Spaziergang mit Begleitung #ausGründen

Ich mag die Natur. Mag ihre Stille, ihre Farben und ihre Verlässlichkeit. Wenn der Mensch nicht eingreift verändert sie sich allein nur im Lauf der Jahrezeiten.  Sie lässt sich Zeit dafür, lässt sich beobachten und braucht keine Hektik. Alles kehrt wieder. Die ersten Krokusse im Frühjahr, genauso wie der Herbstlichterzauber der bunten Blätter, durch die die letzten Sonnenstrahlen fallen.

Was ich nicht mag sind neue Wege. Weil sie viel Konzentration bedeuten. Gerade wenn ich die Natur für „Auszeiten“ nutzen möchte ist dies kontraproduktiv. In Auszeiten würde ich gerne abschalten können. In mich gehen, nur wahrnehmen was ich auch wahrnehmen möchte. Den „Tunnelblick“ zulassen.  Ich möchte  die Welt aussperren und mit meinen Augen nur das sehen was meine Augen auch sehen möchten. Die Natur, ihre Stille und Berechenbarkeit. Sie kann Kraft schenken. Stillemomente.

Aber ein neuer Weg birgt so viele Eindrücke, braucht soviel Aufmerksamkeit. Ich muss darauf achten, dass ich den richtigen Weg gehe, muss neue Wegstrukturen, Unebenheiten auf den Wegen, neue Geräusche und Gerüche erst nach wichtig und unwichtig sortieren. Muss erst „lernen“ was für diesen Weg typisch ist. Was auf mich zukommt. Ich muss hochkonzentriert sein um all diese Eindrücke zu verarbeiten und wichtige Entscheidungen treffen zu können. Wann gehe ich über die Strasse, an welcher Stelle ist es am besten, gehe ich auf der linken oder der rechten Strassenseite, von wo kann mich was erwarten, Menschen, Autos, Tiere?  Bis ich im Park angekommen bin, bin ich kraftlos. Wenn ich denn ankomme. Bisher habe ich es noch nicht alleine geschafft. Bin auf halbem Wege wieder umgekehrt, weil die Konzentration einfach nicht mehr da war, Entscheidungen immer schwerer fielen. Ich spürte wie sehr ich ein „In-mir“ brauchte und kein „funktionieren müssen“, „handlungsfähig sein müssen“.

Mit der Assistenz gemeinsam den Weg zu gehen heisst  Verantwortung abgeben können. Entscheidungsfragen abgeben können. Wenn die Konzentration bei mir nicht mehr reicht weiß ich dennoch, dass ich wieder zu Hause ankommen werde. Ich habe die Möglichkeit beim Spaziergang in mich zu gehen, nicht hochkonzentriert sein zu müssen. Ich weiss, wenn ich in den „Tunnelblick“ falle, in mich gehe ist jemand da, der mich unterstützt und dafür sorgt, dass ich wieder gut zu Hause ankomme. Ich kann die Natur  wahrnehmen, kann mir eine Auszeit nehmen und der Weg fordert nicht mehr weiter funktionieren zu müssen.

Manchmal fällt auch – mit Assistenz – das weiterlaufen schwer, da bräuchte ich auch vom laufen, den Bewegungen, Geräuschen und den Schritt für Schritt wechselnden Bildern eine Auszeit. Da würde ich gerne einfach sitzen bleiben und nur einen Moment, keine Veränderung wahrnehmen müssen, nur einen Moment eine komplette Auszeit haben.  Dann wird selbst das weiterlaufen zu einer großen Anstrengung, obwohl ich alle andere Anstrengung (Konzentration, Entscheidungen treffen) bereits abgegeben habe/ gar nicht mehr erfüllen kann.

 

Aber diese Anstrengung konnte ich noch nicht verbalisieren. Denn das ist ein Punkt, da bin ich schon so sehr im gelben Bereich, das sprechen – Wünsche äußern – nicht mehr funktioniert.

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Ein Kommentar zu “Spaziergang mit Begleitung #ausGründen

  1. Auch wenn das hier eher wehmütig klingt… Ich finde es großartig, dass du mit der Assistenz schon so viel machen kannst. Ernsthaft. Dass du die Chance hast trotzdem raus zu kommen. Und irgendwann wirst du es ihr auch sagen können. Oder du sagst es ihr vorher… und ihr verabredet ein „Zeichen“? Sprich… du sagst ihr, dass du einfach stehen bleibst, wenn das so ist. Und sie dann 10 Meter weiter gehen soll. Und wenn du weiter kannst, folgst du ihr?

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