Ein Tag wie kein anderer

Nichts ist geschehen was mich umwerfen muss. Und doch war es zuviel! Kein „normaler“ Tag. Aber was ist schon normal? Kann es Tage geben die sich immer und immer wieder wiederholen? Tage die Sicherheit schaffen? Nein die gibt es nicht und irgendwann muss ich doch lernen damit umgehen zu können.

Gestern. Wieder, ein Tag wie kein anderer. Wie würden Menschen sich fühlen, die nicht an Reizüberflutung leiden, die nicht Routine benötigen?  Würden sie glücklich sein nach solch einem Tag? Würden sie sagen, es war ein ereignisreicher Tag, aber er war gut.
Ich kann es nicht. Nicht sagen er war gut. Ich kann auch nicht sagen er war schlecht. Aber ich kann sagen er hat mich so sehr angestrengt, das ich jetzt durcheinander bin. Das es wieder einmal zu sichtbaren Spuren kam, das wieder einmal innen Unordnung herrscht.

Alles anders. alles fremd.

Was ist geschehen? Nicht viel. Dinge die zu einem Alltag einfach dazu gehören. Die auch bei mir zum Teil geplant waren, aber wo irgendwie der Plan nie zu Ende gedacht wurde, so das es mich überrumpelt hat.  Wieder  1 Stunde und 43 Minuten anstehen um Fahrkarten zu bekommen. Stehen zwischen vielen fremden Menschen, die reden und sich bewegen, ständig neue Formen bilden. Vorher noch vom neuen Erdenbürger in der Familie erfahren, nicht wissen ob man heute noch zur Klinik fährt oder nicht. Ich habe gebeten die Mutter zu fragen, denn ich weiss wie anstrengend eine Geburt ist. Ich möchte nicht einfach so dort hinfahren, wenn die Mutter und das Kind noch Ruhe brauchen. Ich weiss, das ich nicht die einzige bin, die das Kind sehen möchte, ich möchte der Mutter und dem Baby Ruhe schenken. Ich gebe anderen den Vortritt, denn das Baby ist nicht nur heute da, es wird uns noch lange begleiten.

Natürlich, die Gedanken sind immer wieder beim neuen Erdenbürger. Um ehrlich zu sein sogar sehr oft und ich lächel als ich das Foto  gegen Mittag auf dem Bildschirm sehe und innerlich verkrampft es sich in mir, weil innen noch ein Schmerz steckt. Und ich lächel weiter, weil solch ein neuer Erdbewohner einen Zauber in sich trägt. Das Bild ich kann es nicht mehr schließen. Immer wieder schaue ich auf den zuckersüßen Mund, die kleine Nase und die friedlich geschlossenen Augen. Aufsaugen möchte ich dieses Bild, fühlen, riechen.

Am frühen Nachmittag müssen wir zum Kieferorthopäden, ich trenne mich von dem Bild au meinem Laptop.  es müssen Vorbereitungen getroffen werden. Dinge erledigt werden, die nicht üblich sind zu dieser Uhrzeit. Dann sind wir 2 Minuten zu spät, mein Herz klopft, ich bin nervös. Niemand sagt etwas, aber ich sehe die Uhr und ich sehe das wir zu spät sind.

Danach wie geplant zum Tierfachgeschäft. Wir lassen uns Zeit, schauen viele Artikel in den Regalen an. Auf dem Rückweg jedoch fällt mir ein, das ich die Post vergaß. Zu Hause liegen ließ, weil die Zeit knapp wurde. Weil der Rhythmus gestört war, weil alles anders kam als geplant. Die Gedanken sind nur noch bei der Post. Ich muss es heute noch abschicken. Nach Hause fahren. Wo steigen wir aus? Was benötigt am wenigsten Zeit? Schaffe ich es rechtzeitig? Habe ich an alles gedacht? Wie organisiere ich nun den Rest des Tages? Werde ich pünktlich sein?

Ich schaffe es. Bringe die Post weg, während die Herzchaostochter draussen mit ihrer Freundin spielt.

Am Abend dann schaue ich immer und immer wieder auf diesen Brief, der mir Rätsel aufgibt. Was soll ich tun? Als ich ihn bekam war die Antwort klar, ich werde ihn nicht weiter beachten müssen. Aber jetzt, jetzt ist der Termin so nah und ich muss doch irgendetwas tun. Der Brief, er kam doch nicht umsonst, ich kann ihn doch nicht einfach „übersehen“, nicht beachten. Er ist doch da. Was soll ich mit ihm anfangen? Wie mit ihm umgehen?  Die Mailadresse ist nicht erkenntlich. Anrufen geht sowieso nicht. Was tun? Es scheint mir „verboten“ worden zu sein morgen zu diesem Termin zu gehen, aber den Brief nicht beachten, damit geht es mir auch nicht gut. Ich schicke Mails, um genau zu sein 3 Mails an 3 unterschiedliche Adressen die im Endeffekt doch den gleichen Empfänger haben. Eine Mail kommt nach 23 Minuten zurück. Die Adresse scheint ungültig. Aber noch sind ja 2 Kontaktmöglichkeiten offen. Kontaktmöglichkeiten die eindeutig waren. Die vermittelt haben, es kommt an.

Ja, ich bin nervös, sehr nervös und darum tippe ich diese Zeilen. Weil ich nicht möchte das die Handbewegungen nicht mehr koordinierbar sind, weil ich weiss das es wieder in Stereotypen endet. Weil ich jetzt schon Wunden habe und doch weiss das ich nicht verhindern kann gleich wieder in diese Stereotypen zu fallen. Weil mein Innensein es braucht, weil irgendwann der Kampf dagegen schlimmer ist als es auszuleben.

Ja die Ausmaße sind größer, wenn ich das Innensein unterdrücke und statt mich zurückzuziehen versuche dagegen anzukämpfen. Dann brauche ich viel mehr Eigenreize mein Innensein wieder zu finden, dann scheint es von aussen viel „dramatischer“. Aber es gibt eben Momente, da muss ich funktionieren, da darf ich nicht einfach wegsehen, mich zurückziehen, denn dann weiss ich noch immer nicht wie gehe ich mit diesem Brief um? Dann weiss ich noch immer nicht, welche Tagesfahrten machen wir in den nächsten Wochen? Dann kann ich nicht die weitere Ferienzeit planen. Dann weiss ich nicht, wann kann ich den neuen Erdenbürger begrüßen.

Aber am Abend, spätestens am Abend, da holt es mich ein. Die Funktionalität des Tages kratzt an meine Grenzen. Zeigt mir das es viel war. Viel für einen Tag. Viel für mich. Andere Menschen sehen dies vielleicht anders, sehen es als ganz normalen Tag, aber ich, ich bin ich und ich habe mein eigenes Empfinden.

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3 Kommentare zu “Ein Tag wie kein anderer

  1. Das mit der Post (oder wahlweise einer Überweisung oder einer Mail, die ich schreiben wollte) passiert mir auch öfters. Leider auch schon mal auf der Arbeit, wenn ich ehrlich bin.
    Solange der Tag zur Hälfte vorhersagbar strukturiert ist, kann ich es gut aushalten. Deshalb bin ich froh, nicht den ganzen Tag daheim zu sein.

  2. Das lässt mich deinen tweet gesten nochmal deutlich besser verstehen. Meine Antwort darauf, Dich nicht zu sehr darüber zu grämen, dass es zuviel war, mag dann sicher sehr lapidar geklungen haben.
    das tut mir leid.

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