aktuelles Thema: rechtzeitig die Reizüberflutung stoppen

Für mich ist es sehr schwer in sozialer Aktivität zu erkennen, wann ein Overload droht. Viel zu oft mache ich einfach weiter, weil ich den Handlungsablauf beenden möchte. Der Kopfgedanke geplantes zu beenden steht mehr im Vordergrund als die Wahrnehmung des Eigengefühls. Den Overload hinauszögern bedeutet jedoch näher am Meltdown zu sein.

Für Situationen in denen die Assistenz anwesend ist haben wir  Stopkarten eingeführt  um eine Überforderung zu verhindern.  Jedoch ist momentan noch offen wann und ob ich die Stopkarten  möglichst rechtzeitig  einsetzen kann.  Durch mein Verlangen Situationen ein Ende zu geben ist es schwierig plötzlich aus Situationen hinauszugehen. Ein einsetzen der Karte wäre eine plötzliche Unterbrechung meinerseits.

Heute hatten wir wieder eine Situation in der die Assistenz mich fragte ob es genug wäre. Scheinbar hat sie „feine Antennen“, denn es war tatsächlich genug. Ich selbst habe zwar wahrgenommen, das ich weniger konzentriert bin, das die vielen visuellen Eindrücke nicht mehr aufgenommen und innerlich sortiert werden können, dennoch verneinte ich erstmal da die Situation nicht beendet war. Dann jedoch habe ich doch zugestimmt und bin im nachhinein wirklich froh, denn ein Overload konnte verhindert werden.

Ich weiss nicht warum ich selbst nicht rechtzeitig aus der Situation gehen kann. Warum erst ein Meltdown oder Shutdown mich „befreien“ würde. Ich hoffe hier weiter auf die Hilfe der Assistenz die rechtzeitig ein Stopzeichen gibt ( oder ein Ende „einfordert“ ?). Die mich durch ihr Stopzeichen darauf aufmerksam macht, das es genug ist und mir damit  die Möglichkeit gibt  tatsächlich in mich hineinzuspüren und die Grenze zu erkennen.

Merkwürdigerweise habe  ich bei Babys und Kleinkindern oft selbst diese sogenannten „feinen Antennen“ und spüre relativ häufig wann sie überreizt sind. Dies wurde mir auf meiner ehemaligen Arbeit stets bestätigt und dies konnte ich auch beim Knirps feststellen. So häufig sehe ich Mütter die ihre bereits überreizten Kinder noch stark schaukeln und schuckeln und damit eine weitere Sinnesreizung ausüben. Das Baby hört nicht auf zu weinen, wird sogar gereizter und die Mama schuckelt verzweifelt immer stärker. So oft würde ich gerne das Baby nehmen und es aus der Reizüberflutung befreien.  Aber in Situationen in denen ich selbst in der Reizüberflutung stecke brauche ICH diese Hilfe von aussen. Echt merkwürdig.

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7 Kommentare zu “aktuelles Thema: rechtzeitig die Reizüberflutung stoppen

  1. Gibt es nur Stopp oder gibt es auch ein „wird kritisch“. Wir haben damals vier Karten gemacht. Grün, gelb, orange und Rot. Grün war: alles super, geht gut – nicht nur geht, sondern gut (brauchten wir fast nie), gelb war: es geht, wir können weitermachen, anstrengend, aber ok,
    orange war dann: wir sollten jetzt langsam zum Ende kommen und rot das Stopp.

    Durch diese Übergänge und immer wieder fragen wo ich stehe (anfangs vom Thera, aber auch von mir, nicht nur in Kontakt mit Menschen, sondern auch alleine für mich), lernte ich zu sehen, wo ich stehe und es gab kein abruptes Ende (das klappte für mich nämlich nicht – ich musste auch das angefangene erst zu Ende bringen), sonden auch die Möglichkeit mit dem Thera ein möglichst gutes Ende zu finden vor dem Stopp.

    Das Stopp war nämlich – nur das Unterbrechen auch zuviel – zu viel zu schnell Änderung, weil ja nicht fertig.

    Vielleicht wäre so eine Zwischenstufe für euch auch eine Möglichkeit? Und das auch zu Hause drauf achten (alleine kriegst du es ja besser hin zu merken wo das Stopp ist, oder?

    Anfangs lag übrigens Orange und Rot sehr sehr nah beieinander – später, durch viel Übung, gab es dann einen recht großen Spielraum dafür.

  2. Achja – übrigens kam auch oft die Frage wo eine gute Freundin an meiner Stelle stehen würde (weil ich es für andere auch besser beantworten konnte). Damit wurde etwas mehr Distanz geschaffen und oft ein Hinspüren überhaupt erst möglich. Also ein „wenn Ihre Freundin an Ihrer Stelle wäre, was denken Sie in was für einen Bereich wäre sie?“. Fand ich anfangs auch hilfreich um überhaupt erstmal ein Gespür für zu bekommen

  3. Wir haben bisher zwei Karten. Gelb für „ich brauche eine Pause“ und rot für „hilf mir aus der Situation“. Nun wo du es schreibst habe ich das Gefühl es fehlen tatsächlich kleine Zwischenschritte. Ein „es geht noch, wir sollten aber zum Ende kommen“.

    Das mich selbst fragen in einer sozialen Situation funktioniert noch nicht. Die Assistenz fragt derzeit nach. Sie muss sich aber auch noch einfinden.
    Alleine kann ich es tatsächlich mittlerweile besser einschätzen, kann für mich erkennen wann ich zum Ende kommen muss.

    Ein Zwischenschritt wäre eine gute Möglichkeit um tatsächlich ein Ende der Stuation zu finden ohne das sie abrupt abbricht. Wie du schon sagst ein plötzliches Ende ist gleichzeitig schon wieder ein „zuviel“.

    Ich danke dir für die Anregung.

    • Geht denn dann das rauslegen für dich? Das ging bei mir auch nicht. Ich hab dann einen Streifen mit den versch. Farben gemacht und wir hatten den zwischen uns liegen. Dazu haben wir einen kleinen Stein genommen (einen Handschmeichler), den ich quasi nur rüberschieben musste. Da es vor uns lag, war es auch immer sichtbar und für mich optisch auch besser erkennbar wie ich auf die Grenze zusteuer.

      Aber es ist halt ein weiterer visueller Reiz, daher weiß ich nicht ob das für dich eine Option wäre.

      Allein konnte ich es auch besser, deshalb hab ich angefangen das auch zu Hause für mich zu nutzen – im Laufe der Zeit war das so „normal“, dass es auch im Kontakt besser möglich war. Angefangen haben wir aber auch damit dass der Thera nachfragt.

      lieben Gruß
      Ilana

      • Nein das rausnehmen funktioniert auch nicht. (Wegen dem visuellen Reiz haben wir die Karten nicht offen liegen.)

        Nach deinem letzten Kommentar habe ich tatsächlich ebenfalls über einen Streifen nachgedacht bei dem man dann auch die „Entwicklung“ sehen kann. Das würde nur nicht funktionieren wenn wir unterwegs sind.
        Und wir müssten schauen wie es mit dem visuellen Reiz klappt, verschiedene Farben wären eher nicht so gut.

        • Das ginge sicher auch ohne Farben, versch. Bereiche – vielleicht auch nur mit drei Strichen – eins für „geht gut“, eins für „sollten zum Ende kommen“ und eins für Stopp. Oder erstmal wirklich nur mit Fragen und das später dazunehmen usw. Einfach schauen was geht.

          Wir hatten immer versucht zu schauen was ist machbar und wie können wir das dann nutzen. Du wirst da einen Weg finden :). Ich denk an dich.

  4. Danke für das teilhaben lassen, an deiner innenwelt. Sie ist für Nicht-Betroffene wie mich so schwer zu verstehen. Du öffnest diese Tür, genau wie E. mit R. (besonders gewöhnlich) ein Stück.
    Darf ich auch die passwortgeschützten Einträge lesen? Oder wird das Dir zu viel?

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