Sommerreize

Vor kurzem sagte ich: „Ich mag den Sommer nicht.“ Diese Aussage ist jedoch viel zu ungenau. Differenzierter müsste es heissen: „Ich mag die Sommerreize nicht.“ Noch detailierter wäre es,  die einzelnen Unannehmlichkeiten zu benennen, was ich mit diesem Post versuchen möchte.

Zum ersten ist da die Sonne mit ihrer Helligkeit. Das Licht allein ist schon greller als in anderen Jahreszeiten. Dann wird es von vielen Gegenständen reflektiert, beispielsweise von weissen Wänden, spiegelnden Fenstern, Plakatscheiben, Scherben und Kronkorken auf dem Weg  oder auch von weißem Geschirr, wenn man an einem Café vorbei geht. Es gibt Tage, da hilft nicht einmal die Sonnenbrille, selbst hinter ihr werden meine Augen geblendet und fangen an zu schmerzen.

Im Sommer gibt es draussen auch mehr und lautere Geräusche. Zum einem sind da die vielen elektrischen Geräte wie Rasenmäher, Heckenscheren, Sägen und Musikanlagen. Zum anderen wird nicht mehr nur in den Häusern gebaut, gespielt, gelacht und gelebt sondern viele Aktivitäten werden nach draußen in Gärten und Hinterhöfe verlegt. Gemeinsames Beisammensein, feiern und sich unterhalten. Die Umgebungsgeräusche nehmen damit in den Sommermonaten zu.

Im Sommer sind (gefühlt) mehr Menschen unterwegs. Sie sind nicht darauf bedacht schnell in warme Gebäude zu kommen und halten sich somit öfter und länger draussen auf.  Sie unterhalten sich, telefonieren, lachen und rufen Bekannte die sie draußen erkennen.  Autofahrer sind gereizt von der Wärme (?) und hupen öfter, wollen schneller zu Hause, im Park oder im Schwimmbad sein (?). Motorräder werden aus den Garagen geholt und einige Fahrer/innen möchten, an Ampeln oder in freier Fahrt,  zeigen welch hohen Sound ihr Fahrzeug erreichen kann.

Und weil so viel mehr Menschen draussen sind ist der Geräuschpegel höher, weil jeder die anderen Geräusche übertönen möchte um gehört oder einfach nur verstanden zu werden. Die Menschen sitzen nicht mehr in den Cafès, sondern draußen. Sie strömen in die Städte und Parks. Sie nehmen auch der Natur ihre Stille indem sie Musik mitbringen, sich in Gruppen versammeln – mit vielen Unterhaltungen und gemeinsamen Essen.

Und da bin ich beim dritten Faktor – Gerüche. Es gibt angenehme und unangenehme, wobei angenehme in ihrer Vielzahl auch wieder unangenehm werden können – was gerade im Sommer überhand nimmt. Beispielsweise wenn „an jeder Ecke“ gegrillt wird und damit die unterschiedlichsten Duftstoffe freigesetzt werden. Es riecht nach Fleisch, nach Kohle, nach Gemüse, verkohlt oder verbrannt. Es gibt gerade am Wochenende kaum Möglichkeiten einen Spaziergang zu unternehmen ohne mit diesen Gerüchen konfrontiert zu werden.
Und dann sind da die Gerüche, die vom Menschen ausgehen. Von verschwitzten aber auch von gepflegten Menschen. Denn auch Deo und Parfüm mit ihren vielen unterschiedlichen Dufteigenschaften werden gehäuft eingesetzt und „vernebeln“ die Umgebung.  Diese künstlichen Duftstoffe nehmen mit der Anzahl der Personen und mit steigenden Temperaturen massiv zu.

Visuell, auditiv und olfaktorisch fühle ich mich mit oben genanntem,  im Sommer mehr Reizen ausgesetzt als beispielsweise im Winter, wenn die Menschen sich in warmen Gebäuden aufhalten und die Sonne einige Stunden weniger und „sanfter“ strahlt.  Der Sommer ist für mich heller, lauter und stickiger als andere Jahreszeiten und aus dieser Wahrnehmung entspringt die Eingangsaussage: „Ich mag den Sommer nicht“.

 

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6 Kommentare zu “Sommerreize

  1. Da kann ich gar nichts dazu sagen. Es ist schwer für Dich, das kann ich nachvollziehen, nachdem ich es hier gelesen habe.
    Mir ist es noch nie aufgefallen, wie gross die Unterschiede Sommer/Winter draussen sind. Du hast Recht, Du bist achtsamer gegenüber Licht, Lautstärke etc.
    liebe Grüsse
    Elisabeth, die Deine Zeilen noch öfter lesen muss, ich will es ganz verstehen!

  2. ……………………………………………
    liebe herzchaosmama, ich kann dich sehr sehr gut verstehen und alles voll nachempfinden, weil ich genau so betr. sommer-reize fühle und empfinde und dementsprechend manchmal oder oft regelrecht leide. die sommerzeit ist für mich nur am ganz frühen morgen und späten abend einigermaßen erträglich.
    die zeit hat flügel und bald ist auch wieder herbstzeit, für mich und sicher auch für dich eine angenehme zeit.
    sei herzlich gegrüßt vom webschmetterling

  3. Liebe Herzchaosmama,
    deine Seite berührt mich und ich bin froh, sie durch den Blogger-Kommentiertag entdeckt zu haben. Ich wünsche dir einen wundervollen bunten Herbst mit warmen Farben und leisen Tönen.
    Alles Liebe für dich
    von Janke

  4. Mich wundert, dass du nichts vom schwitzen bzw Scheiß bei dir selber schreibst?! Ich selbst leide wirklich im Sommer.
    5 x duschen am Tag, 6 Mal umziehen, und das KLEBEN ist furchtbar. Mir ist überhaupt nicht klar, wie man sowas genießen kann.
    Ich selber empfinde es, auf die Reiz bezogen, im Winter MEHR, weil die Bäume ohne ihr Laub den Schall nicht mehr brechen und weil kalte Luft den Schall besser leitet… Aber durch die Kälte ist es für mich wesentlich angenehmer.
    Aber mal interessant, wie andere Aspies das so erleben.
    Mit dem hellen Licht aber und den ganzen Reflexionen stimme ich dir zu. Ich habe weit über 40 Sonnenbrillen, die ich ganzjährig trage 🙂
    Ich lese gerne bei dir.

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