ausgesetzt (Chaosgedanken)

Nun bin ich bereits den dritten Samstag in dieser Wohnung.  Noch immer ist es ungewohnt, anders und oft möchte ich einfach weg doch es gibt keinen Sicherheitsort mehr. Keine Drinnenwohlfühlorte und keine Draussenabschaltorte.  Heute vor drei Wochen wurde ich „herausgerissen“ aus meinem Rückzugsort, aus meiner Sicherheitszone. Plötzlich waren dort viele Menschen, die meine Welt zerstörten.  Es sah nichts aus wie vorher, es gab viele Geräusche, viele fremde Bilder.

Es ist innerlich verstörend, dass ein ehemaliger Sicherheitspunkt pötzlich so negativ besetzt ist. Drei Stunden sah ich Chaosbilder, die zur Haltlosigkeit führten.  Alles wurde fremd, mit fremdbesetzten Gefühlen. Ich fühlte mich plötzlich mitten aus dem gewohnten Leben verstoßen. Als hätte ich alles verloren und wurde ausgesetzt in einer fremden Welt.

Nun muss ich neu ankommen – mich neu orientieren. Nicht nur drinnen, sondern auch draussen. Andere Wege, andere Wahrnehmungen, andere Menschen. (Kann man es vergleichen, mit einem neurotypischer Menschen, der sich plötzlich in einem fremden, fernen Land neu integrieren muss? )

In der Wohnung geht die Gewöhnung langsam voran . Mein Sofa, meine Decke, meine Eule. Visuelle Wohnzimmerbilder werden sicherer. Fluchtgedanken sind nicht mehr so stark,  wie noch in der letzten Woche.  Jede „Störung“ im Tagesablauf oder im Haus führt jedoch schnell dazu, dass ich wieder unruhig werde. Halt- und orientierungslos.

Dann möchte ich raus und weiss doch nicht wohin. Denke an Draussenorte, die noch vor wenigen Wochen Ruhe schenkten jetzt aber plötzlich Fremdgefühle verursachen. Es fühlt sich falsch an an diesen Orten zu sein. Sie sind verknüpft mit der ehemaligen Wohnung.  Alle Reize an früher bekannten Orten schmerzen. Die Augen brennen, die Ohren tun weh, die Haut sticht, der Kopf dröhnt. Und wieder ergreife ich die Flucht. Möchte in Tunnel laufen. Dort ist es ruhig [weg vom Hörchaos] und dunkel [keine visuellen Reize].

ausgesetzt
haltlos
orientierungslos
gefangen in einer fremden Welt

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Ein Kommentar zu “ausgesetzt (Chaosgedanken)

  1. Und wenn Du Dich zurückerinnerst, wie es in der ersten Zeit in der vorigen Wohnung war – war das nicht auch erstmal so? In der Wohnung wird es ja schon vertrauter. Laß Dir Zeit. Du hast bestimmt auch Hilfe dabei, oder?
    Der Vergleich mit einem fremden Land mag hinkommen, meine Assoziation ging gerade in die Richtung Schulwechsel – alle Anderen kennen sich aus, nur man selbst ist fremd und weiß nicht genau, wann man wo sein sollte. Wenn da viele neu an der Schule sind, z. B. nach der Einschulung, fällt das sicher leichter.
    Liebe Grüße von JeNe

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