Ich muss funktionieren, war mein Ziel.

„Frau (Herzchaosmama) hat  die letzten Monate viel besser weggesteckt als ich dachte“ ,  über diese Worte denke ich nach.   Denke nach und frage mich was hat diese Person sich denn vorgestellt?  Es ist ein Satz der etwas aussagt und doch Unwissenheit hinterlässt. Unwissenheit darüber ob es wirklich besser war oder ob irgendetwas einfach nicht wahrgenommen wurde (was ich ganz ohne Wertung meine).

Ich selbst fand die Umstellungen der letzten Monate sehr belastend, war oft am Limit, kämpfte mit Abstürzen, vielen Overloads, Meltdowns und ja manches mal auch mit dem Gedanken das alles doch einfach nur ein Ende haben soll.
Ich kämpfte mich durch. Wortlos, immer schwächer werdend  und doch weiter gehend.

Ich nahm Termine wahr um mich an irgendetwas festhalten zu können.  Termine, die lange schon im Wochenplan integriert sind. Termine die – wegen der gegebenen Struktur – Erleichterung und – wegen der enormen Konzentration und Kraft, die sie brauchten – Belastung bedeuteten.   Ein Zwiespalt der dazu beitrug funktionieren zu müssen und ebenso auch funktionieren zu wollen.  Es mussten ja auch wieder „Gerüste“ aufgebaut und Vertrauen geschaffen werden.

Das Gefühl dabei war oft am Limit der eigenen Kraft zu sein. Pausen die zwischen den Terminen stattfanden wurden gebraucht um den „Reserveakku“ wieder aufzuladen. Nie reichte es um richtig Kraft zu tanken.  Um wieder mit Freude und Vertrauen in mich eine Sache anzugehen. Was früher Freizeit oder Auszeit bedeutete wurde nun zur Pflicht. Ich muss funktionieren, war mein Ziel.

Das ist mein Platz!

Vor einigen Tagen war M. zum Kaffee hier. Während ich in der Küche den Kaffee aufbrühte setzte M. sich bereits ins Wohnzimmer. Das Herzkind, das extra für diesen Nachmittag auf dem Schulheimweg Kuchen mitbrachte deckte den Tisch ein.  Als sie ein zweites Mal zu mir in die Küche kam teilte sie mir mit, dass M. sich auf meinen Platz gesetzt hat.  Es war gut, das ich gleich  Bescheid wusste, nahm die Worte auf, atmete tief ein und aus und sagte dem Herzkind erstmal „Ist ok. Sie ist ja der Besuch.“
Ich habe mittlerweile gelernt das der Besuch „Vorrang“ in vielen Dingen hat. Der Spruch „der Kunde ist König“ zählt in diesem Fall wohl irgendwie auch.  Obwohl Besuch ja eigentlich kein Kunde ist. Wobei, vom eigenen Gefühl her, es ihm recht machen wollen etc. ist es schon fast ähnlich. Aber das ist ein anderes Thema. Zu oft wurde ich schon missverstanden wenn ich etwas beanstandete (wie beispielsweise die Aussage, dass ich einen Platz für mich beanspruche).  M. weiss, das ich meinen Platz habe und hat sich  bewusst dorthin gesetzt. Sie sagte: „Jetzt hat *das Herzkind*schon  *gepetzt*, ich wollte doch wissen, was du sagst.“
Ich hätte nichts gesagt. Ich hätte es auch dann ausgehalten. Wäre vielleicht nochmal kurz aus dem Raum gegangen um es gedanklich einsortieren zu können. Diese Dinge (Provokationen?) machen unsere Treffen manchmal schwierig.  Ich fühle mich dann in meinem Sein nicht akzeptiert. Höre innerlich Worte von früher in meinem Ohr:  „Du kannst es doch aushalten, also verstehe ich nicht wo das Problem ist.“
Ja, ich kann es aushalten, weil ich dann  schweige. Weil ich es aushalten muss. Aber es fordert Kraft. Es macht Begegnungen schwierig. Nimmt Sicherheit und  im Kopf beschäftigt es mich sehr stark.
In diesem Fall immer wieder die Gedanken „Sie sitzt auf meinem Platz Wann geht  sie wieder. Wann darf ich dort wieder  sitzen? Wird der Platz dann immer noch ein Sicherheitspunkt für mich sein oder verändert er sich?  Von hier aus ist mein Blickwinkel anders. Es fühlt sich nicht gut an. Ich fühle mich unwohl.  Es fordert Kraft. Sie soll gehen. Wenn sie aufsteht, möchte ich mich dorthin setzen. Auf meinen Platz. Aber ich darf nicht. Muss mich stark kontrollieren. Es fühlt sich nicht gut an. Ich MUSS es aushalten, muss konzentriert bleiben. Es fordert mich sehr stark. Gedanklich und  gefühlsmäßig. Es ist falsch. Es ist unsicher.“
Der Kopf war das ganze Treffen über mit meinem Platz beschäftigt, hinzu kamen neue Gesprächsthemen. Es war eine Doppelbelastung die sich hätte vermeiden lassen können. Soviel im Kopf. Soviel Gedankenschwurbel, fehlende Bilder, neue Bilder, falsche Bilder. Und dann muss ich aufpassen, dass ich da bleibe. Nicht im „in mir“  verschwinde, weil soviel Kraft erforderlich ist.
Und am Schluss sehen andere nur: „Es geht doch. Hab dich doch nicht immer so.“
Was ich dafür geben musste das es ging, das sieht niemand.
Sie schließen die Tür hinter sich und in mir platzt der Overloadknoten.

Müssen Kinder den Kontostand der Eltern kennen?

Ich sage nein. Und es erschreckt mich ehrlich gesagt, wenn von Kindern aus sogenannten Armutsfamilien berichtet wird und diese sagen können wieviel Geld die Mama, der Papa, die Familie noch hat. Meiner Meinung nach, braucht ein Kind nicht seelisch darunter leiden, aber das tut es, wenn es sich ums finanzielle Überleben sorgt.  Dafür sind die Eltern verantwortlich nicht die Kinder.

Natürlich ist es wichtig dem Kind den richtigen Umgang mit Geld beizubringen. Ihm zu erklären, dass man nicht alles haben kann was man sich wünscht. Ihm verständlich zu machen, das Geld nicht einfach so zur Verfügung steht. Aber dem Kind ständig vorzuhalten wie arm man ist, ist nicht notwendig. Es geht mit anderen Worten. Kinder brauchen keine materiellen Dinge um glücklich zu sein (Essen, Kleidung, Bedarfsgegenstände ausgenommen) sondern Zuneigung, Verständnis und Liebe.

Vielleicht ist das sehr hoch gegriffen, aber auch wir leben an der Armutsgrenze und ich weiss was es heisst am Ende des Monats nichts auf dem Konto zu haben. Ich weiss was es heisst, wenn die Klassenlehrerin für Ausflüge, Kopien, Material usw. Geld möchte und ich wieder rechnen muss, was ich dafür von der Einkaufsliste streiche. Wäre da nicht eine große Hilfe gewesen, hätte ich vermutlich sogar meiner Assistenz kündigen müssen, obwohl sie für den Alltag und die Seele sehr hilfreich ist.

Ich bekomme für das Herzenskind nichts aus dem Bildungspaket, weil ich keinen Wohngeld- oder Hartz Bescheid vorlegen kann. Die EU-Rente wird nicht anerkannt als sozial schwach. Vielleicht weil nicht bedacht wurde, dass es minderjährige Kinder gibt deren Eltern EU-Rente beziehen. GEZ, Klassenfahrt, Schulmaterial, Essensgeld all das trage ich allein ohne staatliche Hilfe.

Das Herzenskind jedoch weiss davon nichts. Sie wurde von Anfang an sparsam erzogen. Bekam nicht jeden Wunsch erfüllt, sondern es wurde besprochen warum wünscht man sich dieses oder jenes. Nach einiger Zeit wurde nochmal geschaut ist der Wunsch wirklich aktuell? Wir haben spielerisch die Preisschilder im Supermarkt untersucht und geschaut wie Firmen und Geschäfte tricksen. Nicht weil ich ihr gesagt habe „wir sind arm“ wir müssen darauf achten, sondern weil es die Umwelt ist. Weil ich ihr die Umwelt erklären möchte und gerade in der Wirtschaft mit Tricks gearbeitet wird.

Ich sorge dafür, dass die Herzenstochter nie Hunger spüren muss. Sie Kleidung hat die sauber ist und ihrer Größe entspricht (oftmals vom Trödelmarkt). Dafür stecke ich zurück, rauche nicht, trinke nicht und ja, wenn die Herzenstochter in der Schule Mittag isst (wofür ich 2,99E pro Essen bezahle) koche ich mir nichts und esse lieber eine Scheibe Brot oder trinke Kaffee (mein Luxusgut).

Es ist gut, dass es Tafeln gibt, sozialschwachen Kindern ein Mittagessen angeboten wird, sie Hilfe bei den Hausaufgaben bekommen. Aber manche Interviews mit diesen Kindern treiben mir die Tränen in die Augen, weil mehr dahintersteckt als „nur“ sozialschwach. (Wobei ich sozialschwach nicht mag, finanziellschwach ist richtig.) Warum sagt beispielsweise ein Kind: „Wenn ich direkt nach der Schule nach Hause gehen würde, wäre da keiner und ich allein.“  Das hat nichts mit finanziellen Mitteln zu tun. Ist die Mutter, der Vater arbeitslos besteht die Möglichkeit da zu sein, wenn das Kind von der Schule kommt, abgesehen davon ob ein Mittagessen angeboten werde könnte.

Ich schreibe hier von mir. Meinen Gedanken. Sie sind gerade sehr einseitig das ist mir bewusst. Ursache ist ein Bericht, den ich gerade mit dem Herzenskind in den Nachrichten sah und das schönste was ich abschließend hörte waren die Worte des Herzenskindes:
„Ich glaube wir leben ungefähr in der Mitte. Nicht reich und nicht arm.“  Und dies lasse ich nun mal so stehen.

Gedanken zur Weiterführung des Blog

Es ist ruhig hier. Nicht weil nichts geschehen ist, sondern weil Ferien waren, wir viel unterwegs und auch sonst momentan die Frage offen steht, wie werde ich den Blog weiterführen. Manch einer hat vielleicht schon gemerkt, dass bereits vor einiger Zeit Beiträge im nachhinein passwortgeschützt wurden. Gleichzeitig schrieb ich weniger. Aufhören zu schreiben werde ich sicher nicht, denn es tut mir gut, es hat mich den Mitmenschen näher gebracht und es hilft einfach das Innenchaos zu sortieren und manches schöne  festzuhalten.

Den Blog begann ich mit dem Gedanken meine Sicht und mein erleben zu beschreiben.  Angefangen habe ich mit Erinnerungsartikeln. Dann ging ich über aktuelle Artikel zu schreiben um den Alltag festzuhalten.  Zu meinem  Alltag gehört die fortschreitende Therapie, emotionale und sachliche Schwierigkeiten und vor allem die Herchaostochter. Somit blieben natürlich Berichte von und mit ihr nicht aus. Erlebnisse und Erinnerungen wurden und werden gerne festhalten.   Alles was direkt über die Herzchaostochter gepostet wird spreche ich im voraus mit ihr ab. Dementsprechend kennt sie den Blog und auch mein Pseudonym Herzchaosmama. Es ist somit möglich, vielleicht sogar vorhersehbar, dass sie diese Seite irgendwann öffnet um auch andere Artikel nachzulesen. Sie wird  älter,  hat auch ausser Haus mehr Internetzugang.

Aus diesem Grund wurden Therapieberichte weniger, Kurzgedanken wurden weniger und noch einiges mehr, was mich bewegt. Manches, zu dem ich vielleicht lieber einen Artikel geschrieben hätte wurde von mir nur kurz auf Twitter bzw der Facebookseite „angeschnitten“. Was das „miterleben“ für die Nichttwitterer bzw Facebooknutzer unter meinen Lesern leider ausschließt.

Ich finde es für mich und meine Leser ein wenig traurig.  Daher ist in mir  die Frage, wie handhabe ich es weiter?

  1. Mit Passwortschutz bei Beiträgen die nur mich betreffen (Therapie, Betreuung, Gedanken, eigenes erleben ect) ? Es könnte jedoch neue interessierte Leser abschrecken. Zudem wäre mein Ziel auch ein wenig über Autismus „aufzuklären“ vielleicht nicht mehr gegeben.
  2. Nehme ich die Herzchaostochter komplett aus dem Blog? Was aber auch bedeuten würde keine familiären Berichte mehr zu schreiben. Dies ist jedoch etwas was zeigt, dass man auch  mit Beeinträchtigung eine Mutter sein kann, die nur das beste für ihr Kind möchte und dies auch versucht umzusetzen.
  3. Ziehe ich um auf eine andere Domain, nutze ein neues Pseudonym?
  4. Ein komplett neuer Blog für Therapie, Betreuung, Schwierigkeiten, dies und das was nur mich betrifft.

Schwierig.

Reha – Wie wird es enden?

Eigentlich wollte ich heute anfangen über unseren Urlaub zu bloggen. Die Dinge festhalten, die wir gesehen und erlebt haben solange es noch gut in der Erinnerung ist. Dann kam alles anders. Zu Hause erwartete mich ein Nachricht der Rentenversicherung. Nicht das ich nicht mit den Brief gerechnet hätte, aber die Zeilen im Brief überraschten mich. Die von uns vorgeschlagene Klinik wurde abgelehnt.

Der Antrag auf Umstellung hatte nicht nur den Grund des Zeitpunkts, sondern auch die Therapieverfahren waren ausschlaggebend.  Aufgrund des Asperger-Syndrom bin ich auf bestimmte  Bedingungen sehr angewiesen. Mir ist es nicht gut möglich in Gruppen, besonders wenn die Teilnehmer durch An- und Abreisen öfter wechseln, sinnvoll therapeutisch zu arbeiten. Das Konzept der von der RV ausgewählten Klinik ist  fast ausschließlich auf Gruppentherapie ausgelegt.  Zudem auf tiefenpsychologischer Basis.  Einzelstunden gibt es höchst selten und nur in Ausnahmefällen. In der von uns ausgewählten Klinik würden auch bis zu 2  Einzelpsychotherapiesitzungen pro Woche dazu gehören.

Ich habe wirklich keine Lust mehr auf diesen Rehak(r)ampf. Fahren und nach kurzer Zeit abbrechen, wenn ich wirklich völligst überfordert bin, ist wohl die einzige und letzte Alternative. Mit der Befürchtung, dass ich im schlechteren Zustand  als jetzt zurückkomme und wieder neu aufbauen muss.

Zum jetzigen Zustand kann ich sagen. (bildlich gesprochen ->) Ich habe den Rettungsring gegriffen, ihn momentan umgelegt (was wieder ein Schritt weiter ist), versuche bzw habe die Chance an Land zu kommen, ohne zu wissen ob ich es je erreichen kann. Es ist noch weit entfernt und ich weiss auch noch nicht ob ich es erreichen möchte. Kämpfen möchte/ kann um auf festem Boden zu stehen. Oft Manchmal  habe ich Angst oder Sorge ihn loszulassen. Keine Kraft mehr zu haben mich an ihm zu halten. Dann wieder denke ich darüber nach ihn loszulassen.

geblockt

Geblockt sind die Tränen, die Gefühle. Auf die Frage ob es mir besser geht habe ich keine Antwort. Sachlich kann ich Situationen schildern, aber ob die Gefühle dazu auch aussen ankommen weiss ich nicht.  Tränen spüre ich innen, aber in der Situation nicht mehr so nah  wie noch vor der Klinik. Irgendwie verschlossener. Es ist schwer erklärbar, aber mir gefällt das nicht.  Es ist ein Schritt zurück. Ein „Gefühle nicht mehr zulassen“.

Ich glaube vor der Klinik war ich den Gefühlen näher, im (schriftlichen) Gespräch, konnten auch mal 2-3 Tränen laufen lassen.  Im persönlichen Gespräch eher nicht, aber da ging auch sachlich nichts mehr. Da war nur noch ein stumm sein da. Ein fühlen. Jetzt merke ich erst hinterher, „hey eigentlich hättest du weinen können“ und „es tut ziemlich weh innen“ und dann reagiert der Körper mit Kopfweh, Übelkeit und Magendrücken.

Schwierig.