eine ungewöhnliche Begegnung (2/3)

An den Ohren von Killian* sehe ich kein Hörgerät und auch die Mutter hat zumindest auf der mir sichtbaren rechten Seite kein Hörgerät. Vielleicht haben sie aber einfach beide keines, da ein Hörgerät für ihre Einschränkung keinen Nutzen hätte. Ich ertappe mich wie ich darüber nachdenke während ich Kilian* weiter beobachte.

Endlich scheint der Kuschelhase die richtige Position eingenommen zu haben. Killian* macht wieder einen Schritt zurück und schaut still seinen Hasen an. In der  linken  Hand trägt er die ganze Zeit schon eine weiße Mullwindel wahrscheinlich als Schnuffeltuch. Er hält sie an einem Zipfel fest und streicht nun damit über seine Wange. Er scheint zufrieden zu sein mit dem Ergebnis und legt sich das Tuch um den Hals jedoch ohne den Zipfel in der linken Hand loszulassen. Anschließend dreht er sich um und geht zum Spielplatz.

Als Killian* die Steingrenze überschritten hat setzt er sich in den Sand. Mit dem Zipfel des Tuches streicht er wiederholt über seine Wange. Sein Blick ist abermals zur Schaukel gewandt und man hört nun wieder sein „da,da,da“. Ich nehme all meinen Mut zusammen und lege mir Worte zurecht, wie ich die Mutter ansprechen könnte.  Was soll ich jedoch tun, wenn sich herausstellt, das sie gehörlos ist und mitbekommt, das ich sie angesprochen habe. Was, wenn sie dann mit mir kommunizieren möchte? Ich kann doch keine Gebärdensprache.  „Möchte er schaukeln?“ frage ich und erschrecke fast als sie mir antwortet : „Ach wenn ich das nur wüsste.“

Durch den „Schreck“ kann ich erstmal nicht antworten und muss mich neu sammeln. Irgendwie habe ich jetzt doch nicht mit einer Antwort gerechnet. Sie spricht  kurz darauf weiter und so entsteht keine peinliche Schweigezeit. „Wenn er doch nur schaukeln würde. Er schaut sie sich so lange an, zeigt immer zu ihr, aber man kann ihn nicht drauf setzen. Er schreit und schreit. Vielleicht findet er sie einfach nur interessant.“  Sie erzählt weiter, ich erfahre den Namen, Killians* Alter und das er „irgendwie komisch“ ist so ganz anders als seine Geschwister.

Irgendwann höre ich ihre Worte kaum noch, nicht aus böser Absicht, aber vermutlich gibt sie mir dann doch etwas zu viele Informationen mit einem Mal. Ist vielleicht froh mit jemandem reden zu können, oder besser gesagt jemandem ihre Sorgen erzählen zu können.  Ich beobachte diesen kleinen Jungen und es scheint als würde nach und nach alles andere um mich herum verschwinden, nur noch dieser kleine Junge und dumpfe Töne im Hintergrund. Ich frage mich ob er sich langweilt wie er da sitzt. Ganz allein im Sand mit seinem Schmusetuch um den Hals.

Mein Blick fällt noch einmal kurz auf den Kinderwagen und ich erblicke eine Tüte im Netz die gefüllt ist mit kleinen Autos. „Möchte er nicht mit den Autos spielen? “ frage ich.  „Ach ich weiss, nicht, er nimmt sie immer mit, überall hin, genau wie den Hasen und das Tuch. Aber er spielt nicht damit. Wenn ich sie ihm da jetzt ausschütte schreit er. Seine Geschwister ….“ wieder fängt sie an zu erzählen und ich merke, das ich nur diese ersten drei Sätze aufgenommen habe und mir nun Gedanken mache warum dies so sein könnte. Warum  schreit Killian*? Er sieht so friedlich aus. Warum ist er „irgendwie anders“ als seine Geschwister? Er sieht so …. mir kommt ein merkwürdiger Gedanke. Er sieht so aus wie ich, wenn ich früher im Sandkasten saß.

Darf ich?“ kommt es aus mir heraus und ich zeige auf die Tüte mit den Autos.  Die Mutter schaut mich wohl eher skeptisch an, denn sie sagt nichts.  „Ich meine, darf ich sie ihm geben?“ „Bitte, versuchen sie es.“ sagt sie etwas zögerlich, nimmt die Tüte aus dem Korb und überreicht sie mir.
Ich gehe zu Killian* und setze mich neben ihn, die Tüte verstecke ich noch links neben mir. Unsere Rücken sind der Mutter zugewandt, Killian* dreht seinen Kopf  zu mir, schaut mich von oben bis unten an und dann geht sein  Blick wieder auf  die Schaukel  „da,da,da“ „Ja, das ist eine Schaukel. „ sage ich und warte auf eine Reaktion. Sie kommt nicht.

Wir schauen eine kurze Zeit gemeinsam die Schaukel an, dann lege ich vorsichtig die Tüte mit den Autos vor uns. Ich achte dabei ganz genau auf seine Reaktion, rechne aber innerlich nicht damit das er anfängt zu weinen. Er beobachtet meine Hand wie sie die Tüte vor uns ablegt. „Da“ sagt er und zeigt nun auf die Tüte. „Das sind deine Autos, die kennst du nicht wahr?“ „da“ wiederholt er und richtet den Finger wieder auf sie. „Darf ich mir ein Auto herausnehmen?“  Die Reaktion seinerseits wiederholt sich:  „da“. Ich spüre, das es ihm gut geht, das er nicht angespannt ist und gleich weint also wage ich es und nehme ein Auto aus der Tüte.

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4 Kommentare zu “eine ungewöhnliche Begegnung (2/3)

  1. Liebe FrSchnütchen, liebe Frau Nebel, liebe Hesting
    Danke für Eurer Interesse. 🙂
    Es war für mich in jedem Fall eine so wundersame, besondere Begegnung.

    Hoffentlich seit ihr vom Ende nicht enttäuscht.

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