von Gummibären und vom anders sein dürfen

Vor einigen Jahren machte ich mit dem Herzkind, damals etwa 4 Jahre jung, einen Ausflug mit der Bahn. Im Gepäck hatten wir neben gesundem Proviant auch etwas Süßes. Dieses Mal waren es Gummibären und Schokolinsen.
Wie es sich zum richtigen Gummibärenessen gehört, wurden die kleinen Bärchen erst einmal  nach Farbe sortiert. Schön in Reih und Gl.ied gelegt, die Köpfe nach oben und die Füße nach unten. Eines aber lag falsch herum. „Mama, das bist du“, sagte das Herzkind. „Ein bisschen anders als die anderen. “
Es kam ein Gespräch auf, ob es denn schlimm sei. “ Nein, dass ist es nicht. Du gehörst ja tropzdem dazu. Und ein bisschen anders sein ist nicht schlimm.“
Als wir später dann die Schokolinsen ebenfalls nach Farben sortierten. Legte ich eine grüne Linse zu den gelben. „Das bin dann wieder ich“ erklärte ich.
„Nein Mama da erkennt man zu schnell, dass sie anders ist. Das ist bei dir nicht so. …  Du darfst sie aber tropzdem liegen lassen. Es gibt ja auch Menschen, da sieht man gleich das sie anders sind. Das ist ja auch nicht schlimm.“

Seitdem darf ein Gummibärchen  beim sortieren immer Kopf stehen und eine Schokolinse sich zu einer anderen Farbe gesellen. Dieses kleine Zeichen symbolisiert uns stets die Andersartig- und dennoch Dazugehörigkeit in der Gesellschaft.

vom anders sein in der Gesellschaft

Zeigt her eure Füße zeigt her eure Schuh!

Wer ist der Chef hat in seinem Blog aufgerufen den Größenvergleich zwischen den ersten und den aktuellen Schuhen zu zeigen. Leider gibt es von mir keine ersten Schuhe mehr, aber in der Erinnerungsbox der Herzenstochter sind ihre ersten Schuhe. Und nach 10 Jahren hat sich schon einiges getan.

Urlaub schriftlich festgehalten

Montag/ der erste Tag:

Wir haben die Bahnfahrt so gewählt, dass wir morgens in aller Ruhe in den Tag starten können. Zudem hatten wir ein flexibles Bahnticket, wären also nicht an Züge gebunden.  Theoretisch hätte ich dementsprechend ausschlafen können. Die Praxis gestaltet sich meistens aber anders und so war ich 4.00Uhr wach.

Nach dem einstündigen Versuch nochmal zu schlafen entschied ich mich dann doch fürs aufstehen. Die Sachen die noch auf der Wäscheleine hingen wurden abgenommen. Mitzunehmende Kleidung gebügelt und der Koffer zu Ende gepackt. Zwischendurch immer wieder ein Blick auf die Listen ob wirklich an alles gedacht wurde.

Die Herzchaostochter schlief tatsächlich aus und ich weckte sie vierzig Minuten bevor wir die Wohnung verlassen mussten. Man stelle sich vor, zwischen allen Erledigungen lief ich zwischen Kaffee, Koffer, Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer und welche Wege auch immer es gibt, umher, denn mit Routine hat dieser Morgen so gar nichts zu tun.

Am Bahnhof trafen wir dann wie geplant beim Bäcker ein und warteten auf meine Mum. Diese war zehn Minuten später ebenfalls vor Ort und gemeinsam ging es zum Gleis. Die erste Bahnstrecke war nur kurz und gut bekannt. Die zweite dauerte dann etwas länger, es blieb Zeit zum lesen und zur Ruhe kommen. Die Bahn war tatsächlich recht leer, wir hatten weiträumig Platz und ich fühlte mich nicht beengt oder von bewegenden Bildern, Geräuschen und Gerüchen überfordert.

Wir mussten noch zweimal umsteigen und mit dem Bus fahren (Schienenersatzverkehr). Den letzten Bus jedoch ließen wir wegen zu langer Wartezeit bis zur Abfahrt ausfallen und bestellten ein Taxi. Der SEV war mit sieben Minuten Fahrtzeit angegeben, also war unser Ziel nicht weit entfernt.

Angekommen checkten wir ein, wurden herzlich begrüßt und erhielten unseren Zimmerschlüssel. Aufgeregt lief die Herzchaostochter vor und führte uns durch fröhlich gestaltete Flure zu unserer Bleibe für die nächsten sechs Tage.  Die Tür aufgeschlossen erwartete uns ein großer Raum mit 3 Doppelstockbetten, einem Tisch mit Sitzgelegenheit und ein Bad mit Dusche und WC. Wie es dann so ist wurden die Betten bezogen um klar zu machen „hier schlafe ich“. Nein so streng war es nicht, es war ganz witzig.

Die Herzchaostochter war ganz aufgeregt, haben wir uns doch vorher im Internet schon die Herberge angeschaut. Nun wollte sie alle Räume in natura sehen. Mit dem Plan den wir an der Rezeption erhielten führte sie uns anschließend durch das ganze Haus.

Für alle die auch mal schauen wollen folgt nun eine kleine Diashow. (Es fehlen Fotos von der Sauna, dem Solarium, dem Fitnessraum, den Nebenräume des Jugendraums, der Kneipp-Anlage sowie von den Aussenspielplätze. Und sicher noch einige andere sehenswerte Dinge im Haus.)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Am Nachmittag gingen wir dann eine erste Runde durch die Gemeinde. Tranken in einer  Bäckerei, die gleichzeitig ein kleiner „Tante-Emma-Laden“ war,  einen Kaffee und kamen erstmal ruhig am Urlaubsort an. Zurück in der Herberge erfragten wir Prospekte und Umgebungspläne, schauten in die Wetter-App und planten grob die weiteren Tage. Nach dem leckeren warmen Abendessen ging ich mit Mum noch eine Runde in den angrenzenden Wald. Wir versanken zentimetertief im Schlamm, wichen vielen Schnecken aus und lobten die ruhige Umgebung. Die Herzchaostochter blieb derweil in der Herberge und machte mit ihren neu gewonnenen Freunden das Bällebad unsicher.

erster kurzer Weihnachtsrückblick

Weihnachten, die Zeit …

von Bastelstunden

von Kinderhänden die den Baum schmücken

von viel Wichtelpost

von naschenden Zwergen

von Herzgeschenken

von kleinen Überraschungen

von großen Freuden

von herzlichen Blogprojekten

von Geschenkpapierbergen

von stillen Stunden

von Weihnachtspost

von letzten Kapiteln im Adventskalenderbuch

von neuen Spielen

von Unterschriften die zu Herzen gehen

und von so vielem mehr!

Sie

Vier Tage ist dieses Mädchen schon auf der Station. Die Schwestern, Pfleger und Ärzte  sagen junges Mädchen, weil sie zerbrechlich erscheint, schüchtern. Sie sagt kein Wort. Sie isst nichts. Wenn es dunkel wird,  Stille einkehrt, der Flur leer, dann öffnet sie vorsichtig die Zimmertür, schleicht zum Bad um auf die Toilette zu gehen. Das Mädchen ist kaum wahrnehmbar. Liegt im Bett, die Decke bis über die Schultern gezogen. Die Wasserflasche leert sich kaum.

Morgens kommt sie als letzte zur Medikamentenausgabe, wenn alle anderen schon im Frühstücksraum sind. Wortlos nimmt sie die ihr gereichten Tabletten. Gehst du dann bitte auch frühstücken, hört sie. Reagieren kann sie nicht, es fehlt die Kraft. In ihr ist keine Kraft für Worte, für Hunger, für Durst. Sie ist einfach nur leer und müde. Ein dicker schwarzer Schleier  liegt über ihr. Ein Schleier, den auch hier niemand anhebt. Niemand versucht darunter zu sehen.

Niemand hat ihr erklärt was sie hier tun soll, was geschehen wird. Am ersten oder zweiten Tag hat man ihr kurz den Tagesablauf gezeigt, der an einer Tafel stand, aber sie war viel zu weit fort um diese Informationen aufzunehmen. Niemand hat sich wirklich Zeit genommen sie ankommen zu  lassen.

Wenn jemand mit ihr spricht, gibt er Anweisungen. Du musst essen. Du musst trinken. Du musst aufstehen. Komm aus dem Bett. Wenn du nicht isst, gibt es Konsequenzen. Diese Worte hört sie, wenn sie morgens geweckt wird, ihre Medikamente holt, vorsichtig zur Toilette schleicht aber plötzlich doch jemand vor ihr steht.

Ausgang darf sie nun haben, aber nur in Begleitung.  Sie wird abgeholt von einer sehr nahestehenden Person und geht durch den Park. Die Hose die sie trägt, ist ihr schon viel zu weit, aber sie bemerkt es nicht. Ihre Hände sind versteckt in den langen Ärmeln des Pullovers. Schritt für Schritt entfernt sie sich vom Klinikgebäude, ist in ihrem vertrauten Park. Fängt langsam an  über einige Gedanken zu sprechen oder schweigt. Und während des schweigens spürt sie Nähe und Halt.

Kindheitserinnerung

Es ist ein warmer Sommertag und ich bin wie jeden Nachmittag draussen. Heute wieder einmal an meinem Lieblingsplatz. Mit meiner Puppe im Arm sitze ich unter der Tischtennisplatte. Hier wiege ich mein Püppchen hin und her und kann alles um mich herum vergessen. Manchmal nehme ich mir Decken von oben mit, dann kann ich sie über die Platte legen und habe eine kleine Höhle. So mag ich es am liebsten. Aber heute habe ich keine Decken und so sitze ich genau in der Mitte damit ich zumindest links und rechts durch die aufrechten Steinplatten geschützt bin.

Im Sand stehen die Klettergerüste und die Kinder aus der Nachbarschaft spielen darauf. Ich habe schon oft versucht mitzuspielen, aber ich verstehe ihre Spiele nicht. Immer ist da das Gefühl, dass sie noch irgendeine Geheimsprache benutzen. Sie sagen auch ich sei komisch, dabei weiss ich nicht wie sie das meinen. Was ist komisch? Was mache ich anders als sie?

Wenn nur ein Kind da ist, dann setzt es sich auch mal mit zu mir oder wir probieren die Geräte aus, aber wenn mehrere Kinder da sind, dann ist alles so wild.  Diese vielen neuen Bewegungsabläufen kann ich nicht mehr beobachten und analysieren. Diese vielen Geräusche, alle reden durcheinander und es ist schwer irgendetwas zu filtern und zu verstehen. Wer meint wen?  Wurde ich angesprochen?  Alles ist durcheinander und strengt so sehr an. Wie ein Sturm, der alles verwirbelt.  Dann ziehe ich mich lieber wieder zurück.  Ich brauche ein Spiel das Regeln vorgibt. Ich möchte vorher wissen: was wird wann getan, wo ist die Grenze, wer ist wann mit sprechen dran.

Wie können die anderen Kinder so wild sein, so laut, so regellos, wie können sie sich verstehen?

Wenn das Kind plötzlich verschwunden ist.

Am Montag bei Zwergrocker gelesen und mich wieder einmal daran erinnert, dass es auch bei uns diese Situation schon gab. Allerdings war ich anfangs überhaupt nicht nervös. Ob das nun der eigene Instinkt war, ob ich die Situation nicht richtig einschätzte, oder ob ich meine Ängste gar nicht wahrnahm weiss ich bis heute nicht. Merkwürdig war es in jedem Fall.

Zur Ausgangssituation:
Die Herzchaostochter war 3 Jahre und 2 Monate alt, ging seit 3 Monaten in diesen Kindergarten. Da Rosenmontag war, schloss die Einrichtung mittags (12.30Uhr). Im Regelfall blieb die Herzchaostochter über Mittag in der Einrichtung.  Alle Kinder waren verkleidet, die Herzchaostochter als Hexe mit buntem Kleid und großen Hexenhut. Werden die Kinder mittags abgeholt warten die Eltern vor der Einrichtung, da die Kinder sich anziehen und dann noch eine  kleine Abschlussrunde in der großen Halle vor der Eingangstür haben, bei der sie ihr Abschiedslied singen oder ähnliches. Anschließend (12.15Uhr) geht eine der Erzieherinnen mit den Übermittagskindern den Tisch decken, eine Erzieherin öffnet die Eingangstür, bleibt in der Tür stehen und achtet darauf welche Eltern anwesend sind. Eine dritte Erzieherin macht das Essen in der Küche fertig und Erzieherin Nummer vier ist bei den Kindern in der Halle. Die Kinder werden dann von der Erzieherin an der Tür aufgerufen und gehen selbständig nach draussen zu ihren Eltern.

Was geschah an diesem Tag:
Wie genau die Erzieherinnen an dem Tag eingeteilt waren kann ich nicht beurteilen, in jedem Fall waren die Kinder in der Abholphase alle noch sehr unruhig durch die Karnevalsfeier. Die Eltern sammelten sich vor und in der Tür, wollten noch Fotos machen etc.
Ich war an diesem Tag mit Mum in der Stadt, sie benötigte eine neue Kaffeemaschine die auch gekauft wurde. Anschließend gingen wir gemeinsam zu ihr und probierten diese aus. Irgendwie verquatschten wir uns ein wenig, bis ich 12.20Uhr auf die Uhr schaute und einen Riesenschreck bekam. Glücklicherweise ist die Einrichtung nur 5 Minuten entfernt, schnell zog ich mich an und machte mich auf den Weg in die Einrichtung.

Als ich bei der Einrichtung  ankam saß eine Erzieherin mit 3 Kindern auf dem Sofa und schaute mich fragend an. Ich entschuldigte mich das ich zu spät kam, als sie mir zu verstehen gab das dies die letzten 3 Kinder waren die noch abgeholt werden müssten und die Herzchaostochter war nicht darunter. Hektik in der Einrichtung brach aus. Die Erzieherinnen suchten die Einrichtung ab, schauten in alle Ecken ob die Herzchaostochter sich irgendwo versteckt hatte. Sie war nicht auffindbar. Während Erzieherin 1 bei den Kindern blieb, suchte Erzieherin 2 weiterhin die Räume an, Erzieherin 3 und 4 beschlossen ausserhalb der Einrichtung zu suchen jeweils in eine andere Richtung zu gehen. Ich antwortete jedoch, dass die Herzchaostochter sicher nach Hause gegangen ist, sollte sie wirklich selbständig aus der Einrichtung gegangen sein.  Leider kam ich genau an diesem Tag nicht aus dieser Richtung und habe somit nicht ihren Weg gekreuzt.

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13 Jahre

Heute vor 13 Jahren sahen wir uns das erste Mal,
wechselten die ersten Worte miteinander
und spürten schnell eine tiefe Verbundenheit.

Ich erinnere mich an durchgemachte Nächte
an gemeinsames lachen und gemeinsames weinen.
Wenn es eine Seelenverwandschaft gibt,
ja, dann würde ich uns beide dazu zählen.

Es gab Höhen und Tiefen,
aber unsere Verbundenheit hat sich nie gelöst.
Wir führen ein Sternenleben.
Die Zacken sind die Höhen
und die Furchen unsere Tiefen
und doch hat der Stern kein Ende.

Der Stern ist ein Symbol das uns begleitet.
Wir haben einen gemeinsamen Stern dort am Himmelszelt.
Haben an einem Abend, an dem ich viel Angst um dich hatte
eine Sternschnuppe gesehen.

Ich könnte ein Buch schreiben über unseren gemeinsamen Weg,
der doch oft holprig war.  Jeden Moment halte ich fest
tief in mir drin und ich möchte keinen dieser Momente hergeben.

Und auch wenn du jetzt viele Kilometer entfernt bist,
diese Zeilen nicht lesen kannst,
möchte ich meinen heutigen Artikel dir widmen.
Dem Menschen, der mir gezeigt hat was Gück ist.
Dem Menschen, der mir gezeigt hat was wirklicher Schmerz ist.
Dem Menschen, der mir gezeigt hat, das ich angenommen werde.
Dem Menschen, der mich als ersten weinen lassen hat vor Glück.

Ich denke an Dich,
Dich, meine Herzensfreundin!