15 Jahre

Hallo Herzenstochter,

Wahnsinn 15 Jahre alt bist du nun schon.  Ich erinnere mich zurück an unsere gemeinsame Zeit, wie ich dich begleitet habe durch die Baby- und die Kleinkindzeit, du wurdest Kindergarten- und dann Schulkind.   Ich sah dich wachsen und war bei dir.
Ich hielt deine Hand in meiner bis du mehr und mehr losgelassen hast.
Ich trocknete deine Tränen und lachte mit dir.  Wir entdeckten gemeinsam die Welt.
Du stelltest Fragen, wir fanden (meistens) Antworten.

Jetzt bist du ein Teenager. Kein kleines Mädchen mehr, das noch nicht lesen kann.
Du suchst Antworten auf Fragen nun oft anderswo. Bei Freunden, in Büchern oder auch im Internet.  Dennoch wünsche ich mir von Herzen, dass du auch bei mir noch Antworten finden kannst.  Das du weißt, dass du mit jeder Frage zu mir kommen kannst.
In Sachen Unterrichtsstoff kann ich dir vielleicht nicht immer helfen, aber möglicherweise finden wir dennoch gemeinsam Lösungen.  In Sachen Leben, Liebe und Alltag kann ich dir erzählen wie es bei mir war. Kann dir damit vielleicht manche Entscheidung die du treffen wirst leichter machen.  Gut möglich das du dir dann auch denkst, nee so mache ich es nicht.
Dann helfen dir meine Erfahrungen eben dabei genau diese Entscheidung zu treffen.

Du bist du und du wirst deinen eigenen Weg gehen. Darfst ihn gehen.  Ich gebe dir keinen Weg vor, dränge dich nicht in Wunschvorstellungen sondern möchte dich begleiten. Für dich da sein.   Eine helfende Hand, ein offenes Ohr, eine tröstende Schulter und immer offene Arme egal was passiert.  Du kannst nichts falsch machen was meine Liebe zu dir schmälern würde.

Deine Hand ist nun seltener in meiner und du bist schon größer als ich.  Bei Umarmungen schmiegst du dich an meine Schulter und ich erinnere mich wie du früher immer gemessen hast wie groß du bist.  Bis zu Mamas Bauchnabel, bis zum Ellenbogen, bald schon am Kinn …
Und ich sehe dich an und denke: Wie konnte ich so einen perfekten Menschen zur Welt bringen? Einen Menschen mit soviel wunderbarer Persönlichkeit.

Du hast soviel Mitgefühl, Gerechtigkeitssinn, bist lernwillig und deine Freunde können auf dich zählen.   Du lernst Sprachen als wäre es das natürlichste der Welt, saugst die Wörter auf und wendest sie an.  Englisch hast du zu deiner Alltagssprache auserkoren. Latein und Spanisch lernst du in der Schule wie nebenbei  und Koreanisch sowie Norwegisch einfach mal für dich allein zu Hause.  Du zeichnest nicht mehr soviel wie früher und doch steckt dieses Talent noch immer in dir. Ich sehe es, wenn du dann doch mal wieder zum Stift greifst. Aber du glaubst momentan nicht so wirklich an dich.

Ja, die Teenagerzeit ist leider auch eine Zeit der Zweifel.  Das weiß ich und das macht dir oft zu schaffen.  Das Selbstbewusstsein muss sich neu finden. Wer bin ich, was kann ich? Da stecken Gefühle in einem, die nicht einsortierbar sind. Plötzlich ist alles doof und man ist sich nicht einmal im klaren warum das so ist. Da möchte man weinen und schreien und sagen lasst mich doch alle in Ruhe. Da möchte man wieder das kleine Kind sein, dass sich nicht so viele Sorgen über die Welt und die Zukunft machen musste sondern einfach leben konnte. Da zweifelt man an sich selber und hat es mit sich selbst am schwersten.

Ich wünsche dir das die Zweifel nicht überhand nehmen, das du bald wieder sehen kannst was für ein wunderbarer Mensch du bist. Du bist dabei dich zu finden. In der Sprache, der Musik, der Kleidung und vielleicht auch bald in Richtung erste Liebe. Wird es ein Junge sein der dich verzaubert oder ein Mädchen?

Ich freue mich darauf dich als junge Frau kennen zulernen, denn du bringst soviel mit das dich ganz sicher zu einer ganz besonderen jungen Frau machen wird.

Auch bin ich gespannt was du mal werden willst. Das musst du noch nicht jetzt wissen. Selbst wenn die Schule dich manches Mal dazu drängt. Entdecke dich erst selber. Werde du. Was du dann aus dir machst wird kommen. Vertraue darauf.

Ich erinnere mich an die Zeit vor deiner Geburt, ich wusste auch nicht wie du sein wirst. Wie wir Hindernisse gemeinsam überwinden werden und ob ich alles richtig machen werde. Zweifel gehören zum Leben dazu.
Heute weiß ich, das du ganz wunderbare Eigenschaften besitzt und das wir beide einen guten Weg gefunden haben uns zu arrangieren.

Ich bin dankbar und glücklich, dass ich deine Mama sein darf, auch wenn du nicht mehr an meiner Hand läufst.
Ich schaue dir zu, wie du in die Welt gehst, mit großen Schritten und auf langen Beinen (die du im Moment nicht immer magst).  Und ich merke, wie ich allmählich zurück bleibe. Ich sehe das kleine Mädchen in dir, das ich so viele Jahre lang bis hier her begleitet habe und sehe gleichzeitig die junge Dame die da heranwächst und mehr und mehr eigene Wege geht.

Zwischen uns wird der Abstand größer, du brauchst mich nicht mehr 24 Stunden am Tag, verschwindest lieber alleine ins Zimmer statt gemeinsam den Nachmittag zu gestalten, gehst lieber mit Freunden raus als mir mir, es gibt mehr und mehr Tage im Jahr an denen wir getrennt voneinander sind.
Du gehst eigene Wege, ich gehe eigene Wege. Lerne wie es ist wenn das Kind, das so lange Mittelpunkt meines Lebens war und den Tag bestimmte, weniger Mittelpunkt wird.  Und ich weiß, das ist in Ordnung und richtig so, diese Abnabelung gehört zum erwachsen werden dazu.

Dennoch wünsche ich mir das unsere Nähe immer bleibt. Tief im Herzen.  Das du immer weißt ich bin für dich da, direkt nebenan, immer mit offenem Ohr und offenen Armen. Das du jederzeit und mit allem zu mir kommen kannst. Nichts kann passieren.
Eine vier in der Schule- so what, etwas versemmelt – kann passieren, mächtig Ärger kassiert oder einfach nicht einsortierbare Gefühle?  Ich bin da für dich. Da kannst du dir immer sicher sein.

Und wenn es mal Streit zwischen uns gibt., auch das gehört zum Leben dazu, zum abnabeln. Ich möchte immer nur das Beste für dich und darum denkst du vielleicht manchmal gewisse Dinge die ich entscheide sind unfair, zu streng oder einfach „old school“.  Vielleicht ist das auch so. Dann muss ich lernen dir mehr zuzutrauen, dann muss ich mich daran erinnern das du nicht mehr das kleine Mädchen bist.

Weisst du auch Mütter können nicht alles, sind manchmal voller Sorge.
So frage ich mich oft ob das alles so richtig ist was ich mache, ob die Entscheidungen die ich treffe wirklich passen. Ich bin zum ersten Mal Mutter und hatte noch nie diese volle Verantwortung für einen Menschen, der Begleitung beim wachsen und werden braucht. Verzeih mir also, wenn auch ich mal Fehler mache.  Wir können immer über alles reden und Kompromisse finden. Ich wünsche mir, dass diese Fähigkeit nie endet.

Auch hoffe ich, dass du mich immer noch als deine Vertraute, deine Freundin ansiehst. Denn ich habe dich furchtbar lieb und möchte gern an deinem Leben teilhaben.
Möchte miterleben wie du erwachsen wirst. Deine Ängste, Sorgen, Träume, Wünsche und Vorstellungen kennen und sie mit dir gemeinsam durchleben.
Mir ist bewusst das  du jetzt manche Dinge lieber mit dir selbst ausmachen willst. Doch wenn das mal nicht so richtig klappt und du Hilfe brauchst, dann bin ich da um dir zuzuhören, dir zu helfen, dich zu unterstützen. Versprochen.

Du bist ein wunderbarer Mensch,
ich habe dich sehr lieb und bin absolut stolz auf dich,

Deine Mum

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