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Archive for 24. Mai 2011

Vor einigen Wochen habe ich mich nach langer Überlegung dazu durchgerungen 3 Stunden im Klassenraum von Chaostochter zu verweilen. Es war Bastelzeit und zu diesem Anlass wurden Eltern gesucht, die die Kindern unterstützen. Mir ist es lieber an solch planbaren Aktionen teilzunehmen als an unplanbaren, die zum Teil oft chaotische Zustände aufweisen. Hierzu gehören beispielsweise Backaktionen. Vor 2 Jahren stellte ich mich dafür zur Verfügung und ich stieß weit an meine Grenzen. Die Kinder laufen um den Tisch, niemand weiss was er tun soll, die Zutaten liegen überall herum etc.
Beim basteln hat jeder sein Material und seinen Platz. Die Arbeitsschritte sind genau durchgeplant. Es ist alles strukturiert.

So kam es also, das ich am Basteltag 9.00 Uhr im Klassenraum Platz nahm und auf die Anweisung der Lehrerin wartete.  Dann sprach sie den ersten Satz und ich war völlig irritiert. Sie sagte: “Du holst dir bitte ein Blatt Tonkarton und eine Klarsichtfolie in der bereits alle weiteren Materialien einsortiert sind.” Wen meinte sie? Wen sprach sie hier mit *du* an? Es ist doch eine direkte Ansprache an eine Person, aber sie schaute in den weiten Raum. Wer soll sich die Materialen holen?

Die Kinder wußten natürlich, daß jeder von ihnen gemeint ist, aber mich brachte ihre Aussage völlig durcheinander. Ich kannte diese Ansprache nur als direkte Ansprache und mehrere Personen werden mit *ihr* angesprochen. Mein ganzes Wortgerüst fiel auseinander und ich musste im Kopf neu sortieren. Glücklicherweise bin ich kein Schüler mehr und somit hatte ich  Zeit um “innen” wieder zurecht zu finden. Doch immer wieder wenn sie *du* sagte, ging ein Ruck durch meinen Körper. Jedes Mal fühlte ich mich angesprochen und ich wusste nicht wie ich reagieren sollte. Ständig musste ich mich wieder neu konzentrieren, neu verknüpfen. Wohin schaut sie, was tut sie, wen meint sie? Ihre Bewegungen mussten analysiert, die Worte einsortiert werden. Als Schüler wäre ich wohl völlig überfordert gewesen, denn ich bemerkte das ich auf Grund der ständigen inneren Unruhe viele Anweisungen nicht verstand bzw. in meiner Arbeit stetig unterbrochen wurde, was wieder eine Neuplanung in mir auslöste. Ich war zu oft damit beschäftigt herauszufinden wen sie meinte, als aufzunehmen was sie sagte. Sobald das Wort *du* ertönte, musste ich die Umgebung scannen, das Geschehen analysieren und die Wörter des Satzes schafften es kaum nach “innen”.  (Natürlich siezte sie mich, dennoch muss ich alles gehörte -jedes Geräusch- sortieren, hierzu gehören eben auch  Ansprachen an die Kinder. Und diese *du*-Ansage irritierte mich immer wieder. Ich fühlte mich immer wieder angesprochen.)

Während des basteln blieb ich an meinem Platz sitzen und die Schüler brauchten recht wenig Hilfestellungen. Sie kamen einzeln zu mir und somit konnte ich mich gut auf sie und ihre Arbeit konzentrieren und einlassen. Nach einiger Zeit jedoch bemerkte ich, das es zuviel wurde, das die Geräusche immer lauter in meinem Ohr wurden, jedes Stuhlrücken, jeder Schritt auf dem Laminat, selbst der Tacker und Locher dröhnten irgendwann in den Ohren. Die ständige Anspannung und Unterbrechung, das ständige aufmerksam sein, wenn die Lehrerin ein Kind mit *du* ansprach, weil sie ja alle hätte meinen können, strengte mich sehr an. Ich entschied mich den Raum zu verlassen und die fertigen Bastelsachen im Gang vor dem Klassenzimmer anzubringen. Nach 3 Stunden ging ich heim.

Ich bin froh darüber, das ich heute nicht mehr zur Schule gehe, denn ich merkte das diese Ansprache der Lehrer einfach nur irritierend für mich ist, so dass der Unterricht wohl noch wesentlich anstrengender für mich sein würde. Früher konnte ich mich auf meine Arbeit konzentrieren und erst wenn ich ein *du* oder meinen Namen hörte, wusste ich das ich meine Arbeit unterbrechen und den Worten mehr Aufmerksamkeit schenken muss.

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