Meltdown – wenn die Nervenbahnen sich verheddern und Chaos ausbricht

Der Mittwoch- oder auch NeujahrsAbend hatte es dann doch noch ziemlich arg in sich. Irgendwann kam der Punkt und ich brach innerlich zusammen oder auch auseinander, wusste weder vor noch zurück und hatte gänzlich die Orientierung verloren. Ein Meltdown (Nervenzusammenbruch aufgrund Überforderung). Ich habe kaum mehr Erinnerung daran, als wäre eine Sicherung „durchgebrannt“. Die Sicherung die eigentlich gut abgeschirmt ist und daher zum Glück lange nicht mehr komplett „durchgebrannt“ ist. Der Meltdown äußerte sich im zusammenbrechen, sich schlagen, den Kopf gegen die Wand hauen, das Chaos loswerden wollen.

Normalerweise gibt es Vorboten, die ich wahrnehme, da sind zum einen einzelne Symptome wie Kopfschmerzen, innere Unruhe, noch stärkere Licht-, Geruch-, Geräusch- und Berührungsempfindlichkeit, Weglaufgedanken, stärkere Gereiztheit und ähnliche Körperreaktionen wie auch der Overload selbst. Der Meltdown ist dementsprechend oft eine Folge des „missachteten“ Overloads.

In den Tagen/Wochen zuvor habe ich immer versucht alle Symptome des Overloads zu verdrängen, den Shutdown (innerlichen Rückzug) hinauszuzögern, was natürlich die Kernschmelze (den Meltdown) immer näher kommen ließ. Ich musste/wollte funktionieren. Es sind Ferien, ich muss doch da sein fürs Herzkind. Es stand der Geburtstag an, Familiengeburtstage, Weihnachten. Ich spürte, dass es immer schwerer wurde und hoffte doch es irgendwie zu schaffen. Machte viele Abstriche um der Reizüberflutung aus dem Weg zu gehen, aber diese wurde immer stärker. Bald schon störte jedes Geräusch, alles was ich anfassen musste tat an den Händen weh. Aber ich wollte doch durchhalten.  Zumindest so lange bis die Schule wieder beginnt, die Assistenz aus dem Urlaub zurück ist, die Routine wieder einkehrt. Dann wäre doch sicher die Möglichkeit da gewesen wieder zur Ruhe zu kommen.

Der Neujahrsabend zeigte es war zuviel. Ich wachte am Donnerstag morgen –noch in Alltagskleidung vom Mittwoch – mit einer blauen Schläfe auf. Die Energie die sich in der Autoagression entladen hat muss dementsprechend ziemlich arg gewesen sein. Zudem plagten mich sehr starke Kopfschmerzen auf der rechten Seite, Übelkeit, starke Lichtempfindlichkeit, schwammiges sehen und Schwindel. Anfangs dachte ich an Migräne, denn diese ist oft ein Nachzügler des Overloads und nahm Medikamente dagegen, die normalerweise die Symptome auch etwas lindern. Donnerstag jedoch zeigten sie absolut keine Wirkung und ich habe zum ersten Mal seit langer Zeit darüber nachgedacht mit diesen Symptomen zum Arzt zu gehen. Wäre die Assistenz nicht im Urlaub hätte ich sie auch um Hilfe gebeten. Kommunizieren war mir nicht möglich und daher konnte ich nicht alleine zum Arzt. Ich weiß nicht einmal ob ich der Assistenz genau hätte sagen können was los ist.
Das ganze hat mich zwei Tage lang ziemlich ausgehebelt. Und auch jetzt am dritten Tag spüre ich den Meltdown noch arg nach.

(Wenn mein Drucker wieder einsatzbereit ist werde ich mal schauen ob ich für solche Situationen etwas vorbereiten kann. Und mir zum Geb. vielleicht ein gutes Handy wünschen – das LetMeTalk unterstützt. )

Nun nach 2 Tagen ist noch ein klein wenig Druck im Kopf auf der rechten Seite und wenn man mich ansieht glaubt man vermutlich ich hätte einen Boxkampf hinter mir. Nein, es war „nur“ ein Meltdown.

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5 Kommentare zu “Meltdown – wenn die Nervenbahnen sich verheddern und Chaos ausbricht

    • Ich glaube jetzt brauche ich da nichts mehr abklären lassen, selbst wenn es eine Gehirnerschütterung war.
      Wir haben ja schon Karten für einzelne Wahrnehmungsbereiche (die wollte ich auch nochmal verbloggen).
      Es geht eher darum spezifischere Dinge mitteilen zu können, wie „Mir ist schwindlig. Mir ist übel….. Ich brauche …. “ oder um auf Fragen genauer antworten zu können als nur durch kurzes Kopfnicken oder schütteln (weil das manchmal nicht ausreicht).

      • Nunja, mich macht gerade diese halbseitige Symptomatik sehr stutzig. Und das Hämatom … ich weiß ja nicht, wie groß es ist und wo genau, aber so wie ich es verstehe, weißt Du auch nicht, wo Du wie stark angeschlagen bist und wie oft. Falls das Mausekind diese Woche tatsächlich nicht da ist, dann solltest Du meines Erachtens die Zeit nutzen, um einen Neurologen aufzusuchen, der Dich gründlich untersucht (auch mit CT oder MRT). Einfach, um Spätfolgen auszuschliessen. Nur Mut!

  1. Das ‚gefällt mir‘ zu klicken fällt mir schwer, aber nur so siehst Du meine Zustimmung direkt unter Deinbem Text…

    Zweierlei, oder Dreierlei?:
    1. Lass das abklären, am besten von einem Neurologen, so kannst Du sicher sein, dass nichts wirklich schlimmes in Deinem Kopf geschieht.
    2. mach das Kärtchen. Auch ohne Drucker zunächst umsetzbar und mit kurzen Stichpunkten, was bei Dir im Notfall (also Meltdown, Overload) wichtig ist zu beachten
    3. ich erlebe es auch oft, dass ich meine Gedanken nicht festhalten kann, wenn es gerade sehr wichtig ist und somit wichtige Informationen für den Arzt “verschwinden“: schreib alles auf! Drück dem Arzt diese Auflistung in die Hand und vergiss nicht, ihm direkt als 1. zu erklären, dass Du Autistin bist und eben im Stressfall nicht “regelrecht“ funktionierst und 2. Deinen Auftrag an ihn, also Deine Befürchtung und das, was er machen soll.

    Fühl Dich gedrückt. Ich verstehe Dich sehr gut, denn es geht mir ähnlich, ungefähr seit Ende November und ich hoffe, dass das bald vorbei ist.

  2. Ich sehe das ähnlich wie meine Vorredner. Bei so einem „Overload mit Kopf an die Wand schlagen“ könnten Sie sich u.U. sehr schlimme innere Verletzungen beibringen. Blutungen im Gehirn sind nicht zu unterschätzen. Deshalb!, nach solch einer schweren „Attacke“ sollten Sie wirklich einen Arzt aufsuchen um evtl. Schäden ausschließen zu können.

    Es mag villeicht komisch klingen, aber falls Sie nicht klaustrophobisch sind, könnte vielleicht beim Erkennen der ersten Symptome eines „Meltdown“ das Aufsetzen eines Helms (so wie ihn Kletterer oder Bauarbeiter tragen) hilfreich für einen besseren Schutz ihres Kopfes sein.

    Die Feiertage sind sicher für viele Menschen sehr stressig, für Sie aber sicher noch tausendmal schwerer zu verkraften. Es tut mir wirklich sehr leid, das gerade das Fest der Liebe und der angebl. Ruhe für Sie so negativ verlaufen ist.

    Um so mehr wünsche ich Ihnen und ihrem bezaubernden Herzchaoskind ein glückliches und gesundes neues Jahr. Geben Sie nicht auf und genießen Sie vor allem die guten Tage mit Ihren Lieben.

    Herzlichst der Opapapa

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