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eine ungewöhnliche Begegnung (3/3)

Killian schaut auf das Auto und dann mich an. Beobachtet genau wie ich das Auto vor uns abstelle. Nach einer kurzen Pause wage ich einen weiteren Versuch, nehme ein zweites Auto und stelle es hinter das andere. Killian zeigt keine verbale Reaktion, seine Körperhaltung ist offen. Nur mit dem Tuch streicht er immer wieder sein Gesicht. Mutiger nehme ich ein drittes Auto und reihe es ebenfalls ein. So habe ich auch immer die Autos meines Bruders aufgestellt. Er schaut mich wieder an nun schon fast erwartungsvoll. Als ich nichts tue sagt er wieder „da“und zeigt  auf das Ende der Autoreihe.  Ich schaffe es 8 Autos hintereinanderzustellen, da treffen sich unsere Blicke in einer besonderen Art und Weise, er lächelt. Mir wird warm ums Herz, als wäre da etwas zwischen uns, als wären wir beide 2 Jahre alt und spielen miteinander.

Ab diesem Moment hilft Killian mit. Er steht auf, nimmt ein Auto aus der Tüte und stellt es nach hinten. Dann wartet er darauf das ich es ihm gleich tue.  Abwechselnd nehmen wir ein Auto nach dem anderen aus der Tüte und es entsteht eine lange Autoreihe. 23 kleine Autos hintereinander. Um uns herum nehme ich nichts wahr, nur diesen Jungen, der mit mir spielt. Autos aufreiht. Abwechselnd. Das ganze hat eine Struktur.

Als die Reihe aufgebaut ist schauen wir sie uns noch einmal an. Dann lächle ich ihm zu und möchte zurück auf die Bank. Er scheint es zu spüren, greift nach meiner Hand. Ich bin sprachlos. Meinen Zeigefinger hält er ganz fest und nimmt mich mit bis zur Mitte der Autoreihe.  Dort lässt er sich auf seinen Po fallen und mich los. Killian schmust wieder mit seinem Tuch und betrachtet die Autoreihe. Ich gehe zurück auf die Bank und sehe dabei wie die Mutter mir zunickt. „Wie haben sie das geschafft?“ fragt sie nachdem ich mich gesetzt habe. Er hat noch nie hier auf dem Spielplatz mit seinen Autos gespielt. Sie waren immer nur in der Tüte. Ich habe es ihnen ja vorhin schon gesagt, wenn ich ihm die Autos gegeben habe, hat er geschrien. …. „

„Sie haben ihm die Autos ausgeschüttet“ sage ich, „er war vermutlich  überfordert damit.“ 

„Hm. Meinen sie? Aber er hätte sie doch dann einfach aufbauen können.  Das macht er ja zu Hause auch. Er nimmt sie aus der Kiste und baut sie auf.  Seine Geschwister haben immer ein paar Autos genommen und damit gespielt. Das macht Killian nicht, er reiht sie nur auf er spielt nicht damit.“  

Ich antworte: „Wie kommen sie darauf, das er nicht spielt? Er spielt auf seine Weise. Das aufreihen ist sein Spiel.“

„Woher wussten sie das? Ich meine kennen sie sich da aus? Haben sie eine Ausbildung?“

„Ja, unter anderem.“ erwidere ich.

„Und warum hat er die Autos hier sonst nicht einfach aufgebaut? Hier auf dem Spielplatz? Ich habe sie ihm doch immer wieder gegeben.  Er will sie ja auch immer mitnehmen.“

„Sie haben ihm die Autos dort hingeschüttet. Sein Bild muss langsam entstehen. Schritt für Schritt.  Oder finden sie es gut, wenn ihnen jemand alles was sie toll finden ins Wohnzimmer schüttet?“

„Hm.“ sagt die Mutter und scheint nachzudenken.

In dem Moment kommt Killian zu uns. „Da,Mama,da“ sagt er zu seiner Mutter und zeigt auf die Autos. „Ja Killian, das hast du ganz toll gemacht.“ erwidert sie stolz. „Da“, Killian zieht  an ihrem Finger, sie soll aufstehen. Er führt sie zur Autoreihe. „Danke“ sagt sie zu mir und geht mit ihm mit. Ich schaue mich um, ob ich irgendetwas auf der Bank liegen ließ, nehme meine Tasche und hole die Herzchaostochter. Mein Blick fällt noch einmal auf Mutter und Sohn. Killian sitzt auf ihrem Schoß und schmiegt sich an seine Mama, mit dem Tuch streichelt er seine Wange, seine Augen sind auf die Autos gerichtet. Er scheint zufrieden. Vielleicht sein erster zufriedener Spielplatzbesuch.

eine ungewöhnliche Begegnung (2/3)

An den Ohren von Killian* sehe ich kein Hörgerät und auch die Mutter hat zumindest auf der mir sichtbaren rechten Seite kein Hörgerät. Vielleicht haben sie aber einfach beide keines, da ein Hörgerät für ihre Einschränkung keinen Nutzen hätte. Ich ertappe mich wie ich darüber nachdenke während ich Kilian* weiter beobachte.

Endlich scheint der Kuschelhase die richtige Position eingenommen zu haben. Killian* macht wieder einen Schritt zurück und schaut still seinen Hasen an. In der  linken  Hand trägt er die ganze Zeit schon eine weiße Mullwindel wahrscheinlich als Schnuffeltuch. Er hält sie an einem Zipfel fest und streicht nun damit über seine Wange. Er scheint zufrieden zu sein mit dem Ergebnis und legt sich das Tuch um den Hals jedoch ohne den Zipfel in der linken Hand loszulassen. Anschließend dreht er sich um und geht zum Spielplatz.

Als Killian* die Steingrenze überschritten hat setzt er sich in den Sand. Mit dem Zipfel des Tuches streicht er wiederholt über seine Wange. Sein Blick ist abermals zur Schaukel gewandt und man hört nun wieder sein „da,da,da“. Ich nehme all meinen Mut zusammen und lege mir Worte zurecht, wie ich die Mutter ansprechen könnte.  Was soll ich jedoch tun, wenn sich herausstellt, das sie gehörlos ist und mitbekommt, das ich sie angesprochen habe. Was, wenn sie dann mit mir kommunizieren möchte? Ich kann doch keine Gebärdensprache.  „Möchte er schaukeln?“ frage ich und erschrecke fast als sie mir antwortet : „Ach wenn ich das nur wüsste.“

Durch den „Schreck“ kann ich erstmal nicht antworten und muss mich neu sammeln. Irgendwie habe ich jetzt doch nicht mit einer Antwort gerechnet. Sie spricht  kurz darauf weiter und so entsteht keine peinliche Schweigezeit. „Wenn er doch nur schaukeln würde. Er schaut sie sich so lange an, zeigt immer zu ihr, aber man kann ihn nicht drauf setzen. Er schreit und schreit. Vielleicht findet er sie einfach nur interessant.“  Sie erzählt weiter, ich erfahre den Namen, Killians* Alter und das er „irgendwie komisch“ ist so ganz anders als seine Geschwister.

Irgendwann höre ich ihre Worte kaum noch, nicht aus böser Absicht, aber vermutlich gibt sie mir dann doch etwas zu viele Informationen mit einem Mal. Ist vielleicht froh mit jemandem reden zu können, oder besser gesagt jemandem ihre Sorgen erzählen zu können.  Ich beobachte diesen kleinen Jungen und es scheint als würde nach und nach alles andere um mich herum verschwinden, nur noch dieser kleine Junge und dumpfe Töne im Hintergrund. Ich frage mich ob er sich langweilt wie er da sitzt. Ganz allein im Sand mit seinem Schmusetuch um den Hals.

Mein Blick fällt noch einmal kurz auf den Kinderwagen und ich erblicke eine Tüte im Netz die gefüllt ist mit kleinen Autos. „Möchte er nicht mit den Autos spielen? “ frage ich.  „Ach ich weiss, nicht, er nimmt sie immer mit, überall hin, genau wie den Hasen und das Tuch. Aber er spielt nicht damit. Wenn ich sie ihm da jetzt ausschütte schreit er. Seine Geschwister ….“ wieder fängt sie an zu erzählen und ich merke, das ich nur diese ersten drei Sätze aufgenommen habe und mir nun Gedanken mache warum dies so sein könnte. Warum  schreit Killian*? Er sieht so friedlich aus. Warum ist er „irgendwie anders“ als seine Geschwister? Er sieht so …. mir kommt ein merkwürdiger Gedanke. Er sieht so aus wie ich, wenn ich früher im Sandkasten saß.

Darf ich?“ kommt es aus mir heraus und ich zeige auf die Tüte mit den Autos.  Die Mutter schaut mich wohl eher skeptisch an, denn sie sagt nichts.  „Ich meine, darf ich sie ihm geben?“ „Bitte, versuchen sie es.“ sagt sie etwas zögerlich, nimmt die Tüte aus dem Korb und überreicht sie mir.
Ich gehe zu Killian* und setze mich neben ihn, die Tüte verstecke ich noch links neben mir. Unsere Rücken sind der Mutter zugewandt, Killian* dreht seinen Kopf  zu mir, schaut mich von oben bis unten an und dann geht sein  Blick wieder auf  die Schaukel  „da,da,da“ „Ja, das ist eine Schaukel. „ sage ich und warte auf eine Reaktion. Sie kommt nicht.

Wir schauen eine kurze Zeit gemeinsam die Schaukel an, dann lege ich vorsichtig die Tüte mit den Autos vor uns. Ich achte dabei ganz genau auf seine Reaktion, rechne aber innerlich nicht damit das er anfängt zu weinen. Er beobachtet meine Hand wie sie die Tüte vor uns ablegt. „Da“ sagt er und zeigt nun auf die Tüte. „Das sind deine Autos, die kennst du nicht wahr?“ „da“ wiederholt er und richtet den Finger wieder auf sie. „Darf ich mir ein Auto herausnehmen?“  Die Reaktion seinerseits wiederholt sich:  „da“. Ich spüre, das es ihm gut geht, das er nicht angespannt ist und gleich weint also wage ich es und nehme ein Auto aus der Tüte.

eine ungewöhnliche Begegnung (1/3)

Samstagvormittag. Es ist keine Wolke am Himmel, die Sonne strahlt zu uns herein. Gemeinsam sitzen wir am Frühstückstisch und lauschen dem Moderator des Radios.

Er spricht von vielen Wolken  und einigen Schauern am heutigen Tag, also beschliessen wir nur ein wenig auf den neuen Spielplatz zu gehen anstatt wie geplant ans Wasser zu fahren. Der Spielplatz ist nicht sehr weit von uns entfernt und bei herannahenden Regenwolken wären wir recht schnell wieder zu Hause.

Hand in Hand machen wir uns, nach den samstäglichen Haushaltsaufgaben, auf den Weg.  Am Spielplatz angekommen, gehen wir zu „meiner“ Bank.  Hier sitze ich immer sofern sie frei ist. Sie steht am hinteren Ende  geschützt vor einer Hecke, ist von der Geräuschkulisse etwas geschützter und ich kann dennoch einen Großteil des Geländes überblicken. Wenn sie besetzt ist, setze ich mich ausserhalb des abgezäunten Spielplatzes auf eine kleine Mauer direkt am Wegesrand. Von dort aus kann ich, bis auf einen kleinen Kletter- und Balancierbereich hinter einem Stromhäuschen (?),  alles sehen.   An der Bank gibt mir die Herzchaostochter einen Kuss und läuft zu ihrem Lieblingsplatz. Dort trifft sie auch eine Freundin. Ich setze mich und greife zu meinem Buch in der Tasche. Da der Spielplatz sehr leer ist, kann ich ein paar Seiten lesen und werde nicht zu stark von den Aussenreizen abgelenkt.

Nachdem ich  einigen Seiten gelesen habe  höre ich eine  doch recht ruhige, monotone Kinderstimme. Ich blicke auf und sehe in der Ferne eine Mutter mit einem kleinen Jungen im Kinderwagen. Killian* ist 2 Jahre alt erfahre ich später. Er schaut auf die Schaukel, richtet den Zeigefinger auf sie und ruft leise „da,da,da“. Seine Aufmerksamkeit wird nur einmal kurz von einem Ball gestört, der von einem weiteren Kind angestoßen wurde und nun am Wagen vorbeirollt.  Als der Ball aus seinem Blickfeld verschwindet ertönt  abermals ein „da,da,da“ und wieder zeigt Killian* auf die Schaukel. Die Mutter kommt zu meiner Bank, setzt sich neben mich, was ich heute merkwürdigerweise nicht als unangenehm empfinde. Es ist ein Gefühl von Verbundenheit zu diesem Jungen und ich weiss nicht warum.

Gerne beobachte ich hier die Kleinen wie sie miteinander oder auch nebeneinander spielen. Wie sie sich entwickeln, neue Dinge ausprobieren. Welchen Mut sie bereits zeigen oder was sie sich lieber nicht zutrauen und diese Entscheidung auch mit einem guten inneren Gefühl selbst richtig treffen. Dennoch  bin ich  froh, wenn der Sitzplatz der Familie etwas entfernter von mir ist, wenn ich aus der Ferne beobachten kann. Jemand auf „meiner“ Bank macht unruhig.

Doch heute spüre ich diese Unruhe nicht, heute empfinde ich einfach nur „Interesse“ an diesem Jungen. Er scheint anders  als die anderen Kinder dieses Alters zu sein, lässt den Blick  nicht von der Schaukel, sieht niemanden an. Wenn Mütter oder Väter mit ihren Kindern zur Bank kommen, dann schauen die Kinder mich kurz an, Killian* tut dies nicht.

Nachdem die Mutter sich gesetzt hat,steigt er aus dem Wagen und setzt seinen schon sehr geliebten Stoffhasen,den er im rechten Arm hielt in den Wagen. Ganz konzentriert ist er dabei. Noch immer hat er nichts anderes gesagt und auch die Mutter beobachtet ihn nur. Sie sortiert noch irgendetwas am Netz des Lenkers und schaut immer mal wieder zu ihm. Der Hase muss scheinbar in einer bestimmten Position sitzen, das spüre ich, denn Killian* versucht es so lange und so oft bis es richtig ist.  Den Hasen hineinsetzen, was mit einem gewissen Schwung der Arme geschieht, einen Schritt zurück gehen, stehen bleiben, den Hasen ansehen, wieder einen Schritt vor, die Sitzposition verändern, einen Schritt zurück gehen, den Hasen ansehen. Das ganze wiederholt sich einige Male. Die Mutter schweigt noch immer. Ob die beiden gehörlos sind?

***

*Name geändert

die Geschichte eines Fotos (3/3)

Einige Meter vom Stuhl entfernt stand eine weitere Stuhlgruppe, im Kreis angeordnet, einander zugewandt, doch dieser Stuhl stand abseits. Die „Blickrichtung“ in eine völlig andere Richtung.  Es war als würde ich mich sehen. Still, allein, aber in der Nähe von anderen, ich spüre das sie da sind, fühle mich daher nicht einsam.

Ich ging zu diesem Stuhl und strich über seine Lehne, fühlte mich ihm so nah.

Er war nicht perfekt, hatte Abschürfungen, schon einiges mitgemacht. Sicher würde er viel zu erzählen haben, wenn er es erzählen könnte. Ich mochte seine Struktur, sie erinnerte mich an das Holz der Milchbank früher auf dem Weg zum Kindergarten.

Chaostochter baute die Sandmulde immer weiter  und ich setzte mich.

Noch immer waren wir alleine, niemand kam bei diesem Wetter hinunter zum angelegten Strand. Ich spürte Freiheit und Verbundenheit zugleich. Konnte in mir sein mich irgendwie verstanden fühlen. Obwohl es doch nur ein Stuhl war auf dem ich saß, der mich so sehr „ansprach“.

Nach einigen Minuten der Ruhe beschloss ich zur Chaostochter zu gehen, nahm den Stuhl mit und stellte ihn genau neben die Sandmulde. Er sollte dabei sein, stumm aber dabei sein. Dann fühlte ich den Sand zwischen meinen Fingern. Nass, aber weich und streichelzart.

Gemeinsam baute ich mit der Chaostochter einen Wasserweg. Es entstanden  Tunnel und Wasserfälle,wir genossen den Moment. Vor dem Stuhl entstand ein größeres Loch um später das Wasser dort spüren zu können.

Als die Wasserstrasse fertig war setzte ich mich auf den Stuhl und ließ die Füße im Wasser baumeln. Ich konnte völlig in mir sein und das rundherum vergessen.

Chaostochter holte sich einen Stuhl aus der Sitzgruppe und stellte ihn auf die gegenüberliegende Seite der Wasserstraße (Stuhlbeine auf dem Foto links oben). Das hat sie noch nie getan. Normalerweise stellt sie ihren Stuhl immer neben mich. Dieses Mal nicht, denn sie spürte scheinbar meine innere Ruhe. Ganz andächtig setzte sie sich mir gegenüber und beobachtete mich. Beobachtete wie ich auf das Wasser schaute und völlig ruhig in mir versunken war. Sie genoss es genau wie ich.Dieser Tag brachte mir eine innere Zufriedenheit wie ich sie vorher lange nicht spürte.

Ein Regenschauer beendete diesen Moment und wir gingen langsam hinauf zum Halteplatz. Oben gab es einen kleinen Spielplatz auf dem wir nach dem Regenschauer in einem kleinen Holzhäuschen noch 20 Minuten bis zur Abfahrt verbrachten.

Die „Mitreisenden“ schimpften beim einsteigen in den Bus größtenteils darüber, dass sie den Nachmittag im Restaurant „gefangen“ waren. Wir zwei waren völlig ausgeglichen, unser Blick ging noch einmal hinunter an den Strand zu „unserem besonderen Platz“ und kurze Zeit später schlief Chaostochter in meinen Armen ein.

Wenn ich nun meinen Blog öffne und den Header sehe, dann fühle ich mich als würde ich dort sitzen, den Blick ins Freie gewandt, die Welt wahrnehmen, beobachten und Euch erzählen was ich fühle und denke.  Dieser Ausschnitt ist keine Erzählerposition, ich bin Euch nicht zugewandt, scheinbar stumm. Und doch lasse ich Euch teilhaben an meinen Gedanken, meinem Erleben, meinem Alltag. Ich bin völlig in mir,  aber dennoch mitten unter Euch.

Ein Gefühl, das ich auch „aussen“ -im Reallife- gerne spüren möchte. Sagen können: Auch wenn ich abgewandt scheine, irgendwie anders und merkwürdig, ich nehme Euch wahr und bin unter Euch.

die Geschichte eines Fotos (2/3)

Der Tag war von mir gut durchgeplant, denn auch Tagesfahrten brauchen eine gute Planung um in ungewohnter Umgebung nicht den Halt zu verlieren.

Pünktlich 20 Minuten vor Abfahrt  trafen wir am Sammelplatz ein, ich erklärte der Chaostochter wo im Bus ich gerne sitzen möchte, da nicht jeder Platz für mich angenehm ist. Sie steigt immer als erstes ein, da ich im Blick haben möchte das sie im Bus ist. Sie aus den Augen zu verlieren bedeutet für mich Stress, selbst wenn sie nur wenige Meter hinter mir wäre. Da wir sehr früh am Parkplatz eintrafen konnten wir auch als eine der ersten einsteigen, somit war der gewünschte Platz gesichert. Die Fahrt dauerte eine Stunde und Ziel war ein Wasserwerk das wir uns anschauten.

Nach der 2 stündigen Besichtigung fuhr der Bus  zwei Haltestellen an und wir konnten selbst entscheiden wo wir aussteigen. Der erste Halt war an einem Schiffsanlegeplatz  und der zweite  an eine Mündung des Sees an der man baden könnte. Die Haltestellen lagen etwa 40 Minuten Fußweg voneinander entfernt. 4 Stunden Aufenthalt waren angedacht. Da das Wetter nicht badetauglich war plante ich schon zu Hause den ersten Halt zum aussteigen zu nutzen, eine Schiffstour zu machen und anschließend den Wanderweg zu nutzen und 40 Minuten zum zweiten Bushalt zu laufen.

Bei der Besichtigung des Wasserwerks wurden wir in kleinere Gruppen eingeteilt, dies war sehr angenehm. Es gab mehrere Stationen so das es immer wieder Möglichkeiten gab einen Moment in Stille zu verweilen und einfach nur zu schauen. Auch der weitere Tagesverlauf lief wie geplant. Einzig die Abfahrtszeit wurde auf Grund des Wetter um eine Stunde vorverlegt.

Die Schiffsfahrt konnten wir nutzen um ein wenig zu entspannen und die anschließende Wanderung durch den Wald war einfach nur begleitet von einem tollen Gefühl Natur zu genießen. Die vereinzelten Regentropfen die vom Himmel fielen nahmen wir sehr intensiv wahr. Wir beobachteten wie sie auf ein Blatt aufschlugen und langsam wieder herunterrollten. Wir beobachteten Ameisen und kleine Käfer die unter Sträuchern und Blättern Schutz vor der Nässe suchten. Fast alle Menschen die uns begegneten schimpften über das Wetter, wir genossen es.

Nach gut 70 Minuten kamen wir an der Flussmündung an. Hier gab es eine große Strandbar in der die meisten der „Mitreisenden“ verweilten. Wir gingen hinunter zum aufgeschütteten „Strand“. Wir hatten den gesamten Abschnitt für uns, zogen unsere Hosenbeine nach oben und wateten durch das Wasser. Es war herrlich erfrischend. Minutenlang ging ich auf und ab, während Chaostochter anfing eine Sandmulde zu bauen. Einige Meter entfernt erblickte ich den Stuhl. Er stand allein unter einem Baum und ich fühlte mich ihm gleich sehr nah. Ich weiss nicht was dieses Gefühl auslöste, ich spürte einfach etwas verbindet uns.

die Geschichte eines Fotos (1/3)

Wenn Ihr auf meinen Blog kommt könnt Ihr im Header einen Stuhl sehen. Vielleicht habt Ihr Euch schon einmal gefragt was er bedeuten soll, habt  Assoziationen gehabt oder ihn auch noch gar nicht bewußt wahrgenommen. Dieser Stuhl hat eine kleine Geschichte und genau aus diesem Grund wurde er von mir als Bild ausgewählt.

Aufgenommen wurde das Foto im letzten Sommer, ein Sommer der nicht gut begann. In den vorangegangenen Monaten geschah soviel das eine wochenlange ambulante Krisenintervention nötig war und meine Therapeutin mir am Ende doch -innerhalb von 4 Tagen- einen Platz in der Klinik besorgte. Zwei Wochen vor den großen Ferien. Die Klinik war für mich jedoch absolut ungeeignet. In jeder Therapiestunde würde ich es mit anderen Patienten aus 4 verschiedenen Klinikgebäuden zu tun haben.  Einige Therapien waren so ausgelegt, das man selbst bestimmen konnte wann man dorthin geht. So wurde Ergo zwischen 9.30 Uhr und 12 Uhr angeboten und ich selbst musste nun entscheiden wann ich gehe. Da auch alle anderen in den Klinikgebäuden frei entscheiden konnten, war nie sicher wen ich antreffen würde. Die neue Umgebung, ständig andere Patienten, mir selbst einen Plan aufstellen müssen, Räume suchen oder nachfragen, all das machte mir schwer zu schaffen. Zumal sprechen in den ersten Tagen in neuer Umgebung gar nicht funktioniert. Im Endeffekt verbrachte ich die Tage nur auf meinem Zimmer, daher bat ich am 3. Tag  mit wenigen Worten  (die ich mir vorher stundenlang genau zurecht legte)  um Entlassung. Dieser wurde nur unter großer Skepsis zugestimmt.

Die Zeit dort war trotz allem nicht ineffektiv, denn mir ist vieles bewusst geworden. Meine Struktur zu Hause, die Zeitplanung mit der Chaostochter, all das gibt mir Sicherheit. Sollte ich nun mehrere Wochen in der Klinik verbringen, müßte ich diese Struktur  hinterher komplett neu aufbauen, denn auch Chaostochters Tag war völlig anders und das machte mir große Angst. Ich wollte zurück in die Sicherheit und auch der Chaostochter unsere Struktur nicht wegnehmen.

Wir konnten die Sommerferien dann doch gemeinsam verbringen. Ich besorgte einige Fahrkarten für Tagesfahrten die vom Jugendamt angeboten werden und plante ansonsten einfach nur Ruhe zu genießen und wieder zu mir selbst zu finden. Auf einer der Tagesfahrten entstand das Foto mit dem Stuhl. An diesem Tag konnte ich mich selbst wieder spüren, innen sein, ohne Aussenstress. Doch da ich nun schon soviel fernab von dem geschrieben habe und nicht wirklich auf den Punkt kam was es mit dem Bild auf sich hat, beende ich hier diesen Artikel und komme zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darauf zurück.  Denn es steckt noch ein wenig mehr hinter diesem Foto und diese Empfindungen möchte ich in einem separaten Artikel festhalten.

ein Tag ohne Pause und dessen Folgen (4/4)

Beim Einkauf werde ich von den vielen visuellen und akustischen Reizen überrannt, völlig planlos laufe ich durch die Gänge, das Brot vergesse ich natürlich. Ich ziehe mich innerlich zurück und lasse die Routine walten, lege 3 bekannte Dinge in den Einkaufskorb und gehe zur Kasse. Diese ist sehr voll und somit vergehen weitere Minuten. Mein Gefühl glaube ich nicht mehr wahrnehmen zu können. Ich spüre momentan nichts und funktioniere einfach.

Die Zeit ist vergangen und ich gehe hinüber zur Schule. Dort kann ich nur wenig mit der Lehrerin sprechen, da ich innerlich schon zu sehr zurückgezogen bin und auch ihre Worte kaum mehr bei mir ankommen. Meine äußere Fassade jedoch funktioniert so das die Lehrerin meine Überforderung nicht erkennen kann. Zum Glück ist Chaostochter kein Problemkind, sie ist in der Klasse eine der Besten und bei allen Kindern beliebt. Das einzige was momentan wohl auffällt ist, das sie sich manchmal ein wenig rauszieht und nicht mehr ganz so aktiv an allen Stunden teilnimmt. Die Klassenlehrerin meint es kann daran liegen, das sie sich schwer an neue Lehrer gewöhnt und in den letzten 7 Wochen eine Vertretung in der Klasse war. Meiner Einschätzung nach ist sie jedoch mit der Vertretung sehr gut klar gekommen, sie beschrieb sie zum teil netter als ihre eigentliche Klassenlehrerin. Sagen kann ich jedoch momentan nichts, denn diese Gedanken kommen mir erst viel später in den Sinn.

Nach 7 Minuten ist das Gespräch auch schon vorbei und ich gehe heim. Nehme den gewohnten Gang durch die Allee. Mein Blick wandert nach oben in die gebogenen Äste und Zweige, die noch kahl in den Himmel ragen. Diesen Anblick mag ich, dieses zusammenkommen. Ich finde die kahlen Bäume erzählen viel mehr von sich, als wenn sie behangen sind mit Blättern und man ihre Äste und Zweige nicht sieht. Die Strukturen die sie zeichnen, ihren Weg den sie sich in den Himmel gesucht haben, soviel Abzweigungen hat der Baum genommen, so viele verschieden Wege gibt es, manchmal ging es nicht immer nur geradeaus, die Äste sind gebogen und machen einen Knick erst viel später ging es weiter hinauf. So ist es wohl auch mit dem eigenen Leben. Es geht nicht steil nach oben.

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ein Tag ohne Pause und dessen Folge (3/4)

Geplant hatte ich nach dem Gespräch in die Stadt zu gehen  um eine Telefon-Aufladekarte zu kaufen und anschließend meine Pausenzeit bis 11.45 Uhr zu Hause zu verbringen, damit ich am Nachmittag nicht überreizt bin. So gehe ich also gezielt in den Shop bei dem ich meine Karte bekomme und kaufe diese. Als ich vor der Tür stehe fällt mir ein, das es bei Müller 2 Angebote gibt, die mich interessieren. Da ich das Gefühl habe, mir geht es innerlich noch recht gut beschließe ich also dorthin zu gehen.  Die Stadt ist recht voll und so gibt es viele Eindrücke zu verarbeiten. Am Ziel angekommen schlägt meine Stimmung um. Ich gehe zu dem Regal an dem ich den ersten Artikel vermute, weil es dort immer steht. Das Regalfach jedoch ist leer, was mich direkt *aus der Bahn wirft*. So stehe ich davor und weiss nicht was ich jetzt tun kann. Geplant war diesen Artikel zu kaufen, doch er ist nicht da.

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ein Tag ohne Pause und dessen Folge (2/4)

Mein Weg führt mich nun zuerst wie geplant in ein Lebensmittelgeschäft um Obst und Gemüse einzukaufen. Paprika, Salat, Äpfel, Physalis, Clementinen, Melisse, Basilikum und Petersilie gehören  heute zu meiner Ausbeute. Gegen 8.20 Uhr bin ich wieder zu Hause, in meinen Gedanken jedoch bereits beim Beratungsgespräch, das ich heute um 10 Uhr habe.

Wie jeden Morgen schalte ich nach dem heimkommen den Laptop ein.

Da ich wegen Unwohlsein gestern sehr früh ins Bett gegangen bin muss ich noch einiges nachlesen und nacharbeiten, was ich eigentlich am Abend zuvor gemacht hätte. Schon jetzt komme ich ins rudern, denn durch das „nacharbeiten“ kann ich nicht die Seiten lesen, die ich normalerweise um diese Uhrzeit lese. In mir macht sich ein innerliches Chaos breit, die Buchstaben tanzen auf dem Bildschirm, obwohl sie doch sonst eigentlich immer Sicherheit geben. Es wollen sich zu den Wörtern einfach keine Bilder einstellen.

Wenn ich sehe welche Seiten ich noch lesen möchte und dann auf die Uhr blicke, erkenne ich, das es nicht möglich ist alles aufzuholen. Später muss ich das Haus verlassen ohne alles aufgearbeitet zu haben. Die Zeit bis 9.30 Uhr die ich am Laptop verbringe, ist sehr ineffektiv. Aufgrund der fehlenden Konzentration, den ständigen Gedanken und dem Gefühl der Überforderung, weil ich im Zeitplan hinke, nehme ich das gelesene nicht bewusst wahr. Es ist einfach nur ein Versuch die Seiten „abzuhaken“, obwohl ich weiss, das ich sie später noch einmal bewusst lesen werde. Doch öffnen muss ich sie jetzt und schauen, ob es etwas neues gibt. Aus dem Haus gehen mit der Gewissheit nicht  geschaut zu haben würde mich innerlich zerreissen. Ich benötige diese Ordnung, dieses Wissen, alle Seiten aufgerufen zu haben, zumindest das momentane Bild der Internetseite im Kopf zu haben .

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