7. Dezember – Herzenstochter schreibt

heute -auf eigenen Wunsch – ein Beitrag der Herzenstochter
(auch wenn einige wenige den Text schon kennen 😉 )

Prolog

Wind strich über das kahle Moorland und trug Nieselregen mit sich. Das raue Gras war durchweicht und am Bach war das Wasser über die Ufer getreten, wo es sich zu einem großen Teich sammelte auf dem die Regentropfen platschend aufschlugen.
Am Rand des Teiches saß ein riesiges Pferd, das den eisigen Wind mit dem Regen gar nicht wahrzunehmen schien. Lange Zeit starrte es ins Wasser, als ob es dort etwas erkennen könnte, durch das gebrochene Spiegelbild der grauen Wolken hindurch. Dann hob es den Kopf, stand auf und blickte sich um.

“Ich bin hier”, verkündete es.

Ein schwarzer Hengst tauchte hinter einem Haufen aus Felsbrocken auf. Er war kaum mehr als ein Schatten und Sternenlicht funkelte an seinen Hufen. Ihm folgte eine silbergraue Stute, die sich mit weit aufgerissenen Augen dem riesigen Pferd näherte. Die Hülle aus Sternenlicht, die sein Fell umgab, ließ ihn erscheinen als wäre er aus Regen gemacht.

“Warum sollten wir kommen?” Die Stimme der silbrigen Stute klang beruhigend. “An einem Tag wie diesem sollten wir eigentlich in einer warmen Höhle liegen.”

“Wie recht du hast Silver.”, wieherte der schwarze Hengst. “Wessen Idee war es uns bei einem Wetter hierher zu scheuchen, das selbst Fellose meiden?”

“Meine.” Ein drittes Pferd tauchte hinter einem Ginsterstrauch auf. Eine kleine braune Stute. In ihren blauen Augen spiegelten sich die Sterne und doch schien sie körperlos wie eine Flamme. “Wie du sehr gut weißt Twillight. Wir müssen miteinander sprechen.

Twillight schnaubte. “Ich muss gar nichts tun, was du mir sagst, Blaze.”

Blaze neigte den Kopf. “Natürlich nicht, aber uns droht große Gefahr, deshalb wurden wir herbei gerufen. Wir stehen am Rand eines Abgrundes, der uns bald für immer verschlingen könnte – und daran bist du Schuld, Midnight.” Ihre Stimme wurde schärfer. Das riesige Pferd hob den Kopf. Doch bevor es antworten konnte meldete sich Silver zu Wort: “Wo ist Trevour? Wir können das nicht ohne ihn besprechen.” Twillight senkte den Kopf: “Trevour ist tot.”

Ein gespenstisches Schweigen fiel durch den Wind. Blaze schluckte: “Aber das ist jetzt unwichtig. Wir müssen wissen warum Midnight die Geheimnisse unser enthüllt hat.”

“Und warum wir?” beschwerte sich Silver zitternd.

“Wir müssen nach wie vor über uns wachen”, sagte Twillight leise. “Noch nie hat uns eine Gefahr wie diese gedroht.” Er wandte sich an das große Pferd: “Midnight, warum hast du unsere Geheimnisse verraten?”

“Ja, und warum hast du sie diesem räudigen Einzelläufer erzählt?” wieherte Blaze.

“Ich bin Shram auf den sandigen Klippen begegnet”, hob Midnight ruhig an, “es war die erste Begegnung.”

“Und verrätst du Geheimnisse an jeden Fremden, der zufällig vorbeigetappt kommt?” schnaubte Silver.

“Siehst du nicht, dass du ihm Macht über uns verschafft hast?” fragte Blaze eindringlich.

“Wissen ist nicht immer Macht” antwortete Midnight.

“Ihr braucht keine Verschwiegenheit um euch zu schützen. Streuner und Einzelläufer halten sich fern, die wissen, dass das Wildpferdleben nichts für sie ist.”

“Dieser Einzelläufer hält sich nicht fern.” bemerkte Silver.

“Ihr müsst euch nicht verstecken” sprach Midnight weiter. “Lernt stark genug zu sein um euch allen Herausforderungen von Außen zu stellen.”

“Ich kann mich jeder Herausforderung stellen” erklärte Twillight beleidigt.

“Eine Herausforderung braucht nicht immer Zähne und starke Hufe” wieherte Midnight.  Twillight wieherte und bäumte sich auf, “Rede nicht mit mir wie ein Idiot! Du willst nur nicht zugeben, dass du einen riesengroßen Fehler gemacht hast. Wir haben dir unsere Geheimnisse anvertraut und du hast sie einem Fremden weitererzählt! Ohne dich gäbe es jetzt keine Schwierigkeiten bei uns.” Midnight schaute Twillight böse an: “Es ist dumm mit jemandem zu streiten, der nicht dein Feind ist.”

Ein paar Herzschläge lang blieb Twillight beharrlich, bis Silver sich neben ihn stellte, erst dann beruhigte er sich. “Streiten bringt uns nicht weiter” wieherte Silver, “die Geheimnisse sind keine mehr. Jetzt müssen wir überlegen was wir tun können um zu überleben.”

Blaze schüttelte den Kopf: “Ich weiß es nicht.”

“Ich auch nicht”, Twillight scharrte frustriert mit den Hufen. “Am liebsten würde ich diesem undankbaren Hengst an die Kehle gehen, aber das würde jetzt auch nichts mehr ändern.”

“Wir verstehen dich nicht” wieherte Silver und blickte Midnight in die Augen: “Wir haben unsere Geheimnisse mit dir geteilt und du hast soviel für uns getan. Warum willst du uns nun auf diese Weise zerstören?”

Noch bevor sie zu Ende gesprochen hatte, frischte der Wind auf und wehte die Pferde außer Midnight fort. Midnight beobachtet sie mit seinen leuchtenden Beerenaugen bis die schwachen Umrisse und der Sternenschimmer erloschen waren.

Wenige Schweiflängen entfernt tauchte hinter einem vom Wind zerzausten Busch ein Pferd auf. Ein ungepflegter Hengst mit vorstehenden, blicklosen Augen. “Hast du zugehört Trevour?” fragte Midnight. Trevour nickte. “Ich wusste das Twillight, Silver und Blaze verärgert sein würden weil du Shram vertraut hast.” krächzte er. “Aber du hattest keine Wahl. Sie müssen bereit sein.”

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4 Kommentare zu “7. Dezember – Herzenstochter schreibt

  1. Hi Herzenstochter!
    Toll geschrieben! Ich hoffe, die Fortsetzung kommt bald? Ich will wissen, wie es weitergeht… bitte bitte?

  2. Wow, wunderschön! Hat mich sehr gefesselt und fesselt mich immer noch ❤ Hoffentlich kommt bald die Fortsetzung. Erinnert mich ein wenig an Warrior Cats ^^ Hab die ganze erste Staffel verschlungen!

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