die Geschichte eines Fotos (3/3)

Einige Meter vom Stuhl entfernt stand eine weitere Stuhlgruppe, im Kreis angeordnet, einander zugewandt, doch dieser Stuhl stand abseits. Die „Blickrichtung“ in eine völlig andere Richtung.  Es war als würde ich mich sehen. Still, allein, aber in der Nähe von anderen, ich spüre das sie da sind, fühle mich daher nicht einsam.

Ich ging zu diesem Stuhl und strich über seine Lehne, fühlte mich ihm so nah.

Er war nicht perfekt, hatte Abschürfungen, schon einiges mitgemacht. Sicher würde er viel zu erzählen haben, wenn er es erzählen könnte. Ich mochte seine Struktur, sie erinnerte mich an das Holz der Milchbank früher auf dem Weg zum Kindergarten.

Chaostochter baute die Sandmulde immer weiter  und ich setzte mich.

Noch immer waren wir alleine, niemand kam bei diesem Wetter hinunter zum angelegten Strand. Ich spürte Freiheit und Verbundenheit zugleich. Konnte in mir sein mich irgendwie verstanden fühlen. Obwohl es doch nur ein Stuhl war auf dem ich saß, der mich so sehr „ansprach“.

Nach einigen Minuten der Ruhe beschloss ich zur Chaostochter zu gehen, nahm den Stuhl mit und stellte ihn genau neben die Sandmulde. Er sollte dabei sein, stumm aber dabei sein. Dann fühlte ich den Sand zwischen meinen Fingern. Nass, aber weich und streichelzart.

Gemeinsam baute ich mit der Chaostochter einen Wasserweg. Es entstanden  Tunnel und Wasserfälle,wir genossen den Moment. Vor dem Stuhl entstand ein größeres Loch um später das Wasser dort spüren zu können.

Als die Wasserstrasse fertig war setzte ich mich auf den Stuhl und ließ die Füße im Wasser baumeln. Ich konnte völlig in mir sein und das rundherum vergessen.

Chaostochter holte sich einen Stuhl aus der Sitzgruppe und stellte ihn auf die gegenüberliegende Seite der Wasserstraße (Stuhlbeine auf dem Foto links oben). Das hat sie noch nie getan. Normalerweise stellt sie ihren Stuhl immer neben mich. Dieses Mal nicht, denn sie spürte scheinbar meine innere Ruhe. Ganz andächtig setzte sie sich mir gegenüber und beobachtete mich. Beobachtete wie ich auf das Wasser schaute und völlig ruhig in mir versunken war. Sie genoss es genau wie ich.Dieser Tag brachte mir eine innere Zufriedenheit wie ich sie vorher lange nicht spürte.

Ein Regenschauer beendete diesen Moment und wir gingen langsam hinauf zum Halteplatz. Oben gab es einen kleinen Spielplatz auf dem wir nach dem Regenschauer in einem kleinen Holzhäuschen noch 20 Minuten bis zur Abfahrt verbrachten.

Die „Mitreisenden“ schimpften beim einsteigen in den Bus größtenteils darüber, dass sie den Nachmittag im Restaurant „gefangen“ waren. Wir zwei waren völlig ausgeglichen, unser Blick ging noch einmal hinunter an den Strand zu „unserem besonderen Platz“ und kurze Zeit später schlief Chaostochter in meinen Armen ein.

Wenn ich nun meinen Blog öffne und den Header sehe, dann fühle ich mich als würde ich dort sitzen, den Blick ins Freie gewandt, die Welt wahrnehmen, beobachten und Euch erzählen was ich fühle und denke.  Dieser Ausschnitt ist keine Erzählerposition, ich bin Euch nicht zugewandt, scheinbar stumm. Und doch lasse ich Euch teilhaben an meinen Gedanken, meinem Erleben, meinem Alltag. Ich bin völlig in mir,  aber dennoch mitten unter Euch.

Ein Gefühl, das ich auch „aussen“ -im Reallife- gerne spüren möchte. Sagen können: Auch wenn ich abgewandt scheine, irgendwie anders und merkwürdig, ich nehme Euch wahr und bin unter Euch.

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5 Kommentare zu “die Geschichte eines Fotos (3/3)

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