Januar-Rückblick

Die ersten zwei Wochen waren noch geprägt vom anstrengenden Dezember. Mein Kraftbalken lief stets auf Reserve.  Raus gehen war (und ist noch) ein großes Problem. Einfach, weil ich versuch(t)e die Aussenreize so minimiert wie möglich zu halten. Es gab Tage, da konnte ich nicht einmal mehr in den Keller gehen um die Waschmaschine anzustellen. Mir hätten Nachbarn begegnen können und das wäre mir einfach schon zuviel gewesen.

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Ein Termin beim Hausarzt stand seit langem mal wieder an. Die Schilddrüsenmedikamente müssen wieder angepasst werden. Ich mag die Termine beim Hausarzt nicht und bin sehr froh, dass ich da nicht so häufig hin muss.  Wäre ich oft krank würde ich wohl den Arzt wechseln. Das Blutabnehmen übernehmen die Schwestern dort im Labor, das ist noch gut erträglich, aber ins ziemlich chaotische Arztzimmer zum Arzt den ich absolut nicht einschätzen kann, der merkwürdige Fragen stellt und manchmal für mich unverständliche Aussagen macht gehe ich ungern.

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Im Mai würde meine EU-Rente auslaufen, daher schickte mir die RV, schon im Dezember, einen Verlängerungsantrag. Diesen konnte ich erst im Januar ausfüllen, da es doch auch erschöpfte. Sich so genau mit sich selbst beschäftigen, wirklich nachspüren wie es tatsächlich ist fordert ziemlich Kraft.
Nur 11 Tage nach absenden des Verlängerungsantrags bekam ich die Weiterbewilligung bis Mai 2016. Von der Schnelligkeit der Bearbeitung war ich doch ziemlich überrumpelt. „Schwarz auf weiss“zu sehen wie beeinträchtigt ich bin und das arbeiten nicht möglich ist, ist kein schönes Gefühl. Auch wenn ich weiss, dass es richtig ist so. Ich bin nicht stolz darauf auf den Staat angewiesen zu sein.

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Durch einige Zufälle fielen Anfang der vierten Januarwoche mehrere Termine aus. Weil ich bemerkte dass ich wirklich am Ende mit meiner Kraft war und auch die Option in die Klinik zu müssen um den Balken wieder aufzufüllen „im Raum stand“ machte ich einen cut. Entweder Klinik oder diese Tage ohne Termin nutzen und mir quasi einen Klinikalltag zu Hause erschaffen. Ich entschied mich für letzteres.

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Gefühlsmäßig würde ich sagen taten die Auszeittage gut. So gut, dass ich nun sagen kann ich habe Kraft mich auf ein „Abenteuer“ einzulassen. Ich habe gestern tatsächlich eine Fahrt über ein komplettes Wochenende gebucht und werde zu einer lieben Leserin fahren. Ganz bewusst ohne das Herzkind. Es wird ein Wochenende für mich werden. Für uns. Zum noch besseren kennenlernen, zum persönlich danken können und zum „ich sein“- weil sie es mir ermöglicht! Ich könnte dafür jetzt schon Danke sagen. 🙂

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Das Herzkind hat den Vorlesewettbewerb der Schule gewonnen und wird Ende Februar im Kreis- und Stadtentscheid gegen die Gewinner anderer Schulen antreten. Über ein paar gedrückte Daumen würde sie sich freuen.
(Sollte sie den Stadtentscheid gewinnen würde es im März/April zum Bezirksentscheid gehen, anschließen „kämpfen“ die besten Vorleser/innen jedes Bundeslandes von Ende April bis Mitte Mai um den Landessieg. Die 16 Landessieger werden zum großen Finale am 2. Juli nach Berlin eingeladen. [Und nach Berlin wollten wir gerne mal.] )

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Es gibt noch drei Mails die ich beantworten muss/möchte. Es tut mir leid, dass ich da nicht immer sofort antworten kann. Kommunikation ist auch schriftlich manchmal nicht so einfach.
Ich habe mich im Januar um ein anderes Herz“projekt“ kümmern wollen/ gekümmert, bei dem ich einige Mails schreiben musste und meist war anschließend meine Konzentration aufs schreiben und verfassen von Wörtern/Sätzen ausgeschöpft.

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Ich vermisse die Natur. Aber wie oben schon beschrieben ist rausgehen gerade schwierig. Um in die Natur zu kommen müsste ich einige Hindernisse überwinden. Ich müsste es schaffen vor die Tür zu gehen, ich müsste durch den Strassenverkehr und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Ich muss mich auf neues einlassen. Die „Angst“ vor dieser Reizüberflutung lässt mich meist schon im Flur wieder einen Rückzieher machen. In der ehemaligen Wohnung brauchte ich nur hinters Haus zu gehen. Dort gab es eine Allee, ganz ohne Autos und Lärm. Manchmal tat es gut diese auf und ab zu gehen und ein wenig draussen zu sein.
Meine Assistenz hat mir nun vorgeschlagen einen unserer nächsten Termine zu nutzen um mit dem Auto hinaus in den Wald zu fahren. Ich bin sehr dankbar über diesen Vorschlag, habe ich doch gerade auch in den Momenten wo ich spürte meine Kraftreserven gehen zu neige, darüber nachgedacht mich jedoch nicht getraut zu fragen. In der Natur kann ich ein wenig Kraft schöpfen. Schon als Kind bin ich immer in den Wald gegangen, weg von der Zivilisation, dem Stress den andere Menschen aussenden und verursachen, den Bedrängungen und nicht flüchten können wenn es mir zuviel wird.

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Ich würde gerne mehr bloggen, aber mir fehlen oft die Themen und Worte. Vermutlich liegt das auch an meinem Gedanken, es sollte dann immer ein guter Text sein und nicht nur ein paar dahin geschriebene Worte – ohne Erklärung und schwierig zu erfassen, weil der Bezug fehlt.

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5 Kommentare zu “Januar-Rückblick

  1. Ich drücke deiner Tochter ganz, ganz fest die Daumen und wünsche ihr viel glück 🙂
    Und für dich hoffe ich, dass es ein ganz tolles Wochenende wird.

    Liebe grüße von mir.

  2. Du Liebe,
    ich drücke dem Herzkind die Daumen und wünsch dir ein schönes WE bei der Leserin und ein gutes Ankommen bei dir, wenn du mit der Assistentin in den Wald fährst.
    Ich kann vieles nachfühlen, was du schreibst, manchmal geht es mir ganz genau so, oft habe ich aber auch bessere Tage. Ich bin froh, dass du dennoch schreibst, ich selbst hab ja meinen Blog vor 1 Jahr geschlossen, weil ich es nicht vermochte, öffentlich diese für mich so wichtigen Dinge anzusprechen. Ich vermag es auch heut noch nicht, nicht einmal meinem Kind gegenüber. Ich will es verstecken, dass ich arbeitsunfähig bin und dass ich krank bin sowieso und dann noch psychisch, nein, das darf gar keiner wissen. Trotzdem wissen es soooo viele, weil ehemals Vertraute nicht darüber schwiegen und weil es die Leute verbreiten in Windesschnelle. Mich macht das ganz starr vor Scham.
    Ich grüße dich herzlieb und auch die herztochter und eure Mümmelnasen!
    Jana aus CB

  3. Eine so tolle Tochter … Glückwunsch!
    Ich finde es so schade, dass Du einen weiten Weg in die Natur hast.
    „Dein“ Wochenende … ich staune, und wünsche Dir eine gute Zeit
    liebe Grüsse, Elisabeth

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