und eigentlich ….

… sollte der heutige Tag endlich mal wieder nach Plan laufen.  Aber es kam anders.

Mittwoch ist K-Tag, was soviel heisst wie Küche und Knirps.

Da Knirps nun in der Kita ist, ist die Mittwochsgrundstruktur seit Ferienende sowieso schon mal komplett anders als gewohnt.  Ich habe mich  seit Tagen darauf eingestellt Knirps am Nachmittag zu sehen und am Vormittag die Küche zu machen.  Soweit so gut.

Dann erhielt ich gestern vom Vermieter die Mitteilung, dass heute 9-10 Uhr ein Herr von der Versicherung kommt um den Wasserfleck an der Kinderzimmerdecke zu begutachten.  Puh, jemand Fremden hereinlassen, womöglich noch kommunizieren.  Kurze Panik, Kopf nicken gegenüber dem Vermieter und schnell nach oben.  Ein wenig auf und ab laufen und die Gedanken sortieren.  Wird schon gehen, muss gehen.  Ich arrangiere mich mit dem Gedanken.  Wenn möglich soll er bitte direkt 9 Uhr kommen, damit das warten, das Ungewisse nicht zu lang ist.

Heute früh dann eine SMS. Knirps ist krank und kann nicht in die Kita. Somit auch kein Treffen am Nachmittag. Ob ich am Vormittag den Knirps 2 Stunden nehmen könnte. Heute ist K-Tag, Knirpstag, ja ich möchte ihn sehen, mit ihm interagieren. Also stimme ich zu, vereinbare 10 Uhr bei ihm zu sein. So wie früher, vor den Ferien.

Nachdem ich das Herzkind in die Schule verabschiedet habe schaue ich auf meinen Tagesplan. Muss ihn nun umstrukturieren. Wieder mal. Ich schiebe die Aufgaben, bis es einigermaßen passt. Versuche mich am VorFerienPlan zu orientieren, wobei Knirps da mit in unserer Wohnung war und nun noch Fahrzeit und nicht-zu-Hause-Zeit mit integriert werden müssen.  Zwischendurch spüre ich immer wieder den brodelnden Vulkan im Kopf , versuche die Gedanken bei Seite zu schieben.  Jetzt darf nur der Plan im Kopf sein, eine Struktur, irgend ein Halt um den Tag zu schaffen. Um den Vulkan nicht explodieren zu lassen.

Ich möchte das heutige Tagespensum schaffen. Nicht wieder ein Folgetag haben in den Aufgaben von zwei Tagen gelegt werden müssen. Den hatte ich erst. Weil Montag nichts ging mussten die wichtigsten Aufgaben gestern mit erledigt werden. Es gab zu viele Chaostage in der letzten Zeit. Ich brauche Halt, Struktur.

Kurz vor neun werde ich unruhig, laufe auf und ab, schaue immer wieder zur Uhr. Er muss kommen. Muss pünktlich kommen, sonst verschiebt sich wieder alles. Ich möchte gehen, weiss nicht wie ich mich auf die fremde Situation vorbereiten kann. Es soll nur vorbei sein. Dann – fünf Minuten nach neun – schellt es beim Vermieter, ich höre es, weil ich gerade an unserer Wohnungstür vorbei laufe, erschrecke, erstarre. Nach den ersten Schrecksekunden zähle ich innerlich, denn Zahlen geben Halt. Ich kann mich wieder bewegen, wieder ein Stück laufen. Bereite mich darauf vor, dass es auch bei mir gleich schellen wird. Es wäre schlecht, wenn es nun nicht der Herr von der Versicherung war. Ein „Fehlalarm“ würde noch unruhiger machen. Dann höre ich Schritte auf der Treppe, er kommt hoch, es schellt. Wieder zähle ich innerlich bis 10, dann öffne ich. Funktioniere.

Nur 7 Minuten später ist der Herr wieder fort. Die Decke ist „pitschnass“ wie er sagt, es wird der Dachdecker kommen, dann wird geschaut dass die Decke trocken und neu tapeziert wird. Ich schließe die Tür und atme tief durch.  Jetzt geht es weiter im Plan.

Die Fahrt zum Knirps, mit Knirps spielen, schmusen, lachen. Seinen Erzählungen lauschen und seine Entdeckungen mit entdecken bis er erschöpft in meinen Armen einschläft. Diesen Moment noch einmal genießen. Viel zu selten in letzter Zeit. Dann geht es zurück nach Hause.
Bahn fahren, die Aussenwelt aushalten. Zu Hause erschöpft aufs Sofa sinken.

Ich finde keine Ruhe, keinen Schlaf. Die Pause war eingeplant, allerdings ist etwas neu. Das Herzenskind ist schon zu Hause. Eigentlich hat sie Mittwochs Schule bis 15.45 Uhr, heute nicht. Ich wusste es, habe aber beim Plan neu strukturieren nicht daran gedacht. Sie muss etwas essen, was biete ich ihr an? Die Gedanken kreisen aber ich schaffe es nicht zu handeln.  Es muss Ruhe in mein Kopf. Ich arbeite weiter im Plan, die Küche ist dran.

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Ein Kommentar zu “und eigentlich ….

  1. Oh man, ja, das kenne ich nur zu gut, bspw. wenn sich mal wieder der Heizungsableser/ Rauchmelderüberprüfer bei mir ankündigt. Üblicherweise beginnen die immer im obersten Stockwerk mit dem Ablesen, ich lausche also, wann jemand durchs Treppenhaus nach oben schnauft, dann höre ich oben das wilde Getrampel, wie sie schnell durch die Wohnung zu den Heizkörpern wetzen, höre es dreimal piepen, und dann lausche ich wieder, um zu hören, ob sie noch in die Nachbarswohnung gehen, oder direkt herunterkommen, stehe schon an der Tür parat, um aufzumachen, erschrecke dann vom viel lauteren Türklingeln (weil ich, anders als sonst direkt neben dieser stehe), warte einige Sekunden (weil ich ja nicht zeigen will, dass ich schon „sehnsüchtig“ auf das Klingeln gewartet habe), und öffne die Tür…
    Diese Besuche werden so elendig lange im Voraus angekündigt – eigentlich ja schön, andererseits beschäftigen sie einen dann entsprechend lange – und sind dann doch so schnell und im Nachhinein ziemlich schmerzlos vorbei… Aber vorher immer diese Gedanken, dieses warten auf das Klingeln…
    Ja, kenne ich.

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