Abschied nehmen

Am Donnerstag war die Abschiedsfeier in der Nachmitagsbetreuung. Ich holte eine Herzchaostochter ab, die weinend in den Armen ihrer Freundin lag. Die Freundin geht nun in die 5. Klasse, auf eine andere Schule. Mit ihr 5 weitere Kinder, die Herzchastochter gern gemocht hat. Eine Stunde lang haben sie geweint, mussten manches mal während der „Feier“ den Raum verlassen, konnten nicht essen. Es hieß für die Herzchaostochter Abschied nehmen von Kindern die sie liebgewonnen hat. Es war anders als beim Übergang vom Kindergarten in die Schule, wo keine Tränen ihrerseits flossen, sondern Vorfreude da war. Ich denke es ist bewusster für sie, ein anderes Erleben.
Gestern war der letzte Tag an dem sie sich sahen. In der Pause saßen sie beisammen, redeten, lachten, spielten. Aber in der Kirche flossen wieder die Tränen. Nach dem Gottesdienst würden sie sich trennen müssen. Keine gemeinsamen Spiele mehr in der Nachmittagsbetreuung, keine gemeinsamen Geheimnisse, kein zusammen sitzen in der Ecke des Schulhofs. Es war schwer für die Kinder und so nahm ich ein noch immer weinendes Kind in die Arme und mit nach Hause.

Für mich ist es schwer damit umzugehen. Ich kann nicht mitfühlen, nur sachlich reflektieren. Weiss nicht wie handeln, wie Trost spenden. Emotionen anderer sind für mich oft schwer aushaltbar, weil ich einfach überfordert bin. Habe keine Worte, keine Bilder.
Nur in den Arm nehmen konnte ich sie, sie begleiten und ihr hoffentlich das Gefühl geben nicht allein zu sein. Doch sprachlich kann ich keinen Trost spenden. Was antworten, wenn sie sagt „sie wird … nie wieder sehen“? Wie reagieren, wenn sie sagt „Es ist der traurigste Tag meines Lebens. Ohne …. mag ich nicht mehr leben.“ Schwer ist es, nicht sachlich zu antworten, weil ich weiss, das dies keinen Trost bringen würde. Dann antworte ich lieber gar nicht, sondern nehme sie in den Arm. Aber ist es richtig? Ist es Trost genug?
Irgendwann fehlt auch mir die Kraft, immer die gleichen Worte und Sätze zu hören, nicht wissen wie reagieren überfordert mich. Ich spüre innerlich das es anstrengt, möchte es aber nicht zeigen. Ihre Trauer ist ja relevant und ich möchte nicht, das die Herzchaostochter sie unterdrückt. Sie darf sie ausleben, soll sie ausleben.

Und ich habe Angst. Angst vor dem was im nächsten Jahr auf uns zukommt. Angst vor dem Abschied von den Lehrern, von den Mitschülern, von den Erzieherinnen, von den Kindern der Nachmittagsbetreuung. Angst vor den Gefühlen, vor den Schmerzen der Herzchaostochter. Angst auch vor meinen eigenen Gefühlen. Angst mit all dem nicht umgehen zu können. Überfordert zu sein, weil dann auch meine Gefühle präsent sind. Vermutlich präsenter noch als beim Abschied vom Kindergarten, weil mich eigene Erinnerungen einholen. Wenn ich jetzt schon überfordert bin mit den Gefühlen die ich nicht selbst spüren kann,  wie wird es mir erst gehen mit beiden Gefühlen umgehen zu müssen?

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