Zwischen(bilanz)worte

Sonntag früh. Der Radiowecker meldet es ist 04.02 Uhr. Meine Nacht ist wohl beendet. Nach nicht mitgezählten, doch unwirksamen Einschlafversuchen gebe ich es auf die weiteren Stunden im dunkel der Nacht verschwinden zu lassen.

Das erste Mal seit einiger Zeit, dass ich mich an den Laptop setze. Schreiben möchte. Doch worüber?

Ich könnte schreiben, dass meine Mitpatienten 15-30 Jahre älter sind als ich. Könnte erzählen von aufgebissenen, aufgekratzten Handrücken. Vom Alleinsein unter Anderen. Vom Missverstanden fühlen und der Frage ob man fehl am Platz ist.

Genauso von einigen wenigen Mitmenschen, die mehr wissen möchten. Die nachfragen. Von eigenen fehlenden Worten und dem inneren Zwiespalt es doch schaffen zu wollen sich mitzuteilen.

Von inneren Enttäuschungen und Tränen die feststecken. Emotionen und Anspannungen, die mir Kieferschmerzen bis in den Hinterkopf verursachen.

Von Therapiehausaufgaben die einfacher nicht sein könnten und für mich doch ein großes Hinderniss darstellen.

Ich könnte euch mitteilen, dass ich täglich an euch denke und doch nicht ins Internet gehen kann. Nicht nur, weil es teuer ist und der Ort an dem ich dies nutzen könnte eine Sammel- und Durchgangsstelle für die Mitpatienten der gesamten Klinik ist. Sondern auch weil es mich erschlägt. Weil ich mit der hiesigen Welt derzeit kaum zurecht komme und die Welt ganz da draussen noch mehr Chaos in mir verursacht. Und das obwohl es Menschen da draussen gibt, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind. Deren Worte ich bei und in mir trage. Die mir Kraft und ein lächeln zaubern obwohl sie vielleicht gerade mitten in ihrem stressigen Alltag sind und ich einfach nur an sie denke.

Oder ist es vielleicht weil es sie da draussen gibt. Weil es für mich nicht greifbar ist, dass ich mich daheim so einsam fühle, hier unter Mitpatienten fremd fühle und es da draussen Menschen geben soll, die mir soviel geben können ohne dass sie körperlich anwesend sind.

Soll ich euch berichten, dass dadurch wieder die innere Frage auftaucht wird es immer so sein? Werde ich körperlich immer einsam sein. Werden die Versuche unter Menschen zu sein immer so anstrengen und zu Missverständnissen führen?

Nein. Dann wird es wieder eine Jammerei. Die soll es nicht sein. Eigentlich möchte ich euch erzählen vom Kampf den ich austrage. Von kleinen Schritten die ich hoffentlich gehen werde. Von einer Zeit die mich ein Stück nach vorne sehen lässt. Weil mir jedoch hierüber die Worte fehlen endet dieser Monolog.

Ich wünsche euch einen schönen Tag.

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