19.Dezember – mitten ins Herz

Glücksmomente die gibt es noch. Da kamen in den letzten Tagen doch tatsächlich , völlig unerwartet, 2 Karten und 2 „Wichtel“päckchen hier an. Und ich sitze da und staune. Mir steigen Tränen in die Augen,  nicht aus Verzweiflung und Überforderung wie so oft in letzter Zeit, sondern dieses mal vor lauter Rührung.  Da wecken eigentlich fremde Menschen wieder das Vorfreudegefühl in mir. Da kommt der Weihnachtszauber plötzlich an.

Und mich begleiten besondere Menschen durch diese Adventszeit. Immer wenn ich mein Sonnenlicht anmache, wenn ich mir eine Teepause nehme, kleine Botschaften lese sind sie ganz nah bei mir.  Herzmenschen die berühren, die soviel geben. Weil sie da sind, zuhören/mitlesen und Kraftgedanken schicken.

Danke.  Ein Danke das in Worten nicht wirklich ausdrückbar ist. 

 

was wünschst Du Dir…

… zum Geburtstag? … zu Weihnachten? etc.

Eine Frage die ich kaum beantworten kann. Manchmal gibt es etwas materielles, das dem „überleben“ hilfreich ist (ein Lebensmittelkorb für die nächste Woche weil es bei uns finanziell knapp ist) oder etwas, dass zur sozialen Gemeinschaft beiträgt (ein Zuschuss zur Klassenfahrt) , das sage ich dann auch.  Alles andere sind Luxusartikel (bestimmte Bücher, Gegenstände, Freizeitaktivitäten wie Zoo- oder Schwimmbadbesuch) und ich frage mich habe ich das Recht mir dies zu wünschen oder ist anderes vielleicht wichtiger und ich sehe es nur noch nicht?

Hinzu kommt, dass ich nicht weiss was erwartet wird, wenn mir etwas geschenkt wird. Wie muss ich mich verhalten? Es ist eine so starke Fremdsituation, dass die Freude zwar da ist, aber sie mich gleichzeitig unsicher macht. Wie darf ich mit der Freude in mir umgehen ohne das es für mein gegenüber „fremd“ wirkt.

Man gab mir den Tipp zu überlegen was eine Unterstützung für die nächste Zeit wäre und ob man sich da nicht etwas wünschen könnte. Doch was brauche ich in der Zukunft? Eine neue Wohnung. So liebend gern mit Wanne und Balkon und am liebsten in der hiesigen bekannten Umgebung. Dann werden Umzugshelfer nötig sein. Vermutlich neue Möbel, weil hiesiges viel von anderen ausrangiertes ist und keine Grundstruktur trägt. Im Juli wird die Assistenz neu beantragt. Wird wieder eine Zahlung meinerseits fällig? Sollte ich dafür Unterstützung erbeten? Brauche ich Rücklagen für eventuelle Nebenkostenabrechnungen, die wieder ein Loch in unsere Tagesfinanzen reißen.  Die Herzenstochter macht vielleicht noch eine Klassenfahrt. Die Sommerferien wollen geplant werden. Einige kleine Ausflüge sollten drin sein. Gerne würde ich aber auch wieder für einige aneinanderhängende Tage verreisen (am liebsten  ans Meer). Was soll man sich wünschen zu einem bestimmten Datum, wenn doch die weitere Zukunft so viele Hürden bereit hält?

Diese Frage jedes Mal aufs neue eine Herausforderung. Und ich freue mich doch einfach über jedes Wort. Jedes da sein anderer Personen. Jedes spüren, das an mich gedacht wird und jede kleine Geste, selbst wenn es nur eine Karte ist zaubern ein lächeln in mein Gesicht und erwecken den   „Hüpfball im Bauch“ (wie Sabine es beschrieben hat).

 

Danke Wunschzettelfinder

Heute schellte der Postbote bei mir, dabei hatte ich doch gar nichts bestellt. Er hielt ein Päckchen von amazon in den Händen und war sich ganz sicher, dass es für mich ist. Ich nahm es zögernd also an mich und verabschiedete mich von ihm. Irgendwie spürte ich ein Bauchkribbeln, weil ich nicht wusste was mich nun erwarten würde und mich die Situation etwas unsicher machte. Auch wenn es freudige Unsicherheit war.
Dann öffnete ich das Päckchen und war einfach nur sprachlos. Jemand hat meinen Wunschzettel gefunden und den mir mit wichtigsten Wunsch erfüllt.

Die Freude, die in mir steckte ist nicht beschreibbar. Sie machte mich sprachlos, kribbelig. Ich hätte hüpfen und singen können und war doch gelähmt vor Glück.

Warum mir diese Wunscherfüllung soviel bedeutet? Am 15.01.13 fahre ich in die Reha und es gibt auf den Zimmern dieser Klinik keine Fernsehgeräte. Ich würde dennoch gerne meine Sendung schauen, die ich auch hier zu Hause immer schaue. Einfach, weil es Sicherheit gibt, Halt, bekannte Fixpunkte. Auch die Herzenstochter hat eine bestimmte Fernsehzeit, die ich dann teils für mich nutzen kann. Es ist einfach ein Stück Alltag in der Fremde.

Ein riesengroßes Danke an den Spender!

 

geblockt

Geblockt sind die Tränen, die Gefühle. Auf die Frage ob es mir besser geht habe ich keine Antwort. Sachlich kann ich Situationen schildern, aber ob die Gefühle dazu auch aussen ankommen weiss ich nicht.  Tränen spüre ich innen, aber in der Situation nicht mehr so nah  wie noch vor der Klinik. Irgendwie verschlossener. Es ist schwer erklärbar, aber mir gefällt das nicht.  Es ist ein Schritt zurück. Ein „Gefühle nicht mehr zulassen“.

Ich glaube vor der Klinik war ich den Gefühlen näher, im (schriftlichen) Gespräch, konnten auch mal 2-3 Tränen laufen lassen.  Im persönlichen Gespräch eher nicht, aber da ging auch sachlich nichts mehr. Da war nur noch ein stumm sein da. Ein fühlen. Jetzt merke ich erst hinterher, „hey eigentlich hättest du weinen können“ und „es tut ziemlich weh innen“ und dann reagiert der Körper mit Kopfweh, Übelkeit und Magendrücken.

Schwierig.

schluck

Die Herzchaostochter legt  in ihrer 3/4 Stunde Fernsehzeit meistens eine DVD ein. Momentan ist „Barbie  und das Dorfmädchen“ ihr Favorit. Nicht wegen dem Film sondern wegen der Lieder, die sie dann immer und immer wieder hört. Und ich sitze täglich daneben und kämpfe bei einigen Textpassagen mit mir selber.

aus „in deinem Herzen“

(…)
Du bist frei, fang einfach von vorne an

Du bist frei, dein Glaube macht stark
Findest du den Ort an dem dein Herz gehört gehst du nie mehr fort
(…)
Wenn du noch nicht weißt welchen Weg du gehst,
noch nicht weißt wohin er dich führt.
Lebst du deinen Traum kommst du an dein Ziel
dein Herz zeigt dir den Weg.
(…)

aus „frei“

Schon so lange wünsche ich mir
einen Tag für mich allein.
An dem niemand sagt
heute müsst ihr da und dort noch sein.
Ohne lernen, Lords und lächeln
wenn ich lieber weinen mag.
(…)
Ist es auch noch lange hin.
Einmal wach ich auf und bin.
Frei!
(…)
Ich könnte fliegen
mich allem entziehn
Doch mein Gewissen ruft!
(…)
Doch ich lass den Mut nicht sinken.
Das ich aufgeb glaub ich kaum.
In meinem Herzen ist noch immer
für die Hoffnung raum
Und im Traum
bin ich frei!

Die Hoffnung in diesen Liedern finde ich faszinierend. Ich kann diese Worte zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, die dieses Mädchen dort singt. Nein, so stark bin ich zur Zeit nicht. Ich weiss nicht, ob mein Weg einfach ein anderer ist, als der „gewöhnliche“. Einzig fettgedrucktes beschreibt mein momentanes (er)leben.

siehst du mich?

Zusammengekauert in einer Ecke. Klein und orientierungslos wie ich es wirklich bin? Möchtest Du wirklich diesem andersartigem Wesen eine Chance geben? Eine Hand auf meiner Hand, auf meiner Schulter. Auch wenn ich es nicht ertrage tut es im nachhinein kurz gut. Ein warmes Wort das ich empfange in meiner völligen Abgeschiedenheit.

Ja, das ist es vielleicht was fehlt. Abgeholt werden, genau an dem Punkt an dem ich gerade bin.