Ich sehe was, was du nicht siehst.

Noch 2 Haltestellen bis nach Hause da steigt ein junger Mann in die U-Bahn ein. Ich sitze wie immer vorne um visuelle, auditive und taktile Reize möglichst gering zu halten. Der junge Mann bleibt vor meinem Sitz, direkt an der Tür stehen. Er schnauft ziemlich. Ich vermute, dass er zur Bahn rennen musste und aus diesem Grund so aus der Puste ist. Mir fällt seine mit weißen Farbklecksen besprenkelte Jogginghose auf. Das es eine Jogginghose ist wundert mich. Vorstellen könnte ich mir, dass er gerade von der Arbeit kommt, dazu passt der dunkelblaue Rucksack den er trägt und die Uhrzeit. Doch trägt man auf Arbeit nicht eine Arbeitshose? Das ist ein Bild, welches ich öfter in der Bahn beobachte. Es kann natürlich sein, dass er noch Probetage hat, dafür ist die Anschaffung einer Arbeitshose eventuell nicht wichtig.  So mache ich mir meine Gedanken.

Das Fotolicht seines Handy in grüner Schutzhülle blinkt plötzlich grell auf. Macht er etwa ein Foto vom Boden der Bahn? Nein es scheint das Zeichen eines eingehenden Anrufes zu sein, denn er hält das Telefon kurz darauf ans Ohr. Das Gespräch ist sehr kurz, er sagt nur einmal leise „ja“ und zweimal „ok“. Die Bahn ruckelt weiter.

Der junge Mann hält sich nun mit der linken Hand an der Haltestange fest, die rechte Hand legt er ruckartig auf Brusthöhe an seinen Körper. Eine Geste, die ich oft beobachte, nachdem Menschen einer Bahn oder einem Bus hinterher gelaufen sind. Anschließend neigt er seinen Kopf sodass die Stirn seinen linken Oberarm berührt und atmet weiterhin mehrmals kräftig pustend aus. Er muss wirklich gerannt sein. Ich schaue mir noch immer die winzigen Farbkleckse auf seiner Hose an, finde kleine Muster, die vermutlich wieder nur ich entdecke und wundere mich dabei noch immer über die Art/ den Stoff der Hose.

Nach weiteren 2 Minuten fahren wir in unsere U-Bahnstation ein. Ich stehe auf und achte darauf den jungen Mann dabei nicht berühren zu müssen. Zum Glück geht er ein Stück zur Seite. Nachdem die Tür der Bahn sich geschlossen hat spricht das Herzkind mich an: „Mama, ich würde gerne wissen warum der Junge geweint hat. Mich macht es immer total traurig andere traurig zu sehen.“
Ich denke kurz nach, aber vor uns in der Bahn stand nur der junge Mann. Es ist möglich, dass an der Haltestelle ein weinender Junge sass. Ich war dort völlig überfordert vom aufpassen müssen niemanden zu berühren, von der Fülle an Farben der Kleidung vieler Menschen, den vielen Tönen. Ich suche in meinem Kopf aus dem ganzen Wirrwarr nach dem Bild eines weinenden Jungen und finde keines. Auch weinen gehört habe ich niemanden. „Welchen Jungen meinst du denn? Ich habe keinen gesehen.“
„Na der, der in der Bahn genau vor dir stand.“

Ich habe wirklich nicht bemerkt, dass er geweint hat. Hätte es nach meinen Beobachtungen und unter den gegebenen Umständen nicht so eingestuft. Zudem habe ich die Person als jungen Mann, vermutlich gerade in Ausbildung, wahrgenommen nicht als Jungen.  Das er einen dunkelblauen Rucksack mit zwei Aufnähern trug und eine Jogginghose mit weißen Farbtupfern, das wiederum ist dem Herzkind nicht aufgefallen.

Advertisements

mitten auf der Autobahn

Stelle Dir vor, du stehst in der Mitte einer stark befahrenen, dreispurigen Autobahn. Große, kleine, gelbe, rote, blaue, grüne Fahrzeuge mit Licht, ohne Licht, mit neonfarbener Werbung, diversen Aufschriften – einfach die gesamte Farbpalette an Kraftfahrzeugen rauscht in sekundenschnelle an Dir vorbei.

Hinzu kommen die diversen Fahrgeräusche von vorne, hinten, links und rechts. Mitunter ein ärgerliches, ohrenbetäubendes hupen, weil Du ja mitten im Weg stehst.  Nicht zu vergessen die zwischendurch schrillen Sirenen der Einsatzfahrzeuge.

Stelle Dir nun vor dies müsstest Du täglich bis zu dreimal erleben. Wie lange hältst Du es aus?  Schaffst Du es dreimal täglich für jeweils 15 Minuten? Schaffst Du es länger? Wie viel Pausenzeit würdest Du zwischendurch benötigen bevor Du Dich wieder dem Stress aussetzt? Wie viele Tage hintereinander schaffst Du diese Prozedur? Eine Woche, ein Monat, ein Jahr?

Du denkst niemand würde sich diesem Stress aussetzen? Da irrst Du Dich. Ich erlebe ihn fast täglich. Beim Besuch im Supermarkt,  beim Gang durch die Stadt, in Geschäften, bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, kurz gesagt bei jeder Form von Menschenansammlungen. Das oben beschriebene ist meine Wahrnehmung in diesen Situationen. Ungefiltert stürzt alles auf mich ein.  Vorbeigehende Menschen sind die „Fahrzeuge“. Ihre Unterhaltungen der „Verkehrslärm“, ihre Kleidung und die Farben der Umgebung die bunte Farbpalette. Es strengt an. Wahnsinnig an.
Und darum gibt es Tage da ist ein Gang nach draußen einfach nicht möglich.  Da ist schon das zappelnde Kind neben mir eine Herausforderung, die Stimmen aus dem Fernseher keine Minute ertragbar und der Tag nur aushaltbar mit Ohropax, Sonnenbrille und Rückzug unter die Decke.

reizarm leben

Ich würde mir ein Zimmer wünschen, das so minimal wie möglich eingerichtet ist. Das betrifft nicht nur Möbel und Deko sondern auch Farben. Ein Zimmer mit Wohlfühldingen zum vorbeugen oder regenerieren einer Reizüberflutung. Da ich aber nicht alleine wohne ist es nicht ganz einfach. Die Herzenstochter braucht zusätzlich noch einige Dinge, auch der Knirps hat seine Spielecke im Wohnzimmer. Vieles hat zwar seinen Platz, aber dennoch ist es nicht stimmig für mich. Dies liegt hauptsächlich an den wenigen Stauraummöglichkeiten, da ich keine Wohnzimmerwand habe hinter deren Türen ich Dinge aus den Augen legen könnte. Momentan versuchen wir viel auszusortieren um die visuellen Reize zu verringern. Bei der Einrichtung der nächsten Wohnung werde ich da hoffentlich mehr drauf achten. Bei meinem Einzug hier, haben wir jeden Raum andersfarbig gestrichen, was aus heutiger Sicht nicht optimal war.

Taktil kann ich mich mit meiner Decke (manchmal müsse es auch zwei sein) beruhigen. In sie hinein wickeln, Wiederstand spüren,  geschützt sein.

Akustisch haben wir uns gut eingerichtet. Die Herzenstochter hört Musik oft über Kopfhörer, die Lautstärke beim gemeinsamen Fernsehen oder Radio hören ist gering eingestellt. Besucher fragen schon mal ob wir überhaupt etwas verstehen, ihr Gehör ist vermutlich lautere Einstellungen gewöhnt. Es gibt jedoch Geräusche die mich teilweise sehr stören und die nicht einfach regelbar sind. Da sind beispielsweise das brummen des Kühlschranks, der Lüfter des Laptop oder das ticken der Uhren.  Ich nutze  eine Analoguhr, da ich so die Zeitabschnitte besser einteilen kann. Ich sehe beispielsweise genau wieviel Zeit ich noch habe bis zum nächsten Tagespunkt. Diese visuelle Darstellung der verbleibenden Zeit gibt mir Sicherheit.

Auf der langen Suche nach einer analogen, geräuschlosen Uhr stieß ich auf das Wort Sweepuhrwerk. Ein Sweepuhrwerk lässt den Sekundenzeiger durchlaufen und somit entsteht kein unangenehmes ticken. Die Uhren sind jedoch leider nicht sehr preiswert und somit wollte ich mir diesen Wunsch von dshini erfüllen lassen.  Dann kam die Nachricht, dass 3 liebe Menschen mir diesen Wunsch sofort erfüllen und schon eine Woche später hielt ich meinen neuen Alltagshelfer in den Händen.

IMG_4097 Uhr

Danke Svea, Ilana und Mel.

12 von 12

fluff, marshmallow, erdnussbutter, breakfast, amerikanisch „Fluffernutter“ frühstücken

Taschen packen

einen Platz am Wasser suchen

mutig sein

Sommerwetter genießen

Besuch bekommen

ein Eis schlemmen

den Minifuhrpark beobachten

über Farbverläufe staunen

für den Herzenswunsch ein paar Aufgaben erledigen

Abendrituale einhalten

müde und glücklich ins Bett gehen

mehr 12 von 12 wie immer bei Caro

Sonntagsaktivitäten

dieser Post ist angelehnt an  mitgemacht von Bonafilia (die dort leider nicht mehr bloggt)

aufgeschrieben werden dieses Mal jedoch nur heutige Sonntagsaktivitäten und Gedanken

  • Pfannkuchen mit süßen Belag gefrühstückt
  • die Herzchaostochter hat mit der Schneeschaufel den halben Sandkasten umgegraben; dabei einen Schatz gefunden; der gestern versteckt aber nicht mehr aufgefunden wurde
  • ich habe ein Geburtstagsgeschenk fertiggestellt, dass längst beim Empfänger sein sollte; im Kopf war es lange geplant; die Energie zur Umsetzung hat jedoch gefehlt; leider ist das Ergebnis nicht annähernd so geworden wie vorgestellt; auch beim zweiten Versuch hat es nicht wirklich geklappt; gehofft wird dennoch, dass die Botschaft verständlich ist; wo es letzendlich untergebracht wird (ob im Müll, Schrank oder sonstwo) ist zweitrangig; ich werde noch versuchen einige Worte zu formulieren, dann wird es endlich abgeschickt
  • das gemütliche Sonntagsbad war entspannend
  • die Chaoskaninchen sind nach ihrem Frühstück durch die Wohnung geflitzt; genossen danach einige Sonnenstrahlen auf der Fensterbank
    .
  • gewonnen haben wir bei langweiledich.net einen Gutschein; so wurde zum Mittag Pizza von unserer Lieblingspizzeria gegessen
  • geplant sind nun noch ruhige Stunden; die gewohnte Abendkuschelzeit; und vorher ein kleiner Spaziergang bei dem vielleicht ein wenig geknipst wird

Ich wünsche euch, dass ihr einen entspannten Sonntag habt/hattet und bedanke mich fürs reinschauen.

#12von12 im Februar

Chaoskaninchen 1 hat ein Hühnchen zu rupfen

Chaoskaninchen 2 erobert einen neuen Lieblingsplatz

Sonntagvormittagentspannungsbad

  ein wenig Haushalt machen

Bandnudeln mit Tomatensoße

Versuch weiter zu lesen

Kuchen, Karamellkuchen, milchmädchen, milchmädchenkuchen, dessert Banoffee Pie versüßt den Tag

an Dad denken

und an mein Sternenkind

die Herzchaostochter bereitet das Abendessen vor

neue Entdeckung Chili-Salami für lecker befunden

den Tag ausklingen lassen – Kuschelzeit

weitere Teilnehmer wie immer bei „draussen nur Kännchen“

Wartemodus

im Moment ist Stillstand
man sagt es ist gut
zumindest in der jetzigen Situation

ich mag das distanzieren vom innen aber nicht
weil es immer so sein musste
weil mein Innen nicht erhört werden durfte
nicht relevant war

umschalten auf funktionieren

und warten

warten auf den Kurbescheid
er entscheidet ob ich das Meer noch einmal sehen kann

und darum versuche ich weiterhin zu funktionieren
das Innen zu kompensieren
und täglich mindestens einen Overload dafür einstecken zu müssen

und Stillstand heisst nicht Stille
in mir schreit es