haltet mich für verrückt

… aber ich habe mir vor einigen Tagen eine neue haltgebende Decke gekauft. Schon Tage zuvor sah ich sie im Geschäft.  Heruntergesetzt von 46,- auf 8,- Euro.  Ich betrachtete sie und fühlte Wärme, liess den Stoff meine Hand streicheln und spürte Halt.  Sicher erinnerte sie mich auch, vielleicht mag es ein Zeichen gewesen sein. Und weil die Decke einige Tage später noch immer im Geschäft war, musste ich sie mitnehmen. Es war nicht einfach. So wie es mit jeder Neuanschaffung ist.

Gezielt ging ich zum Regal,  fühlte sie wieder, betrachtete sie. Ging von ihr weg um zu beobachten wie sich die Entfernung anfühlt. Ging wieder näher. Das Gefühl stimmte, ich wollte sie weiterhin spüren. „Mein“ nennen können, also entschloss ich mich sie zu kaufen obwohl es nur eine kleine (100x130cm) ist. Aber vielleicht war auch gerade das ausschlaggebend. In groß hätte ich sie nicht gekauft, denn da habe ich meine Decke.

Bis zur Kasse waren es noch einige Schritte. Den Weg zwischen Kasse und Regal ging ich 3 mal. Dann beschloss ich im Untergeschoss zu zahlen. So fuhren wir die Rolltreppe runter und gingen dort zur Kasse. Die Kasse ist mir bekannt, ich kenne den Weg von hier zum Ausgang kann ihn direkt sehen und zusätzlich ist die Kasse gerade leer.

Kurz darauf war die Decke mein. Sie wärmt mich seitdem, gibt mir Halt. Auf dem Sofa gemeinsam mit meiner grauen Decke, die jedoch für Bewegungen in der Wohnung oft zu groß war. So kann ich die Decke auch umhängen und mit in die Küche nehmen um Halt zu spüren (beispielsweise wenn die Betreuerin da ist). Ob sie mich auch zu Terminen (beispielsweise zum Zahnarzt) begleiten kann weiss ich noch nicht. Momentan fühlt sich das noch nach der großen, bekannten Decke an. Zu Hause jedoch ist die neue Decke bereits eines meiner Haltgeber.

Und soll ich euch noch etwas verraten, auch draussen habe ich einen neuen Haltgeber. Er ersetzt die Knettaschentücher zumindest in der Bahn oder beim laufen. Schon seit Weihnachten ist er bei mir und vor allem ist er auch bestückt mit lieben Gedanken. Das fühle ich. Immer wieder.

(Artikel-Entwurf vom 01.02.2012)
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11 Kommentare zu “haltet mich für verrückt

  1. Ich halte dich sicher nicht für verrückt, sondern kann dich sehr gut verstehen. Ich habe auch solche Haltgeber. Z.B. einen kleinen Plüschteddy, den ich von meiner Betreuerin geschenkt bekommen habe, als sie das erste Mal in Urlaub war – sozusagen als Übergangsobjekt. Seitdem begleitet mich dieser Bär überall hin. Sogar zu meinen Vorträgen:

  2. Warum denn verrückt? Solche Haltgeber haben bestimmt sehr viele Menschen, nur werden die wenigsten nicht offen darüber reden. Unsere Gesellschaft wertet sowas doch direkt als Schwäche. Ich denke nicht das ein Stück Geborgenheit verkehrt sein kann. Mein Alltag wird bestimmt von Gegenständen und Ritualen die mir Halt geben.

  3. Das hört sich total niedlich an und sieht bestimmt auch zuckersüß aus. Und wenn so eine Decke dann noch so einen tollen Zewck erfüllt… Perfekt! Und kuscheln und haltgeben tut immer gut.

  4. lächel

    ich nutze Haltgeber (finde das Wort toll) hauptsächlich unterwegs – und die sind auch nicht so einfach „austauschbar“ – so geht nur einer von den vielen Handschmeichlern z.Bsp oder in der Thera muss es dieser Therabandball sein und der Handengel – der Ball sollte schon längst ersetzt werden, aber es geht nicht – selbst wenn ich den selben kaufe – ist er anders.

    Das mit der Decke finde ich total schön – und es freut mich sehr, dass du sie dir dann auch gegönnt hast. Kommt ja nicht so oft vor, dass etwas sofort „passt“ und sich „stimmig“ anfühlt, oder?

    • Nein austauschbar sind sie nicht. Manchmal aber erweiterbar. So wie der Handschmeichler, der mich zumindest in einigermaßen gewohnten, ruhigen Wegen begleitet. In anderen Situationen, wie den Therapiestunden oder dem Zahnarztbesuch müssen es die bisher gewohnten Haltgeber sein.

      Stimmig ist es erst mit dem Gefühl. Daher brauchte ich auch sicher etwas längere Entscheidungszeit die Decke zu kaufen. Ich nehme die Dinge in die Hand und fühle. Manchmal fühle ich auch Botschaften (wie bei der grauen Decke, der Eule oder dem Handschmeichler) dass gibt zusätzlichen Halt.

  5. Bei mir sind Klamotten Haltgeber. Die richtige Fleecejacke -eine hellgraue, sehr kuschelige- mit hohem Kragen und schon fühle ich mich beschützt. Ist ganz wichtig bei bestimmten Terminen. Und sie ist zum Glück auch schick genug, um damit auf die Arbeit zu gehen.

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