erste gute Tat des Jahres vollbracht

Und vor allem geschafft!

Gestern musste ich beim Vermieter anklopfen um ihm mitzuteilen, dass wir in der Silvesternacht daheim sind. Er schrieb mir einige Stunden vorher eine Mail und fragte nach. Auch ob wir heute morgen die Strasse kehren könnten, wenn dort viel Dreck wäre, weil er es gesundheitlich nicht mehr schafft (was er nicht schrieb, mir aber bewusst ist).

Ich hatte Zeit meine Antworten zu erarbeiten bevor ich hinunterging, was gut war und mich beruhigte bevor ich bei ihm anklopfte. Nachdem ich ihm sagte, dass wir daheim sind und natürlich auch das reinigen der Strasse übernehmen würden, konnte ich noch zwei Fragen stellen, die mir bezüglich des reinigen eingefallen sind. Diese Gedanken meinerseits hätten kein Gehör gefunden, wenn er mich wieder plötzlich im Hausflur angesprochen hätte. In diesen plötzlichen Momenten bleibt mir nämlich nicht genug Zeit über seine Worte nachzudenken und adäquat zu antworten. Was meist zu einem „ja“ meinerseits führt nur um die Situation zu beenden. Wenn man „ja“ sagt gibt es selten Nachfragen und ich kann schnell gehen – die „Überrumpelung“ verursacht mir genug Stress dem ich schnell entfliehen möchte, ohne weitere Konversation. Allerdings bleibe ich bei diesen unüberlegt ausgesprochenem „ja“ oft mit Unsicherheit zurück. Über das Gesagte nachdenken kann ich erst im nachhinein und dann habe ich vielleicht Fragen oder möchte aus diversen Gründen gar nicht zusagen.

Dieses Mal ließ er mir Zeit. Erst als ich bereit war begann das Gespräch. Das vorher durchdachte konnte übermittelt werden und ich wollte wieder gehen, als der Vermieter mich plötzlich fragte ob er uns denn nicht mal wieder zum Kaffee einladen könnte. Ich bejahte und meinte dies auch ganz ehrlich. Dann fragte er ob es denn diese Woche schon möglich wäre oder ob wir etwas vor hätten. Nun wurde ich unsicher. Eigentlich war das Gespräch für mich beendet und nun sollte ich eine Entscheidung treffen. Mein Kopf schwirrte und ich antwortete nach einiger Zeit erstmal mit „Für den Rest der Woche habe ich keine Termine mehr im Kalender. Es sollten wieder normale Tage mit normaler Wochenstruktur werden.“
„Dann vielleicht gleich morgen zum Neujahr?“ Ich konnte nicht mehr antworten. Die Hände waren unruhig ich versuchte es zu unterdrücken. Versuchte mich ganz und gar auf mich zu konzentrieren und meinen Körper unter Kontrolle zu halten, die Stereotypen mit aller noch vorhandener Kraft zu unterbinden. Er sprach dann noch von irgendwas alltäglichem. Ich weiß nicht mehr worüber. Irgendwann sagte ich: „Ich gehe dann jetzt wie geplant noch spazieren damit ich pünktlich wieder zurück bin“, stand auf, verabschiedete mich und er sagte „Ok, dann bis morgen.“

Draußen wurde mir bewusst, dass dies wohl nun ein fester Termin war. Heute -wo ich es aufschreibe – sollten wir also zu ihm zum Kaffee kommen. Und das nach dem Silvesterabend, der sowieso schon sehr anstrengend sein würde. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht wie es mir am Neujahrstag gehen würde. Ob mich die Nacht sehr fordern würde, überreizen würde. Doch dann kamen auch wieder die stark sein wollen Gedanken: „Ich schaff das schon. Egal wie. Zur Not mit Medikamenten und unterdrücken der Körperreaktionen.“ Keine Absage, weil mir kein adäquater Grund einfiel. Absagen kann ich sowieso ganz schlecht  (was keine gute Kombination zum vorschnellen Ja-sagen ist) .

Und ich habe es geschafft. War heute mit dem Herzkind 43 Minuten unten. Jetzt mit Kopfweh und erschöpft, aber mit ein klein wenig „du hast es geschafft“-Gefühl.

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4 Kommentare zu “erste gute Tat des Jahres vollbracht

  1. Als Nicht-Autistin und vermutlich wenig einfühlsam möchte ich fragen, ob es nicht eine Möglichkeit wäre, dem Vermieter zu sagen, dass du Autistin bist und es für dein Wohlbefinden unbedingt notwendig ist, Rituale und überschaubare Rahmen zu haben. Und dass Spontanität dich überfordert…
    Ich käme damit besser klar, weil ich wüsste, woran ich bin.

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