11. Dezember – warum es bei uns noch keine Plätzchen gibt

“ Mama wir haben noch gar keine Plätzchen gebacken.“ Das erwähnte das Herzkind in den letzten Tagen und was mich sowieso schon beschäftigt ist auch bei ihr angekommen. Dieser Advent ist anders. Es fehlen Rituale, die sonst bei uns durchgeführt wurden. Dazu gehörte auch das Plätzchenbacken am ersten Adventssonntag.
Aber warum haben wir es noch nicht geschafft? Es lag nicht an fehlender Motivation, an Antriebslosigkeit, oder am vergessen. Nein ich habe daran gedacht. Es hat mich sogar sehr beschäftigt. Ein Ritual konnte nicht ausgeführt werden, das ging innerlich nicht spurlos an mir vorbei.  Doch zum Plätzchen backen benötigt man Zutaten. Zutaten die wir nicht immer im Haus haben.

„Dann gehe sie doch  einkaufen.“ Ja, dass sagte auch das Herzkind, aber so leicht wie sich das für manch einen anhört ist es nicht. Es beginnt schon mit der Einkaufsliste. Es müsste eine neue erstellt werden. Ach da fällt mir ein, es fängt noch viel eher an. Bei der Frage wo gehe ich einkaufen?

Als wir noch in der anderen Wohnung wohnten hatte ich zwei Lebensmittelgeschäfte zu denen ich einkaufen ging. Ich nenne sie jetzt mal Flis und Zis.  Im Flis kaufte ich am Anfang der Woche ein, dort lief der Einkauf völlig strukturiert ab. Immer nur die gleichen Artikel.

Auch Zis hatte seine „Stammartikel“, doch dort wurden auch die nichtallwöchentlichen Dinge gekauft wie beispielsweise das Mittagessen für die Wochenenden.  Es brauchte viel Zeit -Jahre- bis mir Zis so vertraut war, dass ich dort die nichtallwöchentlichen Dinge kaufen konnte. Bis ich das Geschäft quasi komplett gescannt hatte und wusste wo alle Artikel zu finden waren und wie sie aussahen. Dieses Wissen, diese Vertrautheit zu diesem Geschäft und zu seinem Warenangebot gab mir die Möglichkeit einer geplanten Spontanität beim Einkauf. Eben wenn mal zum backen oder kochen etwas neues benötigt wurde.

Wie das Schicksal aber manchmal so will, zog Zis kurz nach unserem Umzug ebenfalls um. Ich war seitdem einmal dort. Es sollte ein kennenlernen der neuen Umgebung werden, ohne Einkauf, einfach nur schauen wie das Geschäft nun aufgebaut ist. Ich war nach etwa 3 Minuten wieder draussen. Noch nicht bereit dazu mich auf weiteres neues einzulassen. Zis wurde erstmal aus dem Wochenplan gestrichen.

Ich gehe nun also Anfang der Woche und auch zum Wochenende zu Flis. Dort gibt es jedoch nicht die Artikel aus Zis, was bedeutet, dass seitdem auch unser Vorratsbestand erheblich geschrumpft ist. Bestimmte Lebensmittel gibt es bei uns einfach nicht mehr.  Und dann sind da diese  Dinge wie Mehl, Zucker, Salz, Eier.  Früher alles Produkte aus Zis, da ich sie nicht wöchentlich kaufte. Nun baue ich sie ganz langsam in den FlisEinkaufszettel ein.  Aber das benötigt eben Zeit. Auch wenn es bedeutet, dass wir seit 3 Monaten keine Eier mehr im Haus hatten und das für Knirps Sand die letzten drei Tassen Mehl herhalten mussten.

Lange,wirre Rede – kurze Erkenntnis : Ohne Zutaten – keine Plätzchen.

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4 Kommentare zu “11. Dezember – warum es bei uns noch keine Plätzchen gibt

  1. Hallo,
    für jemanden wie mich, für den das alles selbstverständlich ist, ist es schwer vorstellbar, dass man das Geschäft vorher abgescannt haben muss, um dort tatsächlich einkaufen zu können. Das stellt ja Hürden dar, die das Leben schwierig macht. Ich wünsche Dir die Kraft, den Einkauf anpassen zu können oder länger als drei Minuten im Zis zu bleiben. LG

    • Hallo und herzlich willkommen.

      So ein Geschäft ist eine ziemliche Reizüberflutung (vor allem auditiv und auch visuell durch Warenüberangebot, grelle Farben, flackernde Lichter) . Da benötige ich eine gewisse Sicherheit. Ich muss einfach genau wissen wo ich was finde um möglichst schnell auch aus der Situation wieder herauszukommen. Wenn ich nur einen Artikel suchen müsste, wäre diese Suche, diese visuelle Überflutung ein Grund für mich anschließend sofort zur Kasse zu gehen und raus zu kommen. Wenn die Kasse dann noch voll ist, Ständig piept und die Gefahr von taktilen Reizen (durch andere drängelnde Personen etc. ) besteht, ergreife ich die „Flucht“ und breche den Einkauf ab.

  2. Ich finde das wirklich interessant, die Welt aus deinen Augen zu sehen, weil das einfach so ganz anders ist, als das, was ich und die meisten anderen Menschen kennen. Viel Erfolg beim ans Zis gewöhnen!

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