiner Vorstellung, sie verschwimmen nicht ineinander und geben ein klares Bild wieder. Blau, rot, gelb, grün und weiss sind ohne andere Farbstiche und ohne das die Konturen schwammig werden wiedergegeben. Alles in allem ein sehr sauberer, detailgerechter Druck, der von guter Qualität spricht. IMG_0067 IMG_0065Ich bedanke mich ganz herzlich bei Pixum für die Bereitstellung eines Gutscheins. Damit ist ein weiterer Schritt in Richtung „Autismus öffentlich machen“ getan. Die erste Leinwand für eine Ausstellung ist fertig.

Ich sehe was, was du nicht siehst.

Noch 2 Haltestellen bis nach Hause da steigt ein junger Mann in die U-Bahn ein. Ich sitze wie immer vorne um visuelle, auditive und taktile Reize möglichst gering zu halten. Der junge Mann bleibt vor meinem Sitz, direkt an der Tür stehen. Er schnauft ziemlich. Ich vermute, dass er zur Bahn rennen musste und aus diesem Grund so aus der Puste ist. Mir fällt seine mit weißen Farbklecksen besprenkelte Jogginghose auf. Das es eine Jogginghose ist wundert mich. Vorstellen könnte ich mir, dass er gerade von der Arbeit kommt, dazu passt der dunkelblaue Rucksack den er trägt und die Uhrzeit. Doch trägt man auf Arbeit nicht eine Arbeitshose? Das ist ein Bild, welches ich öfter in der Bahn beobachte. Es kann natürlich sein, dass er noch Probetage hat, dafür ist die Anschaffung einer Arbeitshose eventuell nicht wichtig.  So mache ich mir meine Gedanken.

Das Fotolicht seines Handy in grüner Schutzhülle blinkt plötzlich grell auf. Macht er etwa ein Foto vom Boden der Bahn? Nein es scheint das Zeichen eines eingehenden Anrufes zu sein, denn er hält das Telefon kurz darauf ans Ohr. Das Gespräch ist sehr kurz, er sagt nur einmal leise „ja“ und zweimal „ok“. Die Bahn ruckelt weiter.

Der junge Mann hält sich nun mit der linken Hand an der Haltestange fest, die rechte Hand legt er ruckartig auf Brusthöhe an seinen Körper. Eine Geste, die ich oft beobachte, nachdem Menschen einer Bahn oder einem Bus hinterher gelaufen sind. Anschließend neigt er seinen Kopf sodass die Stirn seinen linken Oberarm berührt und atmet weiterhin mehrmals kräftig pustend aus. Er muss wirklich gerannt sein. Ich schaue mir noch immer die winzigen Farbkleckse auf seiner Hose an, finde kleine Muster, die vermutlich wieder nur ich entdecke und wundere mich dabei noch immer über die Art/ den Stoff der Hose.

Nach weiteren 2 Minuten fahren wir in unsere U-Bahnstation ein. Ich stehe auf und achte darauf den jungen Mann dabei nicht berühren zu müssen. Zum Glück geht er ein Stück zur Seite. Nachdem die Tür der Bahn sich geschlossen hat spricht das Herzkind mich an: „Mama, ich würde gerne wissen warum der Junge geweint hat. Mich macht es immer total traurig andere traurig zu sehen.“
Ich denke kurz nach, aber vor uns in der Bahn stand nur der junge Mann. Es ist möglich, dass an der Haltestelle ein weinender Junge sass. Ich war dort völlig überfordert vom aufpassen müssen niemanden zu berühren, von der Fülle an Farben der Kleidung vieler Menschen, den vielen Tönen. Ich suche in meinem Kopf aus dem ganzen Wirrwarr nach dem Bild eines weinenden Jungen und finde keines. Auch weinen gehört habe ich niemanden. „Welchen Jungen meinst du denn? Ich habe keinen gesehen.“
„Na der, der in der Bahn genau vor dir stand.“

Ich habe wirklich nicht bemerkt, dass er geweint hat. Hätte es nach meinen Beobachtungen und unter den gegebenen Umständen nicht so eingestuft. Zudem habe ich die Person als jungen Mann, vermutlich gerade in Ausbildung, wahrgenommen nicht als Jungen.  Das er einen dunkelblauen Rucksack mit zwei Aufnähern trug und eine Jogginghose mit weißen Farbtupfern, das wiederum ist dem Herzkind nicht aufgefallen.

Sommerreize

Vor kurzem sagte ich: „Ich mag den Sommer nicht.“ Diese Aussage ist jedoch viel zu ungenau. Differenzierter müsste es heissen: „Ich mag die Sommerreize nicht.“ Noch detailierter wäre es,  die einzelnen Unannehmlichkeiten zu benennen, was ich mit diesem Post versuchen möchte.

Zum ersten ist da die Sonne mit ihrer Helligkeit. Das Licht allein ist schon greller als in anderen Jahreszeiten. Dann wird es von vielen Gegenständen reflektiert, beispielsweise von weissen Wänden, spiegelnden Fenstern, Plakatscheiben, Scherben und Kronkorken auf dem Weg  oder auch von weißem Geschirr, wenn man an einem Café vorbei geht. Es gibt Tage, da hilft nicht einmal die Sonnenbrille, selbst hinter ihr werden meine Augen geblendet und fangen an zu schmerzen.

Im Sommer gibt es draussen auch mehr und lautere Geräusche. Zum einem sind da die vielen elektrischen Geräte wie Rasenmäher, Heckenscheren, Sägen und Musikanlagen. Zum anderen wird nicht mehr nur in den Häusern gebaut, gespielt, gelacht und gelebt sondern viele Aktivitäten werden nach draußen in Gärten und Hinterhöfe verlegt. Gemeinsames Beisammensein, feiern und sich unterhalten. Die Umgebungsgeräusche nehmen damit in den Sommermonaten zu.

Im Sommer sind (gefühlt) mehr Menschen unterwegs. Sie sind nicht darauf bedacht schnell in warme Gebäude zu kommen und halten sich somit öfter und länger draussen auf.  Sie unterhalten sich, telefonieren, lachen und rufen Bekannte die sie draußen erkennen.  Autofahrer sind gereizt von der Wärme (?) und hupen öfter, wollen schneller zu Hause, im Park oder im Schwimmbad sein (?). Motorräder werden aus den Garagen geholt und einige Fahrer/innen möchten, an Ampeln oder in freier Fahrt,  zeigen welch hohen Sound ihr Fahrzeug erreichen kann.

Und weil so viel mehr Menschen draussen sind ist der Geräuschpegel höher, weil jeder die anderen Geräusche übertönen möchte um gehört oder einfach nur verstanden zu werden. Die Menschen sitzen nicht mehr in den Cafès, sondern draußen. Sie strömen in die Städte und Parks. Sie nehmen auch der Natur ihre Stille indem sie Musik mitbringen, sich in Gruppen versammeln – mit vielen Unterhaltungen und gemeinsamen Essen.

Und da bin ich beim dritten Faktor – Gerüche. Es gibt angenehme und unangenehme, wobei angenehme in ihrer Vielzahl auch wieder unangenehm werden können – was gerade im Sommer überhand nimmt. Beispielsweise wenn „an jeder Ecke“ gegrillt wird und damit die unterschiedlichsten Duftstoffe freigesetzt werden. Es riecht nach Fleisch, nach Kohle, nach Gemüse, verkohlt oder verbrannt. Es gibt gerade am Wochenende kaum Möglichkeiten einen Spaziergang zu unternehmen ohne mit diesen Gerüchen konfrontiert zu werden.
Und dann sind da die Gerüche, die vom Menschen ausgehen. Von verschwitzten aber auch von gepflegten Menschen. Denn auch Deo und Parfüm mit ihren vielen unterschiedlichen Dufteigenschaften werden gehäuft eingesetzt und „vernebeln“ die Umgebung.  Diese künstlichen Duftstoffe nehmen mit der Anzahl der Personen und mit steigenden Temperaturen massiv zu.

Visuell, auditiv und olfaktorisch fühle ich mich mit oben genanntem,  im Sommer mehr Reizen ausgesetzt als beispielsweise im Winter, wenn die Menschen sich in warmen Gebäuden aufhalten und die Sonne einige Stunden weniger und „sanfter“ strahlt.  Der Sommer ist für mich heller, lauter und stickiger als andere Jahreszeiten und aus dieser Wahrnehmung entspringt die Eingangsaussage: „Ich mag den Sommer nicht“.

 

mitten auf der Autobahn

Stelle Dir vor, du stehst in der Mitte einer stark befahrenen, dreispurigen Autobahn. Große, kleine, gelbe, rote, blaue, grüne Fahrzeuge mit Licht, ohne Licht, mit neonfarbener Werbung, diversen Aufschriften – einfach die gesamte Farbpalette an Kraftfahrzeugen rauscht in sekundenschnelle an Dir vorbei.

Hinzu kommen die diversen Fahrgeräusche von vorne, hinten, links und rechts. Mitunter ein ärgerliches, ohrenbetäubendes hupen, weil Du ja mitten im Weg stehst.  Nicht zu vergessen die zwischendurch schrillen Sirenen der Einsatzfahrzeuge.

Stelle Dir nun vor dies müsstest Du täglich bis zu dreimal erleben. Wie lange hältst Du es aus?  Schaffst Du es dreimal täglich für jeweils 15 Minuten? Schaffst Du es länger? Wie viel Pausenzeit würdest Du zwischendurch benötigen bevor Du Dich wieder dem Stress aussetzt? Wie viele Tage hintereinander schaffst Du diese Prozedur? Eine Woche, ein Monat, ein Jahr?

Du denkst niemand würde sich diesem Stress aussetzen? Da irrst Du Dich. Ich erlebe ihn fast täglich. Beim Besuch im Supermarkt,  beim Gang durch die Stadt, in Geschäften, bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, kurz gesagt bei jeder Form von Menschenansammlungen. Das oben beschriebene ist meine Wahrnehmung in diesen Situationen. Ungefiltert stürzt alles auf mich ein.  Vorbeigehende Menschen sind die „Fahrzeuge“. Ihre Unterhaltungen der „Verkehrslärm“, ihre Kleidung und die Farben der Umgebung die bunte Farbpalette. Es strengt an. Wahnsinnig an.
Und darum gibt es Tage da ist ein Gang nach draußen einfach nicht möglich.  Da ist schon das zappelnde Kind neben mir eine Herausforderung, die Stimmen aus dem Fernseher keine Minute ertragbar und der Tag nur aushaltbar mit Ohropax, Sonnenbrille und Rückzug unter die Decke.

eine Wohnung einrichten – Schritt für Schritt

Langsam, ganz langsam entstehen Kopfbilder der neuen Wohnung.  Dafür habe ich mir Kopien des Grundriss geben lassen und stöbere auf verschiedenen Internetseiten und durch Prospekte. Ich setze mir Markierungspunkte und lasse Innenbilder entstehen. Immer wieder schaue ich mir die möglichen neuen Möbel an um zu überprüfen ob es gedanklich passt. Ob das Bild stimmig wird.

Demnächst möchte ich mir die Möbel aus dem Internet auch direkt anschauen. Dafür werden wir in verschiedene Möbelhäuser fahren müssen. Ich möchte sehen und fühlen. Erkennen können ob das Internet mich in der Wahrnehmung des Möbelstücks auch nicht getäuscht hat. Wenn dieser Schritt getan ist, vielleicht auch mehrfach bis es stimmig ist, muss noch einmal geschaut werden was finanziell von all dem überhaupt möglich ist. Natürlich habe ich es jetzt bei der Auswahl schon etwas im Blick, dennoch notiere ich momentan alles was überhaupt „neu“ angeschafft werden muss. Auch damit das Kopfbild des Raumes komplett wird. Was dann wirklich geht und was erst viel später wird später nochmal sortiert.

Ganz wichtig ist auch der Blick in die Kleinanzeigen. Da nun langsam ein Grundkonzept steht kann ich schauen ob es ähnliche Möbel, Geräte und Materialien günstig gibt. Sollte dies der Fall sein, werde ich nach Reservierung fragen.

Es geht voran. Ganz langsam. Schritt für Schritt. Was sehr nötig ist. Das Gefühl, das mir die Zeit wegläuft bleibt. Einfach weil diese große, auf mich zukommende Veränderung in kleinen, aufgeteilten Schritten wahrgenommen werden muss, da sonst die „Überflutung“ droht.

geblockt

Geblockt sind die Tränen, die Gefühle. Auf die Frage ob es mir besser geht habe ich keine Antwort. Sachlich kann ich Situationen schildern, aber ob die Gefühle dazu auch aussen ankommen weiss ich nicht.  Tränen spüre ich innen, aber in der Situation nicht mehr so nah  wie noch vor der Klinik. Irgendwie verschlossener. Es ist schwer erklärbar, aber mir gefällt das nicht.  Es ist ein Schritt zurück. Ein „Gefühle nicht mehr zulassen“.

Ich glaube vor der Klinik war ich den Gefühlen näher, im (schriftlichen) Gespräch, konnten auch mal 2-3 Tränen laufen lassen.  Im persönlichen Gespräch eher nicht, aber da ging auch sachlich nichts mehr. Da war nur noch ein stumm sein da. Ein fühlen. Jetzt merke ich erst hinterher, „hey eigentlich hättest du weinen können“ und „es tut ziemlich weh innen“ und dann reagiert der Körper mit Kopfweh, Übelkeit und Magendrücken.

Schwierig.