die Qual der Wahl

Nun steht er bald an der Schulwechsel. Die Wahl auf welche Schule die Herzenstochter geht war schnell klar, eigentlich ist sie schon seit Jahren klar (auch wenn ich zwischendurch zweifelte/ innere Ängste hatte). Natürlich hätte ich sehr gerne etwas ganz anderes für sie nämlich eine „freie Schule“. Es gibt eine in unserer Nähe aber ich kann sie nicht bezahlen. So wird es also das Gymnasium.

Wir haben uns zwei angesehen und doch blieb es bei der schon vor langer Zeit beschlossenen Entscheidung. Und auch wenn die Anmeldungen erst im Februar stattfinden, bin ich mir ganz sicher, dass die Herzenstochter einen Platz bekommt. (Hoffentlich nicht zu sicher.)

Nun stehen wir jedoch vor der Wahl der Klasse. Es gibt die „normale“, die bilinguale , die Bläser- (Instrumente) und die MINT- Klasse. Ich war der Meinung MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) wäre genau das richtige für die Herzenstochter. Experimente, praktisches Lernen, Biologie all das unterstützt ihre Interessen. Da sie später mit Tieren arbeiten möchte vermute ich ist dies eine gute Grundlage.  Auch sie teilt diese Einschätzung  und am Tag der offenen Tür fühlte sie sich in diesen Bereichen am wohlsten. Die Schülerin die uns fast 3 Stunden durch die Schule führte, war  zufällig ebenfalls eine MINT-Schülerin, die anschließend Medizin studieren möchte.

Die „normale“ Klasse war eigentlich von vorne herein ausgeschlossen. Ich denke die Herzenstochter braucht mehr Anreize und Material, das ihrem Interessengebiet entspricht. Beim Elterngespräch mit der Klassenlehrerin erfuhr ich, das auch sie dies nicht empfehlen würde, da in diese Klasse oft Kinder gehen, die es „gerade so“ auf dieses Gymnasium geschafft haben.

Die Bläserklasse finde ich zwar sehr toll, doch es besteht die Möglichkeit auch ein Instrument zu erlernen, wenn man die bilinguale oder MINT Klasse wählt. Eine Nichtanmeldung würde diesen praktischen Bereich dementsprechend nicht ausschließen. Natürlich würde das etwa 2 Mehrstunden bedeuten, doch ich denke wenn die Herzenstochter Interesse hat, nimmt sie diese 2 Mehrstunden an.

Beim Elterngespräch mit Herzenstochters jetziger Klassenlehrerin bekamen wir die Empfehlung die bilinguale Klasse zu wählen. Die Sprachbegabung von ihr ist dafür einfach ideal. Auch die jetzige Englischlehrerin befürworte dies und beim „Hochbegabtentest“ im Alter von 3 Jahren war dies schon der Bereich, der zusammen mit dem Logikbereich am auffälligsten war (im positiven Sinne). In die bilinguale Klasse gehen laut Aussage der Lehrerin auch die sehr guten Schüler und sie zählt die Herzenstochter einfach dazu.

Ich bin wirklich hin- und hergerissen. Natürlich möchte ich das Beste für die Herzenstochter, aber was ist das Beste?  Sie selbst möchte in die MINT-Klasse, auch weil ihr das experimentieren, mikroskopieren und entdecken am Tag der offenen Tür so sehr zusagte und vielleicht auch, weil ich diese Klasse von Anfang an favorisierte. Wir haben uns am Tag der offenen Tür nicht viel über die bilinguale Klasse informiert, sondern blieben wirklich im Themenbereich MINT.

Vielleicht habe ich die bilinguale Klasse von Anfang an ausgeschlossen, weil ich einfach kaum Englisch kann. Weil auch die Fächer Politik, Geschichte und Geografie in Englisch unterrichtet werden und ich Angst habe ihr da später einfach nicht helfen zu können.
Weil ich meine Interesse mehr bedacht habe?

Ich weiss es einfach nicht. Was ist richtig?

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24 Kommentare zu “die Qual der Wahl

  1. Ich würde es so machen: Ruf in der Schule an und frag nach, ob jemand aus der bilingualen Klasse nochmal mit Euch reden kann. Ihr habt die Empfehlung bekommen, würdet aber derzeit eher zur MINT Klasse tendieren und habt Euch dementsprechend auch nur dort informiert.

    Ich weiß, dass so ein Schritt nicht einfach ist. Aber ich denke, mehr Informationen helfen da eindeutig weiter.

    • Diese Idee hatte ich auch und der Herzenstochter diesen Vorschlag bereits gemacht. Sie lehnt ihn noch ab, da sie sich vermutlich auch schon sehr auf die MINT-Klasse fixiert hat.
      Es wäre wohl aber das momentan richtige einfach nochmal ein Beratungsgespräch anzustreben.

      • Sie muss sich ja nicht umentscheiden. Es geht einfach um mehr Informationen.

        Ich denke, da kann man logisch agumentieren, dass es nie schadet, mehr Informationen einzuholen bevor man sich entgültig für etwas entscheidet.

  2. Der Vorschlag von Lia ist auch nicht schlecht.

    Ich hätte jetzt gesagt: Nimm das was die Kurze am liebsten macht, denn sie muss motiviert dadurch gehen und auf mich wirkt es auch so, als wäre sie da vielseitig gefordert.

    Ich kann zwar selbst nicht wirklich gut Englisch, aber ich denke, dass es eine Sache ist die man sich auf verschiedene Weise selbst beibringen kann. Selbst ausführlich mit beschäftigen ist da in meinen Augen leichter als mal eben allein ein Experiment auf die Beine zu stellen 🙂

    • Ich wollte auch einfach auf sie hören, was sie möchte, denn wie Du schon sagst, die Herzenstochter muss den Weg gehen.
      Und auch die letzten beiden Sätze von Dir finde ich gut und bestätigen etwas meine Meinung. Danke!

      Versuchte Gespräche mit Mum und meiner Sis brachten mich nicht sehr weiter und verunsicherten mich immer mehr. Nach dem Tag der offenen Tür und vor dem Klassenlehrergespräch teilte ich ihnen die Entscheidung „MINT“ mit und sie befürworteten es. Es würde für die Herzenstochter gut sein, bilingual wäre nicht unbedingt das richtige.

      Nach dem Klassenlehrergespräch war die Aussage ganz anders. Die Experimente etc. könnte sie ja auch über die Wahlpflichfächer abdecken. etc.

  3. Ich stimme Lias Vorschlag voll zu und würde mir auch noch mehr Informationen besorgen.
    Außerdem wollte ich noch zu bedenken geben, dass bei so einem Tag der offenen Tür natürlich die Sahnestückchen eines Unterrichtsfaches präsentiert werden. Im Alltag sieht der Unterricht oft eher fade aus und es muss viel auswendig gelernt werden (leider immer noch!). Das praktische Arbeiten kommt leider auch in den naturwissenschaftlichen Fächern im Alltag oft viel zu kurz, weil die Lehrpläne voll gestopft sind und zur nächsten Klausur / Klassenarbeit abgearbeitet werden müssen.
    Englisch hingegen ist heutzutage aus den Naturwissenschaften nicht mehr wegzudenken. Gerade wenn Deine Tochter später etwas mit Biologie / Tieren machen möchte und ggf. studieren will, muss sie Englisch können, da fast die gesamte Fachliteratur auf englisch erscheint.
    Habe ich es richtig verstanden, dass Deine Tochter jetzt in die 5. Klasse kommt? Ich finde ja eine so frühe Spezialisierung zu früh und daher bedenklich. Gäbe es vielleicht die Möglichkeit, mit der bilingualen Klasse zu beginnen und später (in der 7. od 8. Klasse) in die MINT-Klasse zu wechseln?

    • Genau das sagte ich der Herzenstochter auch schon, das sie jetzt natürlich die schönen Seiten gesehen hat und nicht das tatsächliche Lernmaterial. Ich habe ihr gesagt das viele Formeln und Stoffe usw. gelernt werden müssen, dennoch liess sie sich bisher nicht abbringen. Angst machen möchte ich ihr aber auch nicht.
      Auswendig lernen muss sie wohl vieles in beiden Klassen. Gymnasium heisst leider auch „ihr bekommt den Stoff kurz gesagt, erarbeiten müsst ihr es selber“. Da sind auch Ängste in mir, das ich denke ich schicke die Herzenstochter lieber zur Gesamtschule, dort hat sie etwas mehr Zeit für den Stoff. Ich hatte immer Schwierigkeiten mit dem trockenen Stoff (Englisch, Politik, Geografie, Geschichte) ich brauchte das praktische, das bildliche.

      Ja, sie kommt jetzt in die 5. und ist sowieso jünger als andere, da sie frühzeitig eingeschult wurde. Ich mag diese frühen Spezialisierungen auch nicht, daher wäre mir eine andere Schulform lieber, die jedoch privat bezahlt werden muss.
      Die 6. und 7. Klasse ist die Erprobungsstufe. Danach kann notfalls gewechselt werden. Bilingual wird erst ab der 8. Klasse „richtig“ unterrichtet.

      • Interessant, was Du im letzten Absatz schreibst. Aber man fragt sich doch, warum dann jetzt schon die Spezialisierung sein muss, wenn bilingual erst in Klasse 8 losgeht. Es ist klar, dass erst die grundlegenden Sprachkenntnisse erworben werden müssen, aber man kann auch schon in Klasse 5 und 6 einiges in Geschichte (zB) zweisprachig machen.
        Wird denn MINT schon ab Klasse 5 „richtig“ unterrichtet oder fängt das auch erst später an?
        Darf ich fragen in welchem Bundesland Ihr wohnt?

        • Oh, etwas falsch habe ich mich wohl schon ausgedrückt. Also in Klasse 5 und 6 wird schon teilweise zweisprachig unterrichtet um die Schüler darauf vorzubereiten. Ausserdem gibt es 2 Englischstunden mehr. Ab Klasse 8 sind die Hauptfächer sowie Geografie, Geschichte und Politik dann komplett in Englisch.

          Mint wird direkt ab 5. Klasse unterrichtet (da haben wir auch bereits Unterrichtsinhalte bekommen). Es gibt eine Biologiestunde mehr sowie ab der 6. Klasse eine Physikstunde mehr.

          Wir sind in NRW.

          • OK.
            Auch die MINT-Klasse wird eine gewisse Anzahl von Pflicht-Englischstunden haben…
            Ich würde wirklich noch mal Infos aus der Schule einholen.
            Letztlich hängt vieles vom Lehrer ab oder von der Klassenzusammensetzung, auf die wir Eltern ja keinen Einfluss haben.

  4. Lass deine Tochter entscheiden.
    Klar, eine Sprachbegabung zu unterstützen ist in der heutigen Zeit nicht verkehrt, aber wenn sie sprachbegabt ist, dann wird sie auch andere Möglichkeiten dazu haben und bekommen.
    Aber wo hat sie die Möglichkeit naturwissenschaftliches Interesse gefördert und unterstützt zu bekommen, außer eben in der Schule? Habt ihr da andere Möglichkeiten? (Und was nützt ihr das Bilinguale, wenn sie später mit Tieren arbeiten will? Das kann doch auch ein Entscheidungskriterium sein.)
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sinnvoll ist die Kinder entscheiden zu lassen. Selbst wenn sie sich für eine Klasse entscheiden, wo andere Klassenkameraden drin sind, die sie kennt. Auch das wäre ein Kriterium. Und macht den Übergang leichter. Wenn euer Interesse schon so lange bei der MINT-Klasse liegt, dann bleibt dabei und lasst euch nicht verunsichern. Denn es wird Durststrecken geben und die sind leichter durchzustehen wenn du weißt, … das war unser Wunschweg, als wenn du denkst … ist es in der anderen Klasse vielleicht doch besser?
    Ich wünsch euch viel Weisheit, den richtigen Weg zu wählen.

  5. Ist schwierig sowas vorher zu wählen. Unsere Tochter hat das Glück an einem Gymnasium in Düsseldorf zu sein wo jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert wird. Besser geht es eigentlich gar nicht.

  6. Und um deine Anspannung zu reduzieren: Es entscheidet nicht über ihre Zukunft. Wenn ihr die MINT-Fächer mehr liegen, wird sie einen Beruf in diesem Bereich trotzdem erlernen können, auch wenn sie jetzt in die bilinguale Kalsse geht, und umgekehrt. Es ist keine Festlegung bis ans Lebensende, sondern „nur“ für die nächsten paar Jahre.
    (Ich hatte Leistungskurs Latein und Bio und bin Ingenieurin geworden. Eine Freundin: Mathe/Latein, jetzt Lehrerin an Förderschulen. Andere Freundin: Latein/Griechisch, jetzt beim Gesundheitsamt. Geht alles.)

    • Ja, da gebe ich Dir vollkommen Recht. Es ist kein Schritt der endgültig die Zukunft bestimmt, der aber eben doch viele Jahre, die entwicklungsbedingt nicht immer einfach werden umfasst.

  7. Gerade dieser tage hatte ich ein Gespräch mit einer Dame aus einem Verein „hochbegabtes Kind“. Sie hat einen Punkt immer wieder betont: es ist ichtig, was das Kind möchte.
    Es kann sehr wol sein, dass die bilingunale Klasse gut für sie wäre. Sie Fordern und fördern würde.
    Aber es kommt vor allem drauf an, was sie gern machen möchte. Trau ihr zu, dass entscheiden zu können – es wird de facto nämlich weder richtig noch falsch geben.
    Vielleicht – nur um alles auszuschliessen – informiert euch doch noch etwas genauer über die bilinguale Klasse.
    Besprecht Gutes und Schlechtes und traue vor allem ihr zu, ihre Entscheidung zu treffen und begleite sie.

    • Mein Bauchgefühl sagt mir auch, das die Herzenstochter gut alleine entscheiden kann. Gerade auch die letzten zwei Sätze von bauchundnase sind mir da wichtig. Ich möchte nicht, das sie in Zerrphasen denkt „Ich wollte das ja sowieso nicht. Mama hat das so entschieden.“

      Ja, ich werde wohl noch einmal Kontakt aufnehmen zur Schulleitung. Nicht mehr in diesem Jahr, das schaffe ich nicht, aber im Januar ganz bestimmt.

  8. Ich danke euch sehr!
    Mir diese Entscheidungsangst noch einmal von der Seele zu schreiben und zu spüren da möchte geholfen werden, meine Gedanken werden angenommen, sie werden nochmal reflektiert und Einwände oder Bestätigungen tun sich auf, ist ein gutes Gefühl.

    (Oh weh, grammatikalisch ist der Satz jetzt wohl völlig daneben, was wohl daran liegt, das ich ich auch neben der Spur bin nach dem heutigen Tag.)

  9. Ich hab jetzt die anderen Kommentare nicht gelesen, kann also sein dass alles schon gesagt war.

    Eine Gekannte ging machte die Oberstufe bilingual – und sie selbst kam gut mit, weil die Lehrer anfangs auch drauf achteten sich einfach auszudrücken und sozusagen auch das Englisch sich langsam steigerte.

    Als das dann später wirklich saß, war es für diese Bekannte kein Problem mehr – also nur deswegen würde ich das nicht machen.

    Wichtig wäre was da sonst noch läuft – bei der Schule der Bekannten war der Schwerpunkt Sprachen, die lernte noch Spanisch, Französchisch, Italienisch und Latein.

    Die sprachliche Begabung ist toll, aber wenn die Tochter lieber experimentiert usw – ist es in der MINT für sie vielleicht interessanter, wenn sie sich auch für Sprachen sehr interessiert – evt die bilinguale.

    Holt Informationen ein, sucht jemand der die bilinguale macht oder gemacht hat und lasst sie mit der Chaostochter reden – und wenn dann alle Informationen da sind – soll sich die Tochter zusammen mit dir entscheiden.

    Wenn sie aber was deutlich lieber möchte, würde ich sie entscheiden lassen – denn sie muss ja dann hingehen und die Jahre durchstehen 😉

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