Smalltalk

Auf dem Weg zum Arzt und zum Versorgungsamt.

B: „Kalt ist es geworden.“
„Ja.“

und schon startet des Gedankenkarussell:
Von der Jahreszeit her ist es ja okay, das es so kalt ist. Es ist eben Winter. Nur ungewohnt  da die letzten Tage und Wochen doch sehr mild waren. Gestern hat es ziemlich geregnet. Wären es heute Schneeflocken? Brrr, ja es ist ziemlich kalt geworden.  Ich hätte auch meine Mütze aufsetzen sollen. Aber daran habe ich wieder mal nicht gedacht. Das wäre ja etwas neues im Ablauf des anziehens gewesen. Wie schaffen es andere da einfach mal so dran zu denken?
B. hat eine Mütze auf. Das habe ich schon von weitem gesehen, als sie bereits an unserem Treffpunkt auf mich wartete. Da dachte ich schon. „Stimmt eine Mütze hätte ich auch anziehen können.“ Warum kann ich nicht so spontan handeln?
Wo ist meine Mütze eigentlich? Zuletzt hatte ich sie mit an der Nordsee. Eine Mütze mit ans Meer zu nehmen ist Routine. Also das einpacken. Getragen habe ich sie dort aber auch nicht. Es gab zwar einen Tag wo es sehr frisch war, aber auch da war es ja nicht im Ablauf des anziehens integriert, dementsprechend hatte ich sie nicht auf. Das ganze braucht wieder eine genaue Planung, ein daran denken bis es zur Gewohnheit wird.  Aber wo ist die Mütze jetzt? Liegt sie im Flur? Nein. Vielleicht noch im Rucksack oder im Schrank. Es gibt ja auch noch die rote Mütze von F. Sie liegt im Schrank, das weiß ich genau. (ich gehe die Bilder im Kopf nochmal durch wo die Mütze liegt, gehe den gestrigen Regentag nochmal durch, fühle was es für mich bedeuten würde im Regen draussen zu sein)
Zum Glück regnet es nicht. Gut das wir heute unterwegs sind und nicht gestern. Oh, das ist etwas das uns beide angeht. Schließlich profitieren wir beide davon.
„Zum Glück regnet es nicht.“ möchte ich sagen. Doch stopp. Soll ich das jetzt noch sagen? Es ist einige Minuten her, seit der Dialog begann. Warum fällt mir dieser Satz erst jetzt ein? Das wäre eine mächtige Verzögerung des antwortens.
Ach Smalltalk du leidiges Ding.

Advertisements

Nachtrag zu „fremde Welt“

Biki antwortete mir unter dem Artikel   `fremde Welt` sehr ausführlich. Ihre Worte regten mich noch einmal zum Nachdenken an und ich möchte ihr hier gerne mein Feedback zu ihren Worten geben.

Zitat: „Ein halbwegs sensibler Mensch wird sicher auch schon ein einstudiertes Programm erkennen. Und ob wirklich alle -oft oberflächlich- Small-talkenden den Abbruch überhaupt bemerken würden?“

Deine Worte sind für mich sehr gut nachvollziehbar. Mir macht genau das Sorge, was du in diesem ersten Teil beschreibst. Ein sensibler Mensch bemerkt es vielleicht sehr schnell, auch Menschen mit denen ich des öfteren in Small-Talk Situationen komme, würden vermutlich schnell darauf aufmerksam werden. Inwieweit andere einen Abbruch bemerken kann ich nicht einschätzen, denn es gab des öfteren Situationen in denen ein Gespräch abrupt endete und wir zu zweit nur noch nebeneinander standen oder hergingen. Dies sind für mich (mittlerweile) immer sehr unangenehme Momente, da ich nicht weiss, wie mein Gegenüber das Ende des Gesprächs empfunden hat. Früher hatte ich keine Probleme damit, da ich mir keine Gedanken darüber machte. Jetzt wo vieles in der Therapie angesprochen wird, achte ich sehr auf die Situationen und bemerke die Unterschiede. Denke auch über mein Gegenüber nach, was ich früher kaum tat.

Weiterlesen

fremde Welt

Ich werde hier über meine Therapiestunden nicht ausführlich  berichten, sondern nur wichtige Punkte für mich festhalten.

Meine letzte Therapiestunde war sehr gut. Dieses Mal kamen wir zum Thema Small-Talk.  Viele Aspekte die im Small-Talk wichtig sind versuchte mir meine Therapeutin so gut wie möglich verständlich zu machen. Für mich bleibt dies eine Sache die ich für nicht notwendig kategorisierte. Nicht nur einmal gab mir meine Therapeutin (positiv ) das Feedback, dass ich sehr gut sachlich argumentieren kann und alles auf sachlicher und logischer Basis abhandeln würde. Small-Talk dagegen wird oftmals nicht auf sachlicher Ebene geführt und darf meistens nicht logisch angegangen werden. Ein Grund warum ich wohl kein guter Gesprächspartner für Small-Talk bin und warum ich dieses Phänomen nicht verstehe. Warum bespricht man Dinge immer und immer wieder, nachdem man einmal seinen Standpunkt vertreten hat?  Wir besprachen einige Situationen und versuchten Ansatzpunkte zu finden. Vorgenommen habe ich mir nun, das Verhalten anderer Personen im Small-Talk zu beobachten. Eigentlich habe ich dies schon oft getan und bin immer wieder zu dem Entschluss gekommen, das es für mich nicht wertvoll ist. Lernen konnte ich daraus nie, eher im Gegenteil, immer mehr Fragezeichen bauten sich in meinem Kopf auf.
Auch das ich in Bildern denke erklärte ich meiner Therapeutin und das es mir aus diesem Grunde nicht möglich ist gewisse Dinge nachzuvollziehen. Wenn ich dann Begebenheiten erzählt bekomme zu denen ich keine Bilder habe, sind es nur fremde Worte die auf mich einprasseln und ich kann dieses Wortpuzzle nicht zusammensetzen. Es ist, als würde man einer Fremdsprache zuhören und kein Wort verstehen. Anhand verschiedener Beispiele besprachen wir die Situationen und erläuterten die Probleme die meinerseits auftreten. 

Meine Therapeutin glaubt daran, dass ich irgendwann in der Lage bin gewisse Situationen im Small-Talk  besser bestehen zu können und das ich bis dahin das „Erlernte“ anwenden könnte. Meinerseits treten da eher Zweifel auf und eigentlich möchte ich auch nicht irgendwann wie ein Roboter erlernte Dialoge abspulen, denn spätestens wenn Antworten und Fragen aufkommen, die ich nicht erlernt habe, die ich in der Situation nicht erwartet habe, stehe ich wieder wie ein Aussätziger in einer fremden Welt da und das Gespräch würde abrupt abbrechen. Ist das positiv für den möglichen Gesprächspartner? Eher weniger, er wird sich wohl ziemlich „veralbert“ fühlen, wenn ich vorher mein einstudiertes Gesprächsprogramm abspule und plötzlich schweigend mit vielen Fragezeichen im Gesicht vor ihm stehe.

Mir geht es gut (vielleicht aber auch nicht)

Small-Talk beginnt oft mit den Worten „Wie geht es dir?“  Warum wird das eigentlich gefragt? Fragen die Menschen dies nicht nur um über sich selbst zu reden?  Wollen sie wirklich wissen wie es mir geht? Wohl nur in den seltensten Fällen! Ich könnte antworten was ich wollte, im Endeffekt redet mein Gegenüber wohl von sich selbst. Ich habe dies oft beobachten können. Small-Talk ist nämlich absolut etwas unverständliches für mich, auch aus den oben genannten Gründen. Es ist nicht wichtig was gesagt wird.
Wenn du sagst es geht mir gut. Dann wird dein/e  Gesprächspartner/in  nun wohl anfangen von seinen/ihren Problemen zu berichten. „Ach, ich bin seit Wochen so erkältet….“,  oder  „Ja, mir geht es auch prima, seit ich die neue Arbeitsstelle habe….“  Der/Die Fragesteller/in wird vermutlich über sich berichten und nur ein  zuhören und zustimmen verlangen. Warum fragt er/sie dann wie es mir geht? Genauso wäre es, wenn man antworten würde „Mir geht es im Moment nicht so gut.“ Die Antwort würde wohl lauten “ Ja, das kenn ich. Als ich mich damals von dem und dem trennte…..“  Die Lebensgeschichte des anderem wird einem erzählt, die Frage wie es einem selber geht, war einfach nur belanglos, die Antwort ist deinem Gegenüber nicht wirklich wichtig. Ich würde meinem Nachbarn, einer anderen Mutter, einem nur Bekannten etc. auch nie erzählen wollen wie es mir geht. Warum fragt er/sie denn dann? Selbst bei Freunden habe ich Probleme zu sagen wie es mir geht, ich weiss es ja oft selber nicht, stelle es in Frage wie schon hier  erwähnt. Diese Frage „Wie geht es dir?“ ist wirklich eine Frage die so nicht gestellt werden dürfte.  Meine Therapeutin stellte diese Frage in den ersten Stunden auch immer, bis sie erkannte, dass ich das nicht einschätzen kann.  (Wobei ich natürich weiss, dass sie die Antwort wirklich wissen möchte und darauf eingehen würde.) Mittlerweile fragt sie nur noch nach meinen Empfindungen in bestimmten Situationen. Beispiel: „Als H. dir das sagte, warst du da wütend?“ Dies fällt mir manchmal etwas leichter einzuschätzen, wenn ich es dennoch oft im Gegenzug wieder in Frage stelle.

von der Unfähigkeit an einem Gespräch teilzunehmen

Ich sitze da und die Menschen um mich herum unterhalten sich. Ein interessantes Gespräch folgt. Ich bin da und höre es. Es ist ein Thema, mit dem ich mich sehr oft beschäftige, ein Thema aus meinem Interessengebiet.
Nun stellt sich mir die Frage, wie gehe ich damit um. Da ich zu dieser Gruppe gehöre, weiss ich, dass es wünschenswert ist, wenn ich meine Erfahrung und mein Wissen einbringe.  Jedoch kann ich mein Wissen oft nur monologartig vortragen.  Aus meiner Erfahrung weiss ich, das es Schwierigkeiten geben wird. Ich bin schnell irritiert, wenn es zu Zwischengesprächen kommt, wenn sich mehr wie zwei Personen unterhalten ist es nur noch ein Stimmengewirr und schon die kleinste Ablenkung kann mich völlig stumm werden lassen.
In der Schule war es immer hilfreich, wenn im Anschluss jeder noch einmal schriftlich dieses Thema bearbeiten musste. Nicht selten erlangte ich hierbei die Note „sehr gut“ und wurde gefragt warum ich mich mündlich nicht einbrachte.
Ich kann  Wissen weitergeben oder schweigen.  Mir liegt mehr das Schweigen. Im Gespräch gibt es so viele Dinge die ich nicht nachvollziehen kann. Worte werden anders  interpretiert als sie gesagt werden. Blicke, Gesten, Mimiken sind Überträger des Gesagten.  Die  Gesprächspartner  akzeptieren  nicht das Wort als Wort, sondern all das was um dieses Wort herum passiert sagt aus, was es bedeutet. Dies ist etwas was mich eingeschüchtert hat.  Da ich es nicht verstehe, weiss ich nicht welche Antwort mein Gegenüber erwartet. Ich sage prinzipiell die Wahrheit und habe dann manchmal das Gefühl, das war falsch oder wurde falsch interpretiert. Nicht selten endet ein Small-Talk-Gespräch nach drei wenigen Sätzen.

In einem Forum lese ich oft die „Small-Talk-Threads“ und finde es  durchaus interessant. Es ist bemerkenswert wie so ein Gespräch ablaufen kann. In schriftlicher Form gibt es nicht die Ablenkungen wie Mimik, Gestik etc. dennoch kann ich  mich nicht einbringen. Small-Talk-Themen sind für mich große Fragezeichen. Etwas, das ich wohl nie erlernen werde.