„der Baum“ oder „das Leben“

Vorgestern musste ich mit ansehen wie wieder eine Kettensäge Bäume bearbeitet. Ich kenne nicht den Grund, vermutlich hat es seine Richtigkeit, gerade hier hinter dem Haus und in einer Allee. Sicher müssen die Bäume da „ausgedünnt“ werden um weiter zu wachsen und doch tut es mir weh.

Der Baum kämpft jahrelang um so groß zu werden und gerade die Äste beobachte ich gerne. Wenn ich unter einem Baum liege, sehe ich wie schwer es ist den richtigen Weg zu finden. Jeder Ast sucht sich seinen Weg, es gibt Abzweigungen und Kurven, es geht nicht immer nur geradeaus. Jeder von ihnen schlägt eine andere Richtung ein und keiner weiss wohin es ihn führt. Sie wollen nur nach oben, weiter hinaus, so wie auch die Menschen immer weiter nach oben steigen wollen, einen immer höheren Rang einnehmen möchten. Das ist das Leben, so ist die  Menschheit wohl ausgerichtet.

Doch woher weiss der Ast nun welches die richtige Richtung ist? Er weiss es nicht. Er kämpft sich durch und geht den Weg, den er einschlagen kann. Es kann passieren das genau er der Ast ist der anderen Tieren neues Leben schenkt, weil er genau am richtigen Platz gewachsen ist. Vögel, Eichhörnchen und andere Tiere wählen ihn um ein neues Zuhause zu finden. Dann gibt es den Ast, der es schwerer hat, der immer nur die Schattenseite sieht, der kaum Kraft hat zu wachsen und an dem nur wenig neues Leben erwacht. Vielleicht schlägt ein Ast aber auch genau die richtige Richtung ein, wächst, schenkt Leben, trägt Früchte und irgendwann entscheidet ein Mensch, dass er kein Recht  mehr hat zu leben. Er wird entfernt und ist nur noch Vergangenheit.

So ist das Leben, es gibt gute und schlechte Wege, für die Natur wie für die Menschen. Du kannst wie so mancher Ast auf der Schattenseite stehen oder auf der Sonnenseite. Jeder geht seinen Weg, mit Kurven und Abzweigungen. Wenn du nicht perfekt bist, nicht am richtigen Platz, wirst du aussortiert, bist schlechter als die anderen und bekommst weniger Chancen deinen Weg zu gehen.

Sehen zu müssen wie Leben zerstört wird tut weh und ich fühle mit dem Baum der ein Stück verliert für das er viele Jahre gekämpft hat.

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4 Kommentare zu “„der Baum“ oder „das Leben“

  1. Bei uns in der Nachbarschaft wurden im letzten Jahr auch zwei Bäume gefällt. Sie waren schon wirklich sehr groß und haben viel Schatten gespendet. Soweit ich weiß war der Grund warum man das gemacht hatte der, dass das ganze Laub oft die Dachrinnen verstopfen würde. Wirklich sehr sehr traurig das Ganze. Vor allem wenn der „Grund“ doch wirklich so nichtig ist. So was könnte ich nicht machen . . .

  2. Liebste Chaosmama,
    mir blutet auch jedes Mal, wenn ich wieder sehe, dass Bäume einfach abgeholzt wurden.
    So sehr sehne ich mich danach, dass die Natur mehr und mehr Raum greift in unserem lauten Stadtteil mit viel zu viel Beton, doch dann sehe ich immer wieder, dass wieder ein so stolzer Baumriese „ihren“ Sägen zum Opfer gefallen ist…
    Manchmal fühl ich dabei so viel Schmerz in mir, dass ich denke, wenn ich ihn nicht mehr aushalte, werden wir wirklich hier wegziehen müssen, raus in die Natur.
    Als Kind hatte ich einen Nußbaum zum Freund, er war mein Schiff, mein Haus, mein alles, und er stand im Garten meiner Großeltern. Jahre später sah ich, dass ihn die Nachbesitzer einfach enthauptet hatten, dieser Schock und Schmerz ist noch in mir, aber ebenso sein wundervolles Bild, wie seine so prachtvolle Säuselkrone sich sanft im Sonnenlicht wiegt, mich mit Geborgenheit umgibt und mir die wundervollsten Geschichten zuraunt.
    Sei lieb umärmelt und liebste Grüße auch an deine wundervolle Chaostochter.
    Herzlichst
    tüftelchen

  3. Gerade gestern habe ich einen Baumstumpf gesehen, der Baum war erst kürzlich gefällt worden. Dieser Stumpf war fast so groß wie mein Bett, beeindruckend riesig! Den Baum kannte ich auch, da wirkte der Stamm aber irgendwie nie sooo dick, ich war doch überrascht. Aber ich konnte sofort sehen, warum der Baum abgesägt werden mußte: abgesehen von einem ca. 5-10 cm breiten Rand außen war der komplette Stamm durch und durch morsch, ich habe mich auf die Schnittfläche gestellt und bin einige cm eingesunken. Und da der Baum direkt neben dem Bahnhof stand, war das vermutlich zu unsicher, der hätte ja beim nächsten Sturm umfallen können. Es wurde auch sofort ein neuer Baum daneben gepflanzt. Der muß zwar noch lange wachsen, aber auch der große war ja mal klein. Und die Bedingungen an der Stelle scheinen für einen solchen Baum dort ja gut zu sein.

  4. Pingback: aaPzm² – „oben ohne“ « das Leben einer etwas anderen Kleinfamilie

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