Therapie³ 2011

Das Hauptthema war in dieser Stunde die Struktur im Alltag. Momentan ist sie nämlich absolut nicht gut und aus  diesem Strudel muss ich herauskommen.

Zum einen funktioniert Haushalt eigentlich nur am Wochenende in der Woche fast gar nicht. Dadurch bleibt eine Menge liegen, was auch am Samstag und Sonntag nicht zu bewältigen ist, weil es gar nicht in die Tagesplanung gehört und zuviel wäre. Zum anderen ist die Zeiteinteilung auch für „meine Zeit“ momentan nicht zufriedenstellend und mehr als fragwürdig.

Am Wochenende funktioniert Hausarbeit vermutlich nur, weil ich mich nicht zurück ziehen kann, präsent sein muss, mich nicht in etwas vertiefen kann. Ich muss da sein, ganz da sein, weil Chaostochter mich braucht. In der Woche fehlt jemand für den ich präsent sein muss und so vertiefe ich mich in Spezialinteressen – im Internet lesen, recherchieren, beobachten, schreiben.  Was ich lese, aufnehme und verarbeiten muss (gerade was zwischenmenschliche Dinge betrifft, was das Verstehen von menschlichem Miteinander angeht)  strengt mich an und schnell holt mich die Müdigkeit ein. Ist die Erholungsphase dann vorbei, sprich habe ich 1-2 Stunden geschlafen, wird es auch schon wieder Zeit Chaostochter abzuholen. Fazit: Es wurde wieder nichts im Haushalt erledigt.

In der Therapiestunde haben wir nun also gemeinsam einen Alltagsplan aufgestellt, einen Wochenplan.

Das ist jetzt mittlerweile einige Tage her, doch ich konnte ihn nicht umsetzen. In der Theorie würde ich es so gerne tun, aber momentan habe ich das Gefühl komme ich alleine aus meiner jetzigen Zeitstruktur nicht heraus. Es ärgert mich meiner Therapeutin in der nächsten Stunde sagen zu müssen, das ich den Plan nicht umsetzen konnte. Doch ich fühle mich einfach hilflos und finde keinen Anfang. Es ist so fremd und nicht richtig. Am Dienstag 10 Uhr spülen ist fremd. Ich habe das Gefühl ich weiss nicht was ich tun muss, obwohl ich doch weiss wie spülen funktioniert.  Dies ist ein Beispiel von vielen, es geht mir mit allem so, das neu in meinem Wochenplan steht. Ich stehe dann da und versinke in mir, völlig überfordert.

Dieser Zwiespalt – zu wissen wie etwas funktioniert, es aber nicht umsetzen können ärgert mich so sehr, dass ich mich unbewusst erst recht in mich zurück ziehe. Das ganze führt dazu, das noch mehr Chaos ausbricht. So schlimm wie meine Küche in der letzten Woche  aussah, sah sie lange nicht aus. Keine einzige Waschmaschine habe ich bis Samstag angemacht. Warum?  Vielleicht weil die Frustration sich in mir eingräbt und ich mich mehr und mehr überfordert fühle sobald ich die Aufgabe auch nur sehe.

Ich glaube so wird das nichts!

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6 Kommentare zu “Therapie³ 2011

  1. Wegen dem Projekt, an dem ich gar nicht mitmache, bin ich hier her gekommen und hängen geblieben. Ich habe das Gefühl, es selber geschrieben zu haben. Ich bin auch ein Aspie und bei mir wurde es auch erst ganz späte erkannt. Ich denke, ich gucke in einen Spiegel, verzerrt zwar, aber ich erkenne mich wieder. Eine Tagesstruktur habe ich auch nicht und das macht mich kirre, ich mach das und das und das und dann wieder was anders und habe nichts vorzuweisen.

    Was ich jetzt eigentlich sagen wollte: ich wollte nach dem Twitternamen fragen und eventuell nach dem Passwort.

    Herzliche Grüße

  2. Uuh, so etwas Ähnliches kenne ich aus meiner depressiven Zeit. Damals war es für mich auch schwer, mit etwas anzufangen – wenn ich drin war, konnte ich es ohne große Schwierigkeiten fertigmachen, aber bis ich erstmal drin war, war es ein großer Kampf.
    Ich habe keine Lösung, aber ich leide mit.

  3. Ich komme mit meinem Hausfrauendasein auch kaum klar.
    Was manchmal hilft, ist Zwang. Also Abwaschwasser einlassen, auch wenn man keine Lust hat. Schon mal den Staubsauger oder das Bügelbrett bereitstellen.
    Meistens wasche ich dann direkt vor dem Essen ab, nutze den freigewordenen Platz, um das Essen vorzubereiten, und gebe dann die benutzten Sachen (oder einen Teil davon) auch noch ins Abwaschwasser.
    Ich habe allerdings auch schon mal das Bügelbrett nach 3 Tagen rumstehen wieder aus dem Weg geräumt … 😐
    Und am Stück die Wohnung zu putzen, ist mir noch nie gelungen.

    Seltsamerweise war ich zu Studienzeiten weniger nachlässig.

  4. Ich kenne dieses Gefühl gut. Wie oft stehe ich vorm Bett, sollte es eigentlich neu beziehen und bekomme es nicht hin. Ich weiß wie es geht, aber es funktioniert nicht. Das kann man durch eigentlich jede Arbeit im Haushalt ersetzen.

    Sobald mein Freund jedoch zu Hause ist und bei mir ist, mir zur Hand geht und/oder mich motiviert, dann klappt es auf einmal. Langsam, aber es geht…

    Bei mir liegt das laut Ärztin an Depressionen…aber so sicher bin ich mir da nicht.

    Ich kann dich also verstehen. Es ist schwierig so einen Wochenplan umzusetzen…

  5. @piri: Willkommen auf meinem Blog. Ich habe mich auch gerade bei Dir umgesehen und bin beeindruckt wie Ihr Euer Leben meistert. Bei Twitter hast Du eine DN.

    @stahldame: So geht es mir auch oft, wenn ich etwas begonnen habe ist es kein Problem, da ja dann auch der Zwang besteht es zu Ende zu machen. Was auch nicht bei allen Aktivitäten förderlich ist.

    @Hesting: Das würde bei mir absolut nicht funktionieren. Das Bügelbrett steht sowieso immer offen im Schlafzimmer, der Staubsauger ebenfalls. Bei mir ist es wirklich das Gefühl überfordert zu sein. Ich könnte den Sauger in die Hand nehmen und schon macht sich eine dermaßen innere Unruhe breit, weil es nicht passt, weil es nicht der Zeitpunkt zum saugen ist. Im Endeffekt stelle ich ihn dann wieder an seinen Platz. Zwischendurch saugen funktioniert nur, wenn es mir gut geht, wenn ich auch in mir ruhig bin und von selbst das Gefühl verspüre jetzt saugen zu können. (auch bei anderen Aktivitäten)

    @fabi: Als ich damals meine Freundin hatte, die mich unterstützte konnte ich die Arbeiten auch besser ausführen. Woran dies liegt weiss ich nicht. Sie konnte mich etwas anstupsen, wenn auch nicht jeden Tag(!) und gemeinsam haben wir dann Aufgaben erledigt. Einiges hat sie auch komplett übernommen. Diese Aufgaben sind nun für mich auch schwieriger, da sie nie in meine Tagesplanung gehörten und nun irgendwie untergebracht werden müssen.

  6. Irritierenderweise könnte ich im elterlichen Haushalt auch dauernd zwischen Küche und Waschkeller herumwuseln – aber bei mir daheim? *kopfschüttel*

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