einfach Vogel sein

Mit müdem Blick geht sie die Straße entlang.  Dick eingehüllt in Mantel, Schal und Stulpen. Niemand sieht ihr an das sie friert. Innerlich die Kälte kaum noch aushält. Sie schaut zu Boden während sie geht, aber  manchmal bleibt sie auch stehen, schaut  in den Himmel. Schaut an den kahlen Baumstämmen nach oben. Die Äste und Zweige sind fast leer, geben den Blick frei in die blaue Ferne. Ob es dort oben ruhiger ist?

Der Himmel, er sieht friedlich aus. Still, ohne viele Reize. Einfach schweben dort oben. Oder auf einem der Äste sitzen. Den höchsten Ast den es gibt würde sie wählen. Das würde sie Freiheit nennen.  Nicht so viele Farben, nicht so viele Worte, nicht so viel Hektik.

Einfach Vogel sein. Frei sein. Diese innere Schwere ablegen, denn die darf sie da oben nicht haben, sonst würde der Ast sie nicht tragen können. Ist es das was sie sich wünscht? Dieser schweren Last die sie bei sich trägt einfach entfliehen?

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2 Kommentare zu “einfach Vogel sein

  1. Kälte ist unangenehm. Draussen, auf der schwäbischen Alb, und innerlich sowieso. Manchmal kommt es mir so vor als ob es kälter wird. Vielleicht hat das nur etwas mit dem zunehmenden Lebensalter und der veränderten Einstellung zu tun, mag sein.

    Beim Gedanken „sich warm anziehen“ muß ich schmunzeln, das geht nebenher manchmal. Seltener zur Zeit, das kann an der Jahreszeit liegen.

    Vielleicht liegt es manchmal daran, dass ein verständnisvolles Wort besser wärmt als ein dicker Pullover. Die Pullover gibt’s günstig bei NKD oder Kwick oder sonstwo, die verständnisvollen Worte sind schwerer zu finden.

    Wenn man, manchmal, auch noch eine etwas andere Sprache spricht, dann wird’s nicht unbedingt leichter.

    Sicher, es wird auch wieder Frühling. Wärme und Leben. Da braucht man den Mantel oder Pullover nicht mehr so häufig. Dennoch, wenn man weiß wo die Kleidungsstücke sind wenn man sie braucht, das allein schon ist ein beruhigendes Gefühl. Oder, wenn da jemand aushelfen könnte. Nein, nicht „Notfalls“. Einfach so. Ist allerdings selten.

  2. „Manchmal scheint uns alles falsch und traurig,
    wenn wir schwach und müd in Schmerzen liegen,
    jede Regung will zur Trauer werden,
    jede Freude hat gebrochne Flügel,
    und wir lauschen sehnlich in die Weiten
    ob von dorther neue Freude käme.

    Aber keine Freude kommt, kein Schicksal
    je von außen uns. Ins eigene Wesen
    müssen wir, vorsichtige Gärtner, lauschen,
    bis von dort mit Blumenangesichtern
    neue Freuden wachsen, neue Kräfte.“

    [Hermann Hesse]

    liebste grüße von mir!

    jen

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