und das Sein ist nur noch Schein

wenn ich dürfte wie ich kann
wäre es nicht wie es ist

wenn ich tue was ich bin
wäre es anders als jetzt

wenn ich nicht kann
weil ihr nicht glaubt

wenn ich nicht bin
weil ihr nicht seht

wenn man versucht
was man nur übt

wenn man nicht lebt
was man doch ist

wenn die Umwelt bestimmt
und das Sein ist nur noch Schein

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welcome back

Seit gestern bin ich wieder zu Hause.  Die Herzchaostochter kam heute Mittag von ihrer Oma zurück. Wir versuchen uns neu einzuleben. Das heisst auch, das ich in nächster Zeit nicht viel zum bloggen kommen werde. Einen Bericht zum Klinikaufenthalt wird es vermutlich irgendwann noch geben. Nicht sofort, aber auch weil ich gerne (für mich) reflektieren möchte, werde ich darüber schreiben.

Die Zeit in der Klinik war richtig, wenn auch nicht alles gut war, so konnte ich doch im Groben „zurück zu mir“ finden.

Bedanken möchte ich mich für eure Gedanken, Wünsche und für so manches Wort. Ihr habt es möglich gemacht diese „Auszeit“ zu nehmen, durchzuhalten und Denkanstöße zu finden.  Die  schriftlichen „Gespräche“ waren sehr wertvoll in dieser Zeit.

Halt geben

nicht frontal
nicht von vorne nach mir greifen, die Hand ausstrecken
eine sanft abgelegte Hand auf der Schulter
ein neben mich setzen
das ist die Geste die gut tut
leise Worte

ich brauche eine Sichtfluchtmöglichkeit
mein Blick muss frei sein
wenn jemand vor mir steht geht es nicht
frontales auf mich zu kommen ist bedrohlich

wenn jemand neben mir sitzt
bin ich freier
die Hand auf der Schulter
heisst: es ist jemand da, der dich zurück halten möchte
flüchten nach vorn könnte ich dennoch
obwohl ich es in dem Moment wo ich ein wenig nicht bedrohlichen Halt spüre sicher nicht tun würde

Was war das?

(Betonung auf „das“)

Da gehe ich wie jeden Tag meinen Weg zu Herzchaostochters Nachmittagsbetreuung um sie abzuholen. Plötzlich ruft jemand „Hallo?“ Nicht einmal, nicht zweimal, mehrmals. Als ich innerlich registriere das ich gemeint sein könnte, sehe ich mich um und entdecke auf der gegenüberliegenden Strassenseite einen Mann, der etwa in meinem Alter ist. Er sitzt auf einer Treppe eines Hauseingangs und hat sein Telefon in der Hand. Dann fragt er mich: „Gegen wen spielt xy (hier ansässiger Fußballverein)  heute?“ Ich zucke mit den Schultern und sage „weiss ich nicht“. Dann gehe ich weiter. (Zu mehr Reaktion wäre ich auch gar nicht fähig gewesen. Schon diese drei Worte sind viel.)

Plötzlich der Gedanke, was wollte dieser Mann nun tatsächlich von mir? Wollte er nur ins Gespräch kommen? Wollte er tatsächlich die reine Information? Hätte er nicht mit seinem Handy diese Information erhalten können? Wollte er schauen ob ich seine Interessen vertrete? Ist es nicht merkwürdig eine Frau auf Fußball anzusprechen? Einfach so.

Ich trug zwar an diesem Tag im entfernten Sinne die Farben des Vereins, allerdings fiel es mir erst auf als ich über die Situation nachdachte, den Verein, Fußball überhaupt.

Manchmal ist es schwer die Menschen zu verstehen, war es nun Direktheit oder eine verschlüsselte Botschaft? Die Sprache ist manchmal echt kompliziert.

Arztgespräch

In mir schwirren noch immer seine Worte. Ich kann sie nicht einsortieren. Was bezweckte er mit der Aussage?  Sein Tonfall war nicht einsortierbar. In mir die Worte „es tut mir leid“ draussen nur schweigen.

„Vor 3-4 Wochen wird das aber nichts. Ich habe (Anzahl) Patienten, (etwa 1/3) davon möchte gerade genau das gleiche wie sie. (..)“

unterbrochen

Unterbrochen sind die Rituale hier auf dem Blog

  • keine Sonntagsworte
  • kein Freitagsfüller
  • keine regelmäßigen Einträge

Ich schaffe es nicht mehr.
Schlage die Seite auf und nichts geht.
Worte blockieren mich.
Sind momentan einfach nicht blogfähig.
Vielleicht irgendwann wieder. Vielleicht auch nicht.
Vielleicht kommt neues. Vielleicht kehrt das alte wieder.

Medikamente

Oft lese ich bei anderen Menschen, die wegen Depressionen Medikamente nehmen müssen, das sie froh sind ihre Medikamente abzusetzen. Meist von sich aus, ohne ärztliche Absprache. Ich gebe zu, auch ich habe dies schon getan. Weil ich merkte das mir dieses Medikament nicht hilft oder weil die Nebenwirkungen für mich nicht akzeptabel waren.

Bei den Menschen die ihr Medikament eigenverantwortlich absetzen lese ich oft, die Begründung: Mir geht es besser. Ich benötige sie nicht mehr. Kurz darauf geht es psychisch oft wieder ins negative. Sie werden antriebslos, emotional, kurz gesagt rutschen wieder in die Depression.

Ihr lieben, warum tut ihr das?  Euch geht es oft besser, auch weil ihr das Medikament nehmt. Das Medikament hilft euch stabil zu bleiben. Hier spreche ich vor allem die chronisch kranken an. Warum kommt ihr auf die Idee das Medikament abzusetzen? Ein Bluthochdruckpatient würde doch auch nicht auf die Idee kommen seine Medikamente abzusetzen nur weil es ihm besser geht. Manch ein Körper braucht eben einfach die Unterstützung.

Auch ich habe lange gebraucht diese Erkenntnis anzunehmen. Ich wünsche mir für euch, das ihr euch gutes tut. Das ihr eure Medikamente nehmt, wenn der Körper es benötigt. Damit ihr öfter und länger sagen könnt „Mir geht es gut.“