Klient versus Hilfesuchender

Für meine Therapeutin war ich ein Klient. Für meine Assistenz bin ich ein Klient. Es ist auch ok. Autismus ist keine Erkrankung, ich dementsprechend kein Patient.  Autismus ist eine Art von Sein.  Vom haben einer anderen Wahrnehmung und Verarbeitung.

Ich sage auch bewusst Assistenz und nicht Betreuer, denn ich muss nicht betreut werden, ich benötige Unterstützung um möglichst selbständig leben zu können ohne Überlastung.

Manchmal aber ist es schwer Klient zu sein.  Beispielsweise wenn ich selbst gerade zu sehr in mir bin.  Die Welt so weit entfernt ist, dass ich keine Entscheidungen mehr treffen kann. Wenn die Überlastung schon zu stark ist.  Dann  hoffe ich auf Entscheidungen von aussen, weil eine Reaktion von mir zuviel verlangt ist. Eine Entscheidung meinerseits nicht mehr möglich. Entscheidungen brauchen ein klares Sein. Ein klares Sein ist in Überforderungsmomenten jedoch nicht vorhanden.

Nun ist es so, dass die Assistenz nur das tut, was der Klient möchte. Die Assistenz möchte/ darf nicht entscheiden. Sie handelt so wie der Klient es wünscht. Der wiederum kann gerade aber gar nicht einschätzen/entscheiden was richtig ist. Ein Zwiespalt.

Ein Zwiespalt auch zwischen mir und der Assistenz. Ich wünsche mir manchmal, dass sie Entscheidungen übernimmt, mich dadurch entlastet. Sie jedoch hat die Aufgabe mich als Klient entscheiden zu lassen.  Ich kann dann aber kein entscheidungsfähiger Klient sein sondern bin hilflos. Hilfesuchend. Wünsche mir sie entscheidet. Zumindest so lange, bis ich wieder sagen kann was richtig ist. Sich richtig anfühlt. Selbst entscheiden müssen, wenn sowieso alles fremd ist, ist keine Hilfe wieder Halt zu finden.

(In akuten Notsituationen entscheidet meine Assistenz natürlich selbständig. Bringt mich in „Sicherheitszonen“, beendet Situationen. Es geht hier auch eher um kleine Dinge wie  aussortieren, einsortieren oder was tun wir beim nächsten Termin, was ist gerade wichtig?
Gerade wenn es mir nicht gut geht, ich Hilfe benötige fehlt meine Entscheidungskraft. Der am häufigsten geäußerte Satz meinerseits ist wohl momentan: „ich weiss es nicht“ und ich glaube das macht es uns beiden nicht gerade leicht. Beim aufschreiben merke ich gerade: Der Satz bedeutet wohl gleichzeitig auch: „Hilf mir. Entscheide bitte für mich.“)

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4 Kommentare zu “Klient versus Hilfesuchender

  1. Das Dilemma hatte ich mit meinem Betreuer auch. Wir haben in einer Zeit, wo es ging, eine Liste erstellt, der Dinge die anstehen.

    Wenn ich dann nicht wusste, hat er von dieser Liste 2 Sachen vorgeschlagen – das half mir etwas, weil die Auswahl so viel kleiner war – ich schauen konnte: was von den beiden ginge eher, wäre das „kleinere Übel“.

    So musste er nicht entscheiden (was er auch nicht wollte) und ich war etwas weniger überfordert. Sollte ich nichts sagen (können), wird dann das erste von der Liste gemacht.

    Daher musste ich auch die Reihenfolge der Liste festlegen – die haben wir dann immer wieder aktualisiert.

    Natürlich geht das nicht immer, aber wir kamen aus diesem Dilemma mit dem „weiß nicht“ etwas raus.

    Das Ganze brauchte aber etwas Anlaufzeit bis es wirklich funktionierte. Anlaufzeit, weil natürlich die Liste erst erstellt werden muss (durchaus auch mit seinen Vorschlägen – also erst ein Sammeln „was könnte alles auf diese Liste“ gemeinsam – und ich hab das dann in eine Reihenfolge gebracht – nach Dringlichkeit, wobei ich drauf achtete, dass es meist etwas größeres/schwereres und etwas „einfacheres“ war im Wechsel), aber auch weil die immer wieder angepasst werden muss (was funktioniert dann wirklich, was weniger, was muss angepasst werden, dass es für sowas genutzt werden kann usw).

    Auch muss es sich dann einspielen – weil klar war: wenn ich nicht entscheiden kann – gilt die Entscheidung von „damals“ – als ich das in REihenfolge brachte. Der Betreuer geht nur die Liste durch. So wird auch die Nicht-Entscheidung zu einer von mir. Ungefähr klar was ich meine?

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