wenn Worte verletzen

Heute musste ich mir wieder einmal einen Satz anhören, der mich immer und immer wieder verletzt. „Das ist nicht lustig!“ sagte eine Ärztin im barschen Ton zu mir. Nein das war nicht lustig, aber ich überfordert. Entschuldigt wenn mein Gesicht dann lächelt.

Ab diesem Moment war es nur noch schwer aushaltbar da zu bleiben. Ich knetete mein Taschentuchbündel und konnte nicht mehr sprechen. Alles war zuviel. Zuviele Menschen, zuviele Geräusche und eine Umgebung die mir sowieso unangenehm ist.

Die Menschen dort waren nicht mehr einschätzbar. Was sagen sie? Was meinen sie? Wie soll ich ihre Handlung verstehen? Jedes Mal zuckte ich zusammen, wenn jemand an mir vorbei ging, wenn jemand in meine Richtung sah. Alle Worte waren übertönt mit dem Satz der mich so sehr verletzt.

Ich war überfordert, nur überfordert und stumm. Meine Mundwinkel ziehen sich dann einfach nach oben. Worte sind nicht aussprechbar. Doch für Menschen ohne Autismus ist dieser Gesichtsausdruck etwas völlig anderes.

Am liebsten wäre ich weggelaufen, aber das konnte ich nur nach innen. Die Behandlung der Tochter musste ja zu Ende gebracht werden. Und immer wieder zogen sich meine Mundwinkel nach oben wenn ich angesprochen wurde und ich konnte nichts dagegen tun.

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7 Kommentare zu “wenn Worte verletzen

  1. Ich überlege, wie ich damit umgehen würde an Stelle der Ärztin. Die weiß aber, daß Du Autistin bist, oder? Dann sollte die doch wissen, daß Du etwas anders bist.

    • Nein, sie weiss es nicht. Wir haben sie das erste Mal gesehen, bisher waren wir dort nur zu Gesprächen etc. Die führte ein anderer Arzt mit uns. Ein weiterer Grund warum ich überfordert war.

  2. Mich macht das sehr traurig, wenn ich das lese und ja, auch ein bisschen wütend. Ich meine, die Menschen sind unterschiedlich und ich kenne einige, die sogar lächeln, wenn sie von ganz, ganz schlimmen Dingen erzählen und ich frag mich einfach nur, kann mans nicht so stehen lassen? Müssen diese Kommentare sein?

    Ich hoffe und wünsche dir, dass dieses Erlebnis dich nicht zu sehr runterzieht und verletzt.

    Liebe grüße
    Wortsucherin

    • Es tut weh diese Worte hören zu müssen, weil man selbst weiss das es eine Schwierigkeit ist. Es trifft genau den wunden Punkt und wenn man dann sprachlos ist, wegen der Überforderung und es nicht klären kann tut es noch mehr weh. Weil auch dies wieder „anders“ ist. Fast vegleichbar mit einem Rollstuhlfahrer dem man sagt: Nun steh doch endlich mal auf. (Vielleicht ein wenig hoch gegriffen [hier sieht man die Einschränkung zudem], aber zur Veranschaulichung fiel mir spontan nichts anderes ein.)

  3. Dein Vergleich mit dem Rollstuhlfahrer trifft genau ins Schwarze.
    Ich weiß aus eigener Erfahrung wie du dich fühlst, auch wenn ich keine Autistin bin.
    Solche Worte verletzen, demütigen, beleidigen und machen einen sprachlos, auch hilflos.
    So dürfen Menschen mit Menschen nicht umgehen, vor allem Ärzte und ihr Personal. Ich betitele sie, auch öffentlich als Knalltüten. In meinen Augen haben sie ihren Beruf verfehlt.
    Kopf hoch, verlier nicht den Mut. Du bist wie du bist. Jeder hat dich so zu respektieren.

    Ganz herzliche Grüße
    Bbdüm

    • Ich habe die Situation ehrlich gesagt noch immer nicht verdaut und so wird es morgen ein Thema in der Therapie werden.
      Mittlerweile spüre ich die Hilflosigkeit schon allein bei dem Gedanken daran in 14 Tagen eventuell wieder auf diese Ärztin zu treffen.

      Danke für Deine Worte!
      Herzlichste Grüße auch Dir

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