Geschützt: Chaos. Kopf. Jetzt.

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Klinikmarathon die dritte – alles hat ein Ende

Mit der Überweisung in der Tasche konnte der weitere Tag nun endlich so ablaufen wie geplant. Dachte ich.
Da die Bahn zu voll und damit auch zu laut war, entschied ich mich nach Hause zu laufen, um einer möglichen Überreizung schon vor dem Kliniktermin entgegen zu wirken. Zu Hause konnte ich erstmal eine kurze Pause in meinem abgedunkeltem, ruhigen Zimmer einlegen, bevor das Herzkind von der Schule heimkam. Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Klinik.

Dort angekommen gingen wir zur Anmeldung und sahen das bereits sehr volle Wartezimmer. Da ich die Umgebung vom Vortag kannte und wusste wo das Sprechzimmer war und aus welcher Richtung unsere Ärztin kommen würde, zog ich mich in eine ruhige Ecke außerhalb des Wartebereichs zurück, von der aus ich die Ärztin hätte sehen können.  Die Wartezeit dauerte dieses Mal leider viel länger als am Vortag und an meine eigentlich ruhige Stelle, kamen immer mehr Personen, die ebenfalls dort warten wollten. Sie kamen mir gefühlt viel zu nah – ihre Körper, ihre Stimmen, ihre Bewegungen, ihr Geruch. Die Schwestern aus der Anmeldung liefen nun auch hin und her, um die Patienten an den jeweiligen Orten aufzusuchen. Ich wollte fort – es war zuviel, suchte Halt im Rücken, indem ich mich stärker an die Wand lehnte.
Dann wurden wir von einer Schwester gerufen und sie schickte uns mit einem ausgefüllten Bogen zum Zimmer der Ärztin, wo wir vor der Tür warten sollten. Hier wartete mit uns nur eine Familie, doch standen wir nun auf dem Gang der Klinik und neben uns befand sich eine Tür mit automatischem Türöffner bei Tastendruck. Durch diese Tür musste jeder hindurch der zur Anmeldung der Kinderklinik, zu weiteren Sprechzimmern, zum Hauptgebäude oder zu den Aufzügen wollte. Die Tür ging fast ohne Pause auf und zu. Das Klacken des Türöffners, das Schleifen der Tür, wenn diese auf und zu ging, das Einrasten der Klinke beim Wiederschließen – es hörte nicht auf, es tat in den Ohren weh.  Dazu die Schritte der Personen, die vorbei gingen, Turnschuhe, Hackenschuhe, klappernde Schlüsselbänder, klingelnde Telefone, Stimmen.
Die mit uns wartende Familie bemerkte wohl, dass etwas nicht stimmte, denn eine Person stand auf und bot mir ihren Platz an. Ich konnte ihn jedoch nicht einnehmen, denn eigentlich wollte ich genau in die andere Richtung – nach draußen. Ich lehnte mich mit dem Rücken stärker an die Wand, hoffte damit etwas mehr Halt zu bekommen.
Kurz darauf ging die Tür der Ärztin auf, sie fragte nach dem ausgefüllten Bogen, gab ihre Unterschrift darauf ab und schickte uns zur Röntgenabteilung.
Obwohl ich wusste wo diese war – ich aber nur noch „funktionierte“ und einfach lief – wählte ich einen falschen Weg. Das Herzkind bemerkte dies und navigierte mich nun auf den richtigen Pfad. In der Röntgenabteilung angekommen, mussten wir feststellen, dass dort gerade Bauarbeiten stattfanden. Es wurde gehämmert, geschliffen, gebohrt. Das endgültige k-o-Kriterium für mich. Ich musste raus, gab der dortigen Anmeldung -nicht mehr kommunikationsfähig – den Bogen, signalisierte mit einer Handbewegung dem Herzkind, dass sie – wenn sie aufgerufen wird – alleine in den Röntgenraum soll und begab mich nach draußen.
Wie lange ich draußen war, vermag ich nicht genau zu sagen, irgendwann war ich soweit wieder „stabil“, dass ich das Herzkind abholen wollte, wir mussten ja nach dem röntgen zurück zur Ärztin. Das Herzkind war jedoch noch im Röntgenraum und die Dame der Röntgenabteilung sprach mich an, ob ich denn des Herzkindes Krankenkassenkarte dabei hätte.  Ich nickte. Ob ich sie denn in der Kinderambulanz einlesen lassen hätte. Wieder nickte ich. Es würden auf dem Bogen Daten fehlen, diese wären jedoch dringend notwendig um das Herzkind röntgen zu können und ich solle doch bitte zurück zur Kinderambulanz um einen neuen Bogen zu holen. Irritiert stand ich nun da und hatte irgendwie auch die Orientierung verloren. Die Baugeräusche, die neue Situation, das Herzkind fort. Soll ich nun an diesem Ort bleiben oder gehen? Wird das Herzkind nun geröngt oder gibt es das gleiche Chaos wie am Vortag?  In meinem Kopf ein Wust aus Gedanken, Geräuschen und Eindrücken. Überfüllender Hirnbrei, der kein Handeln mehr möglich machte. Ich musste mich setzen, hatte keinen Halt mehr.

Irgendwann kam das Herzkind und war – trotz fehlenden Angaben auf dem Bogen – schon geröntgt. Da ich nicht länger in diesem Lärm und Chaos bleiben konnte, wollten wir zum Zimmer der Ärztin. Ich fokussierte nur noch die Schuhe des Herzkindes und orientierte mich an ihnen. Nur noch diesen folgen, alles andere würde nicht mehr funktionieren.
Im Straßenverkehr hätte ich nun keine Kontrolle mehr, könnte Entfernungen von anderen Menschen und Autos nicht mehr einschätzen – alles wäre viel zu nah, viel zu grell, viel zu laut. Selbst die eigenen Bewegungen sind in diesen Situationen schwerfällig. Ich bekomme das Gefühl durch die Überreizung ist auch mein Gleichgewichtssinn überfordert und jeder Schritt braucht enorme Konzentration und Kraft. Hätte ich in diesem Moment nicht das Herzkind dessen Schuhen ich folgen konnte, ich wäre handlungsunfähig gewesen.  *²

Auf unserem Weg kam uns niemand entgegen, niemand kam mir zu nah, niemand machte störende, eindringende Geräusche – bis auf die automatischen Türen. Ich bemerkte, wie das Herzkind mich nach draußen navigierte. In einer abgelegenen Ecke sagte sie: „Mama, ich glaube du brauchst Pause.“ Diese gab sie mir auch und holte sich selbst aus der Cafeteria noch ein Croissant.
Nach 10-15 Minuten machten wir uns wieder auf den Weg zur Ärztin. Die Pause tat gut, auch wenn ich nicht wieder fit war, so konnte ich doch wieder einigermaßen „funktionieren“ um den Termin zu Ende zu bringen. Am Sprechzimmer angekommen warteten wir etwas weniger als zwei Minuten bis die Ärztin uns herein bat. Sie erklärte das Röntgenbild, sprach vom bisherigen Befund und vergewisserte sich beim Herzkind, dass sie alles verstanden hatte. Wir einigten uns – meinerseits fast wortlos und nur nickend –  darauf mit dem jetzigen Vorbefund keine Behandlung durchzuführen. Anschließend entließ sie uns mit der Aussage sich in etwa 2-3 Wochen zu melden, wenn alle Blutergebnisse vorliegen würden. Außerdem bekam das Herzkind einen Kontrolltermin in einem halben Jahr und braucht – sofern es keine gravierenden Änderungen gibt, oder das Blutbild mit dem Vorbefund nicht übereinstimmt – vorher auch nicht wieder vorsprechen.
Geschafft. Endlich.

*² ( Ich mag es nicht wenn Situationen so eskalieren, dass das Herzkind die „Verantwortung“ übernehmen muss. Sie soll Kind sein dürfen, geführt von einer starken Mutter.) 

Klinikmarathon die zweite – Warum einfach, wenns auch kompliziert geht?

Ich wollte nun also am folgenden Vormittag zum Kinderarzt gehen um die Überweisung abzuholen. Die genaue Uhrzeit war am Abend zuvor geplant und  in den Tag integriert. Da es für mich dennoch eine recht spontane Umplanung war, wollte ich mich möglichst kurze Zeit mit der Abholung der Überweisung beschäftigen. Ich schrieb also eine Mail an die Vertretungsassistenz damit sie die Überweisung telefonisch bestellen konnte. So hätte ich mir nur die Begrüßungs- und Verabschiedungsworte sowie den Satz zur Abholung des Scheins im Kopf zurecht legen und die kommende Szene innerlich proben müssen. Direkt nach dem abschicken der Mail begann ich damit, auch wenn der mit mir selbst ausgemachte Zeitpunkt für dieses aufeinandertreffen noch 3 Stunden in der Ferne lag.
Ebenso war in mir bereits Unruhe, da ich noch immer nicht sicher wusste ob meine Planung funktionieren würde. Ich aktualisierte also ständig mein Mailfach – was ich immer tue, wenn ich auf eine Antwort warte, die mit Planungen zu tun hat.

Dann kam die ersehnte Mail jedoch mit „falschem“ Inhalt. Die Vertretungsassistenz teilte mir mit, dass die Kinderarztpraxis keine zweite Überweisung für die Klinik ausstellen würde, da das Quartal noch nicht beendet ist. Eine Überweisung direkt für den Spezialisten in der Kinderklinik auszustellen wäre nur möglich, wenn das Herzkind persönlich zur Praxis käme.

Wie sollte ich es nun schaffen mit dem Herzkind, das ja in der Schule war, vor dem Termin in der Kinderklinik noch einmal zum Arzt zu gehen? Was muss ich dann dem Arzt sagen? Wird er mir dennoch eine Überweisung verweigern? Wie soll ich den Tag nun gestalten? Das Herzkind wird zwar früher von der Schule heimkommen, da ich sie schriftlich so abgemeldet habe, dass wir Zeit haben für die Bus-und Bahnfahrt sowie den Termin in der Kinderklinik, jedoch ist der Besuch in der Praxis nicht eingeplant. Muss ich nun den Termin in der Klinik verschieben und damit wieder einen anderen Tag umplanen? Das Gedankenkarussel drehte sich.

In einer weiteren Mail erklärte ich der Vertretungsassistenz noch einmal welche Aussage die Kinderklinik machte und welche Begründung sie für die zweite Überweisung angaben. Sie teilte mir anschließend mit, dass sie noch einmal telefonisch Kontakt mit der Praxis aufnimmt.  Ich hätte am liebsten bereits alles abgesagt. Das Gedankenkarussell drehte seine Runden und ich fühlte mich überfordert mit der Neuplanung.

Es folgten SMS mit der Vertretungsassistenz bezüglich der Planung, den Öffnungszeiten der Praxis und der Organisation. Meine Vormittagsplanung war völlig hinfällig und nicht mehr ausführbar. Es ging allein nur noch um das eigene Terminchaos.

Später erhielt ich dann die Information, dass ich nun doch alleine in die Praxis kommen könne um den Schein zu holen, müsse allerdings kurz mit dem Arzt sprechen. Eine innerliche Planung war für solch ein Gespräch nicht mehr möglich. Zum einen war nun auch die Zeit gekommen, die ich schon von Anfang an für den Praxisbesuch ausgewählt hatte und zum anderen würde die Praxis in Kürze zur Mittagspause schließen. Ich druckte mir also die Mail aus in der ich bereits der Vertretungsassistenz die Begründung der Klinik mitteilte und legte mir für den Arzt den Satz zurecht: „Sie können auch gerne in der Kinderklinik anrufen.“

Die Fahrt zur Praxis (glücklicherweise nur zwei Haltestellen in recht leerer Bahn, an meinem Platz) lief automatisiert, im Tunnelblick, allein fokussiert auf den Satz den ich dem Arzt sagen werde. Was ich nicht vorher beachtet habe war das  aufeinandertreffen mit der Arzthelferin an der Anmeldung. Ich versuchte mich also vor dem eintreten in die Praxis nochmal „zu sammeln“, atmete tief durch und öffnete die Tür. Irgendetwas stammelte ich ihr dann entgegen bezüglich, Herzkind, Überweisung, Telefonat. Sie erkannte mein Anliegen und bat mich kurz Platz zu nehmen. Im leeren Warteraum vernahm ich, dass sie mit ihrer Kollegin über die Telefonate und mein Anliegen sprach und das eine Überweisung doch gar nicht mehr nötig wäre. Diese Information war nicht unbedingt etwas, das mich beruhigte.

Nachdem zwei kleine Patienten mit ihren Müttern die Praxis verließen, ich mehrmals die ausgedruckte Mail gelesen und meine inneren Worte sortiert hatte wurde ich aufgerufen und ins blaue Arztzimmer geschickt. Der Arzt trat kurz darauf ein und fragte nach meinem Anliegen. Ich sagte den Satz den ich am frühen Morgen „einstudiert“ habe und der eigentlich für die Dame an der Anmeldung gedacht war. „Guten Tag, ich bin hier um die Überweisung für (Name des Herzkindes) abzuholen.“ Von meinen, in diesem (Überforderungs)Moment unüberlegten, ausgesprochenen Worten selbst erschrocken, weil dieser Satz nicht der Satz für den Arzt war und hier wohl auch nicht passte, verstand ich nicht was er darauf antwortete und hielt  ihm nun die ausgedruckte Mail hin.

Er verstand, wunderte sich dennoch warum eine zweite Überweisung nötig sei, erzählte mir noch das einige der Untersuchungen auch in der Praxis möglich gewesen wären und das Herzkind sich somit mehrere Besuche in der Klinik erspart hätte (was sie sich auch hätte ersparen können, wenn beim ersten Besuch in der Praxis wie erwünscht direkt zwei Überweisungen ausgestellt worden wären) und stellte zu meiner Erleichterung die Überweisung aus. Bei der Übergabe nannte er mir noch den Namen der Ärztin in der Klinik zu der wir unbedingt gehen sollten. (Bei der wir am Vortag aber auch schon waren, die den zweiten Termin ausstellte, um die zweite Überweisung bat und eine mögliche Behandlung übernehmen wird. – *Was ich ihm aber alles nicht sagen konnte.*)

(Ihr ahnt es wohl, der zweite Termin in der Klinik war, nach solch einem Vormittag, nicht ganz einfach. Darüber dann mehr in Teil 3. )

Anmerkung: Wegen fehlender Konzentration, aber euch nicht länger warten lassen wollend, erstmal ohne Korrekturlesung niedergeschrieben und veröffentlicht.

mitten auf der Autobahn

Stelle Dir vor, du stehst in der Mitte einer stark befahrenen, dreispurigen Autobahn. Große, kleine, gelbe, rote, blaue, grüne Fahrzeuge mit Licht, ohne Licht, mit neonfarbener Werbung, diversen Aufschriften – einfach die gesamte Farbpalette an Kraftfahrzeugen rauscht in sekundenschnelle an Dir vorbei.

Hinzu kommen die diversen Fahrgeräusche von vorne, hinten, links und rechts. Mitunter ein ärgerliches, ohrenbetäubendes hupen, weil Du ja mitten im Weg stehst.  Nicht zu vergessen die zwischendurch schrillen Sirenen der Einsatzfahrzeuge.

Stelle Dir nun vor dies müsstest Du täglich bis zu dreimal erleben. Wie lange hältst Du es aus?  Schaffst Du es dreimal täglich für jeweils 15 Minuten? Schaffst Du es länger? Wie viel Pausenzeit würdest Du zwischendurch benötigen bevor Du Dich wieder dem Stress aussetzt? Wie viele Tage hintereinander schaffst Du diese Prozedur? Eine Woche, ein Monat, ein Jahr?

Du denkst niemand würde sich diesem Stress aussetzen? Da irrst Du Dich. Ich erlebe ihn fast täglich. Beim Besuch im Supermarkt,  beim Gang durch die Stadt, in Geschäften, bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, kurz gesagt bei jeder Form von Menschenansammlungen. Das oben beschriebene ist meine Wahrnehmung in diesen Situationen. Ungefiltert stürzt alles auf mich ein.  Vorbeigehende Menschen sind die „Fahrzeuge“. Ihre Unterhaltungen der „Verkehrslärm“, ihre Kleidung und die Farben der Umgebung die bunte Farbpalette. Es strengt an. Wahnsinnig an.
Und darum gibt es Tage da ist ein Gang nach draußen einfach nicht möglich.  Da ist schon das zappelnde Kind neben mir eine Herausforderung, die Stimmen aus dem Fernseher keine Minute ertragbar und der Tag nur aushaltbar mit Ohropax, Sonnenbrille und Rückzug unter die Decke.

11. Dezember – warum es bei uns noch keine Plätzchen gibt

“ Mama wir haben noch gar keine Plätzchen gebacken.“ Das erwähnte das Herzkind in den letzten Tagen und was mich sowieso schon beschäftigt ist auch bei ihr angekommen. Dieser Advent ist anders. Es fehlen Rituale, die sonst bei uns durchgeführt wurden. Dazu gehörte auch das Plätzchenbacken am ersten Adventssonntag.
Aber warum haben wir es noch nicht geschafft? Es lag nicht an fehlender Motivation, an Antriebslosigkeit, oder am vergessen. Nein ich habe daran gedacht. Es hat mich sogar sehr beschäftigt. Ein Ritual konnte nicht ausgeführt werden, das ging innerlich nicht spurlos an mir vorbei.  Doch zum Plätzchen backen benötigt man Zutaten. Zutaten die wir nicht immer im Haus haben.

„Dann gehe sie doch  einkaufen.“ Ja, dass sagte auch das Herzkind, aber so leicht wie sich das für manch einen anhört ist es nicht. Es beginnt schon mit der Einkaufsliste. Es müsste eine neue erstellt werden. Ach da fällt mir ein, es fängt noch viel eher an. Bei der Frage wo gehe ich einkaufen?

Als wir noch in der anderen Wohnung wohnten hatte ich zwei Lebensmittelgeschäfte zu denen ich einkaufen ging. Ich nenne sie jetzt mal Flis und Zis.  Im Flis kaufte ich am Anfang der Woche ein, dort lief der Einkauf völlig strukturiert ab. Immer nur die gleichen Artikel.

Auch Zis hatte seine „Stammartikel“, doch dort wurden auch die nichtallwöchentlichen Dinge gekauft wie beispielsweise das Mittagessen für die Wochenenden.  Es brauchte viel Zeit -Jahre- bis mir Zis so vertraut war, dass ich dort die nichtallwöchentlichen Dinge kaufen konnte. Bis ich das Geschäft quasi komplett gescannt hatte und wusste wo alle Artikel zu finden waren und wie sie aussahen. Dieses Wissen, diese Vertrautheit zu diesem Geschäft und zu seinem Warenangebot gab mir die Möglichkeit einer geplanten Spontanität beim Einkauf. Eben wenn mal zum backen oder kochen etwas neues benötigt wurde.

Wie das Schicksal aber manchmal so will, zog Zis kurz nach unserem Umzug ebenfalls um. Ich war seitdem einmal dort. Es sollte ein kennenlernen der neuen Umgebung werden, ohne Einkauf, einfach nur schauen wie das Geschäft nun aufgebaut ist. Ich war nach etwa 3 Minuten wieder draussen. Noch nicht bereit dazu mich auf weiteres neues einzulassen. Zis wurde erstmal aus dem Wochenplan gestrichen.

Ich gehe nun also Anfang der Woche und auch zum Wochenende zu Flis. Dort gibt es jedoch nicht die Artikel aus Zis, was bedeutet, dass seitdem auch unser Vorratsbestand erheblich geschrumpft ist. Bestimmte Lebensmittel gibt es bei uns einfach nicht mehr.  Und dann sind da diese  Dinge wie Mehl, Zucker, Salz, Eier.  Früher alles Produkte aus Zis, da ich sie nicht wöchentlich kaufte. Nun baue ich sie ganz langsam in den FlisEinkaufszettel ein.  Aber das benötigt eben Zeit. Auch wenn es bedeutet, dass wir seit 3 Monaten keine Eier mehr im Haus hatten und das für Knirps Sand die letzten drei Tassen Mehl herhalten mussten.

Lange,wirre Rede – kurze Erkenntnis : Ohne Zutaten – keine Plätzchen.

kurze Info

Was ich gestern schrieb, habe ich erstmal wieder auf privat gesetzt. Wer es bereits gelesen hat: Es ist leider wahr.

Mir wurde im nachhinein mitgeteilt, dass die Angehörigen als Erste ein öffentliches Statement abgeben möchten. Dies ist noch nicht geschehen. Mein Beitrag bleibt also erstmal wieder verborgen. (In anderen Kreisen ist es schon öffentlicher, daher war mir nicht bewusst, dass ich den Angehörigen vorweg greife.)

Wer es las und nun nach dem Beitrag sucht, sei hiermit hoffentlich eine Erklärung gegeben, warum der Beitrag nun nicht mehr erscheint.

Fremdumgebung

Und manchmal fühlt es sich noch an als wäre ich im „Urlaub“.
(Und Urlaub ist das falsche Wort, weil es  „wohlfühlen“ beinhaltet )

Als wäre ich eine Weile fortgegangen.
Habe meinen Ort verlassen.
Mich verloren.
Es scheint als hätte ich Wohlfühldinge mitgenommen,
um einen Moment hier verweilen zu können.
Wohlfühldinge die aus der ehemaligen Wohnung raus mussten.
Weg von dem Ort,  der nicht mehr wohlfühlen lässt,
bei dem es nicht mehr passt.

Dann frag ich mich wo „zuhause“ ist und fühle kein „zuhause“.

Wo gehöre ich hin?
Wo gehe ich hin?
Wann komme ich wieder an?

ausgesetzt (Chaosgedanken)

Nun bin ich bereits den dritten Samstag in dieser Wohnung.  Noch immer ist es ungewohnt, anders und oft möchte ich einfach weg doch es gibt keinen Sicherheitsort mehr. Keine Drinnenwohlfühlorte und keine Draussenabschaltorte.  Heute vor drei Wochen wurde ich „herausgerissen“ aus meinem Rückzugsort, aus meiner Sicherheitszone. Plötzlich waren dort viele Menschen, die meine Welt zerstörten.  Es sah nichts aus wie vorher, es gab viele Geräusche, viele fremde Bilder.

Es ist innerlich verstörend, dass ein ehemaliger Sicherheitspunkt pötzlich so negativ besetzt ist. Drei Stunden sah ich Chaosbilder, die zur Haltlosigkeit führten.  Alles wurde fremd, mit fremdbesetzten Gefühlen. Ich fühlte mich plötzlich mitten aus dem gewohnten Leben verstoßen. Als hätte ich alles verloren und wurde ausgesetzt in einer fremden Welt.

Nun muss ich neu ankommen – mich neu orientieren. Nicht nur drinnen, sondern auch draussen. Andere Wege, andere Wahrnehmungen, andere Menschen. (Kann man es vergleichen, mit einem neurotypischer Menschen, der sich plötzlich in einem fremden, fernen Land neu integrieren muss? )

In der Wohnung geht die Gewöhnung langsam voran . Mein Sofa, meine Decke, meine Eule. Visuelle Wohnzimmerbilder werden sicherer. Fluchtgedanken sind nicht mehr so stark,  wie noch in der letzten Woche.  Jede „Störung“ im Tagesablauf oder im Haus führt jedoch schnell dazu, dass ich wieder unruhig werde. Halt- und orientierungslos.

Dann möchte ich raus und weiss doch nicht wohin. Denke an Draussenorte, die noch vor wenigen Wochen Ruhe schenkten jetzt aber plötzlich Fremdgefühle verursachen. Es fühlt sich falsch an an diesen Orten zu sein. Sie sind verknüpft mit der ehemaligen Wohnung.  Alle Reize an früher bekannten Orten schmerzen. Die Augen brennen, die Ohren tun weh, die Haut sticht, der Kopf dröhnt. Und wieder ergreife ich die Flucht. Möchte in Tunnel laufen. Dort ist es ruhig [weg vom Hörchaos] und dunkel [keine visuellen Reize].

ausgesetzt
haltlos
orientierungslos
gefangen in einer fremden Welt

eine Wohnung einrichten – Schritt für Schritt

Langsam, ganz langsam entstehen Kopfbilder der neuen Wohnung.  Dafür habe ich mir Kopien des Grundriss geben lassen und stöbere auf verschiedenen Internetseiten und durch Prospekte. Ich setze mir Markierungspunkte und lasse Innenbilder entstehen. Immer wieder schaue ich mir die möglichen neuen Möbel an um zu überprüfen ob es gedanklich passt. Ob das Bild stimmig wird.

Demnächst möchte ich mir die Möbel aus dem Internet auch direkt anschauen. Dafür werden wir in verschiedene Möbelhäuser fahren müssen. Ich möchte sehen und fühlen. Erkennen können ob das Internet mich in der Wahrnehmung des Möbelstücks auch nicht getäuscht hat. Wenn dieser Schritt getan ist, vielleicht auch mehrfach bis es stimmig ist, muss noch einmal geschaut werden was finanziell von all dem überhaupt möglich ist. Natürlich habe ich es jetzt bei der Auswahl schon etwas im Blick, dennoch notiere ich momentan alles was überhaupt „neu“ angeschafft werden muss. Auch damit das Kopfbild des Raumes komplett wird. Was dann wirklich geht und was erst viel später wird später nochmal sortiert.

Ganz wichtig ist auch der Blick in die Kleinanzeigen. Da nun langsam ein Grundkonzept steht kann ich schauen ob es ähnliche Möbel, Geräte und Materialien günstig gibt. Sollte dies der Fall sein, werde ich nach Reservierung fragen.

Es geht voran. Ganz langsam. Schritt für Schritt. Was sehr nötig ist. Das Gefühl, das mir die Zeit wegläuft bleibt. Einfach weil diese große, auf mich zukommende Veränderung in kleinen, aufgeteilten Schritten wahrgenommen werden muss, da sonst die „Überflutung“ droht.

manchmal geht alles viel zu schnell, obwohl es doch soviel Vorbereitungszeit hatte

Wie lange ist die Wohnungssuche eigentlich schon in meinem Kopf ? 2 Jahre, 3 Jahre ? Genau weiss ich es gar nicht, aber nun habe ich jemanden der da ein wenig „Druck“ macht. Der hilft dass es nicht nur ein Gedanke im Kopf bleibt. Auch Vorbereitungen laufen schon eine Weile. Es wird aussortiert, weggeworfen.

Und dann stand sie an. Die erste Wohnungsbesichtigung in einer sehr ruhigen Seitenstrasse. Optimal. Die Räume ok (das Bad etwas klein, aber akzeptierbar). Alle Räume fertig zum streichen nur in 2 Räumen fehlt noch der Boden. Eine Wohnung in einem Dreifamilienhaus. Die Hausgemeinschaft ist dem Vermieter sehr wichtig. Ein Garten zum mitbenutzen und ein wenig mitpflegen. Ich habe mich darauf eingestellt, dass wir die Wohnung wohl nicht bekommen werden, da sie bereits leer steht und wir die hiesige noch nicht gekündigt haben. Und dann die Nachricht. Der Vermieter möchte auf uns warten, ab dem 1. September dürfen wir einziehen. Vorher natürlich auch in Ruhe renovieren und sich an die neue Umgebung gewöhnen. Überrumpelt.

Soll es wirklich so schnell gehen? Soll ich tatsächlich zusagen? Schaffe ich es mich in diese enge Hausgemeinschaft zu integrieren? Wird es im Sommer nicht zu warm im Dachgeschoss?

Es wäre eine Sorge weniger. Es würde weiter voran gehen. Aber es ist eine Entscheidung, die eine lange Dauer unserer Lebenszeit beeinflusst. Überfordert. Ich.

warum offene Hausflure auch Rettung sein können

Ein anstrengender Tag endete mal wieder mit einer Flucht vor der Welt da draussen.  Alles zu laut, zu schnell und ich fühlte mich überfordert. Nur noch ein Gedanke in mir: „Ich möchte hier raus.“  Raus aus dieser Situation. Raus aus dem alltäglichen Leben das um mich herum  immer schneller, immer lauter, immer undurchschaubarer wird. Gefangen in einem Wust aus Bildern und Geräuschen.   Nur 5 Minuten war ich in der Stadt. 5 Minuten zuviel. Ein rettender Hauseingang liess mir einen Moment für den Rückzug.

Overload

Zeit um nichts hören zu müssen, nicht handeln zu müssen.
Zeit um Kraft zu finden für den Weg wieder nach Hause.