Therapie 5/2011

Themen:

  • Reflexion des Rosenmontags und des Treffens mit Svea
  • Bericht über momentan nicht ganz funktionierenden Haushalt
  • kurzes Gespräch über die Zwerge
  • sie zeigte mir ein Buch über Asperger, welches sie sich gekauft hat und als Urlaubslektüre mitnimmt ( auch dieses hat sie sich gekauft)
  • kurze Schilderung der momentanen Situation im Bezug auf F.
  • Hauptthema: Blickkontakt, bzw Blick ins Gesicht

Anknüpfend an das letzte Gespräch (Spiegel-Blickkontakt) erzählte ich ihr wann es mir möglich ist in Gesichter zu schauen, dabei ist mir bewusst geworden, dass ein Gesicht für mich ein Objekt ist.  Ein Objekt, das ich nur ansehe, wenn es in direktem Zusammenhang steht zu dem Gesagten bzw. zu der Situation (bspw. Chaostochter über die Wange streiche).

Ein Gesicht ist unbeständig, es ist durch ständige Veränderungen und damit verbundenen immer wieder neuen Informationen schwer zu betrachten. Aus diesem Grund wird es nur so lange wie nötig angesehen um beispielsweise verbal geäußerte Informationen zu diesem „Objekt“ zu bestätigen. Komme ich in eine neue Situation scanne   ich zuerst meine Umgebung ab und halte Fixpunkte fest. Es muss eine gewisse Beständigkeit da sein, etwas das gleichbleibend ist und somit Sicherheit vermittelt. Das Gesicht ist wohl ,bis auf den kurzen Blickkontakt zur Begrüßung, das letzte was ich anschauen würde.  Meine Therapeutin war der Meinung das Gesicht ist etwas beständiges  da sich niemand innerhalb weniger Tage oder Wochen einer Schönheits-OP unterzieht. (Ausgenommen von dieser Beständigkeit hat sie hier Menschen die sich oft unterschiedlich schminken.)

Ich kann ihre Meinung jedoch nicht teilen, denn gerade das Gesicht ist ein Objekt das sich ständig verändert. Innerhalb von Sekunden, denn dafür sorgen 26 Gesichtsmuskeln, die ständig in Bewegung sind. Diese Muskelbewegungen verursachen ein immer wieder neues Bild, es gibt keine Beständigkeit im Gesicht, die visuelle Wahrnehmung muss sekündlich neue Bilder abspeichern und verarbeiten und dies ist für mich einfach unmöglich, weil die Konzentration es einfach nicht zulässt. Hinzu kommt, das jedes Gesicht andere Strukturen aufweist, ein Gesicht kann viele Bedeutungen haben und muss somit immer wieder in unterschiedliche  Funktions-Kategorien eingeteilt werden.

Nehmen wir zur Veranschaulichung eines Gegenbeispiels als Objekt den Baustein: Er liegt still auf dem Tisch, ich kann seine Position genau wahrnehmen, seine Farbe, seine Struktur, seine Form – nichts ändert sich.  Ich kann ihn sofort in die Kategorie „bauen“ einsortieren. Es ist mir daher möglich diesen Baustein, nachdem ich seine Eigenschaften kenne minutenlang anzusehen und dabei zu sprechen oder zuzuhören und bin nicht ständig damit beschäftigt visuelle Wahrnehmungen neu zu sortieren. Dieser Baustein bietet Fixpunkte, gerade Linien, Beständigkeit – etwas was ein Gesicht, gerade im Gespräch, nicht tut.

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2 Kommentare zu “Therapie 5/2011

  1. Vielleicht hätte Deine Therapeutin „Animals in Translation“ bzw. die deutsche Ausgabe „Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier“ mitnehmen sollen. 😉 Ich finde das Buch immer interessanter. Und es ist auch schön geschrieben und flüssig lesbar.

    Warum schreib ich das jetzt hier? Weil ich gerade vorhin darin gelesen habe, daß Autisten keine Details filtern können, sondern immer die Gesamtheit aller Informationen verarbeiten. Bei „normalen“ Menschen wird die Informationsflut, die sich aus der Gestik ergibt, bereits vorverarbeitet und teilweise verworfen, bevor sie bewußt wahrgenommen wird. Es findet also eine Informationsverarbeitung auf verschiedenen Ebenen statt.

  2. Hmm – also für mich ist ein Gesicht nicht beständig. Es verändert sich ständig.

    Die „Grundstruktur“ bleibt gleich, aber wenn ich empfindlicher bin (auch auf Geräusch usw weil eh schon zu viel Sinnesreizungen von außen), hab ich mit Gesichtern auch Probleme – als würde ich diese Grundstruktur, die ich da sonst sehe nicht mehr sehen, sondern nur noch die Veränderungen, das Stirnrunzeln, der Zug um den Mund (der sich ja auch beim Sprechen zwangsläufig ständig ändert), die Augen – das ist alles permanent in Bewegung und oft erkenne ich dann gar nicht mehr das Gesicht der Person, weil kein „Gesamtbild“ mehr entsteht/entstehen kann (weil sich das ja ständig ändert).

    Bin ich gut drauf und nicht empfindlich fällt mir das nicht auf – da merk ich die Veränderungen auch, aber es bleibt das selbe Gesicht – weil eben die „Grundstruktur“ dann mehr im Vordergrund ist und nicht die „Muskelbewegungen“ und Veränderungen.

    Von daher könnte gut sein, dass das bei dir eben immer so ist – weil ja die Informationsverarbeitung immer eher ungefiltert ist (was bei mir ja nur ist wenn ich überfordert bin und eh schon alles zuviel).

    In diesen Situationen sind Gesichter für mich wie diese Bilder, die sich permanent verändern, die kann ich dann nicht erfassen, weil es kein Gesamtbild ergibt, bis ich die linke und rechte Seite zusammengeführt in meinem Kopf – sind beide schon wieder anders (vereinfacht ausgedrückt).

    Weiß nicht ob das bei dir auch so ist – das fällt mir nur bei mir eben auf.

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