duschen als Skill

„Warum tut dir das duschen in Spannungssituationen eigentlich gut? Das sind doch massive Reize denen du da ausgesetzt bist.“

Nun, man muss hier unterscheiden zwischen Anspannungssituation und Overload. Beim Overload ist das duschen tatsächlich absolut unmöglich. Die Überreizung ist bereits da und jeder weitere Reiz kann mich ins absolute „aus“ bringen. Ein Zustand bei dem auch der Körper (beispielsweise mit Kreislaufzusammenbruch) reagiert.

In Anspannungssituationen jedoch „beruhigt“ das duschen. Der Duschraum ist ein Raum mit klarer Begrenzung. Nicht zu eng, aber auch nicht zu weit. Gedämpftes Licht und visuelle „Ruhe“ schaffen eine Pause für die Augen. (Meist sind meine Augen sowieso geschlossen, doch wenn ich sie öffne, werden sie nicht sofort überfordert.)

Das gleichmäßige rauschen des Duschstrahls bleibt konstant. Was jedoch noch viel wichtiger ist: es überdeckt alle anderen Umgebungsgeräusche. Selbst die Körpergeräusche (wie etwa den Herzschlag), die mit Ohropax extrem störend sein können, und in Anspannungssituationen weiter in die Überforderung treiben, werden überdeckt.

Die Berührung des Wassers auf der Haut hat ebenso einen konstanten Härtegrad. Ich spüre selbstbestimmt die Grenze des Körpers, kann bei mir bleiben. Es unterdrückt Autoagression, die sonst gegen den Körper einsetzen würde. Die kontrollierte taktile Reizung lenkt von anderen unangenehmen, nicht steuerbaren Körperwahrnehmungen (wie Unruhe, Anspannung, Verspannung oder Schmerz) ab.

Das duschen, nicht im Sinne von sich waschen und pflegen, sondern im Sinne von spüren, wahrnehmen und die Umgebung bedecken, ist daher tatsächlich ein Skill, der Überforderung mit sich selbst zumindest für den Moment „wegspülen“ kann.

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