duschen als Skill

„Warum tut dir das duschen in Spannungssituationen eigentlich gut? Das sind doch massive Reize denen du da ausgesetzt bist.“

Nun, man muss hier unterscheiden zwischen Anspannungssituation und Overload. Beim Overload ist das duschen tatsächlich absolut unmöglich. Die Überreizung ist bereits da und jeder weitere Reiz kann mich ins absolute „aus“ bringen. Ein Zustand bei dem auch der Körper (beispielsweise mit Kreislaufzusammenbruch) reagiert.

In Anspannungssituationen jedoch „beruhigt“ das duschen. Der Duschraum ist ein Raum mit klarer Begrenzung. Nicht zu eng, aber auch nicht zu weit. Gedämpftes Licht und visuelle „Ruhe“ schaffen eine Pause für die Augen. (Meist sind meine Augen sowieso geschlossen, doch wenn ich sie öffne, werden sie nicht sofort überfordert.)

Das gleichmäßige rauschen des Duschstrahls bleibt konstant. Was jedoch noch viel wichtiger ist: es überdeckt alle anderen Umgebungsgeräusche. Selbst die Körpergeräusche (wie etwa den Herzschlag), die mit Ohropax extrem störend sein können, und in Anspannungssituationen weiter in die Überforderung treiben, werden überdeckt.

Die Berührung des Wassers auf der Haut hat ebenso einen konstanten Härtegrad. Ich spüre selbstbestimmt die Grenze des Körpers, kann bei mir bleiben. Es unterdrückt Autoagression, die sonst gegen den Körper einsetzen würde. Die kontrollierte taktile Reizung lenkt von anderen unangenehmen, nicht steuerbaren Körperwahrnehmungen (wie Unruhe, Anspannung, Verspannung oder Schmerz) ab.

Das duschen, nicht im Sinne von sich waschen und pflegen, sondern im Sinne von spüren, wahrnehmen und die Umgebung bedecken, ist daher tatsächlich ein Skill, der Überforderung mit sich selbst zumindest für den Moment „wegspülen“ kann.

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11 Kommentare zu “duschen als Skill

  1. Das kommt mir bekannt vor. Ich dusche aus ähnlichen Gründen immer sehr gerne, wenn es mir nicht gut geht oder einfach nur um wieder etwas runterzukommen. Ich koche mich dabei aber meistens auch noch ab mit richtig heißem Wasser. Nach einem Overload und ähnlichem dusche ich irgendwann auch, um symbolisch den Dreck den ich zuviel aufgenommen habe, abzuwaschen. Das ist auch sehr angenehm. Schon toll, was duschen alles kann

  2. Dusch als Skill… Wirklich eine spannende Idee, die mich zum nachdenken angeregt hat.

    Duschen tut mir ebenfalls sehr gut – manchmal. Manchmal ist es aber auch sehr negativ besetzt, weil ich mich dabei auch mit meinem Körper (optisch) konfrontieren muss – und manchmal mag ich es auch ganz und gar nicht, meinen Körper zu spüren.

    Gleichzeitig kann ich aber auch die beruhigende Wirkung des Wassers bestätigen. Es hat körperlich und psychisch eine entspannende Wirkung – bei mir wie gesagt nur manchmal, aber das kann ja auch was sein. 🙂

  3. Wenn ich es mir recht überlege, ziehen ich allgemein das Baden vor, obwohl ich auch täglich unter die Dusche gehe. Beim Baden ist mir nur wichtig, dass das Wasser läuft. Ich brauche das Geräusch des laufenden Wassers.

    • Das duschen kann bei mir ins baden übergehen. Wenn die Anspannnung abfällt und in Erschöpfung mündet. Dann stecke ich schonmal den Stöpsel ein
      und bleibe im Wasser sitzen. Aber wie bei dir auch, brauche ich oft noch das Geräusch des fließenden Wassers.

  4. Toll, dass das Duschen bei dir als Skill so gut wirkt. Mich bringt es leider gar nicht runter, auch wenn das schön wäre. Baden hingegen ist in Ordnung, aber nur wenn da ein Hörbuch dabei ist, das meinen kopf quasi ausschaltet.
    Meine Lieblingsskills, die momentan am besten wirken sind sonst Ammoniak schnuppern, Igelball und Musik hören.
    Liebe Grüße

  5. Das ist cool xD Du solltest eine Serie daraus machen – verschiedene Skills und wie sie bei dir wirken. Ich treffen oft Menschen, die einfach nervös sind, und bei denen ich mir denke ‚Such dir einen Skilll!‘ – aber dann kommen die Fragezeichen. Darüber sollte man mehr sprechen. Es ist ja nix, was nur die ‚Kranken‘ auf dem Papier betrifft, sondern alle Menschen. Jeder gerät man in Anspannung und empfindet das als unangenehm. Es ist wichtig zu wissen, dass man sich selber wieder raushelfen kann 🙂

  6. Ich bin zufällig auf deinen Blog gekommen, finde ihn sehr spannend und werde sicher noch öfter vorbeischauen. Um beim Thema zu bleiben: Mir hilft duschen auch in vielerlei Hinsicht sehr gut! 🙂

  7. Also ich bade lieber. Wasser anmachen, hinlegen und mit dem Kopf unter Wasser das donnern des voll aufgedrehten Wasserstrahls hören:-) ist die Wanne groß genug, kann ich darin schweben. So verliere ich alle Schwere. Duschen ist mir zu irritierend, da ich an manchen Stellen „taub“ bin. Wenn ich mich dort selbst berühre, spüre ich nichts. Nur wenn andere dort hin fassen, was meist unangenehm ist.
    Baden ist schön. Habe seit 2 Jahren nur ein Bad mit Dusche und leide wirklich, weil mir dieses tägliche Ritual wirklich fehlt.

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