da war es wieder … (2/2)

Es sind vielleicht 2 Minuten vergangen, vielleicht mehr, vielleicht weniger, bis ich aus der Kabine trete um die Hosen zurück zu bringen. Hier gibt es an den Umkleiden keine Ständer an denen ich die Hosen aufhängen kann um sie möglichst schnell loszuwerden. Sie fühlen sich jetzt noch fremder an in meinem Arm. Noch fremder, weil sie solch ein unangenehmes Gefühl in mir hervorgerufen haben. Der Weg zu dem Platz an dem ich die Hosen entnommen habe scheint mir weiter zu sein als zuvor.  Ordentlich  lege ich die Hosen zurück, achte darauf das sie genau so auf dem Stapel liegen wie auch alle anderen darunter, dann verlasse ich das Gebäude Langsam gehe ich in Richtung des zweiten Geschäfts. Auf dem Weg dorthin komme ich an „meiner“ Buchhandlung vorbei. In mir spüre ich, das die gerade vollzogene Aktion mich doch mehr anstrengte als ich es glaubte. Die  Flut der visuellen Reize, die Flut der akustischen Reize durch Stimmen der Kunden und Musik aus den Lautsprechern, die Flut der unangenehmen Gefühle, all das war für den Moment ausreichend.

In der Buchhandlung finde ich Sicherheit, denn dort gibt es einen abgegrenzten Raum mit kostenlos zur Verfügung stehenden Computern. „Mein Platz“ ist frei und so kann ich in die mir bekannte virtuelle Welt abtauchen. Nur vertraute Webseiten besuche ich und das Gefühl von Bekanntheit wird in mir immer stärker. Nachdem ich meine Sitzung im Internet beendet habe bin ich soweit, das ich in das nächste Geschäft gehen kann. Hier ist es schon schwieriger etwas zu finden, denn es gibt hier einfach zu viele verschiedene Stellen an denen eine Hose sein könnte. Zuerst suche ich wieder die mir bekannten Orte auf, dort wo ich immer schaue und dies auch in gewohnter Reihenfolge. Am Ende halte ich wieder 3 Hosen in der Hand die mir einigermaßen gefallen. Schlicht und einfach. Mein Weg geht nun also zu den Umkleiden und ich muss feststellen, dass „meine“ Umkleide besetzt ist, 4 andere sind noch frei. Am Rand bleibe ich stehen und warte. Zwischendurch scheinen mich einige Kunden zu fragen ob ich nicht in eine Kabine möchte, doch mit einer Handbewegung versuche ich ihnen deutlich zu machen, das sie weitergehen dürfen. Eine Verkäuferin fragt mich ob alles in Ordnung sei, da bemerke ich, das ich wieder einmal in mir verschwunden war.  Wieviel Zeit ist wohl vergangen?

„Ja“ sage ich leise zu ihr und sehe, das nun die Kabine frei ist, gehe hinein. Die Hosen fühlen sich wieder einmal viel zu fremd an, keine gehört zu mir. Eine sitzt etwas lockerer und das Gefühl ist etwas angenehmer, doch aus Erfahrung weiss ich, das diese Hose dann im Endeffekt vielleicht zu groß sein wird. Schon oft habe ich Jeans gekauft, die sich beim anprobieren nicht so in meine Haut einbrannten, die locker saßen und ein angenehmeres wenn auch noch befremdliches Gefühl verursachten. Was soll ich nun also tun? Passt mir eine dieser Hosen oder nicht? Wenn sie mit meinem Waschmittel gewaschen wären, sich bereits an mich angepasst hätten würde ich es wissen. Aber jetzt sind sie fremd. Sie riechen falsch, sie erzeugen unangenehme Gefühle. Ich überlege ob ich die etwas lockerer sitzende Hose mitnehmen soll, doch eine Entscheidung fällt mir schwer. Ich könnte sie wieder umtauschen, wenn sie auch zu Hause in meinem sicheren Umfeld noch immer unangenehme Gefühle hervorruft. Irgendwie hänge ich aber doch alle 3 Hosen vor den Umkleiden auf den Kleiderständer und gehe noch eine kleine Runde durch das Geschäft. Wirklich eine Runde, ohne Ecken oder Quergänge. Eigentlich völlig ohne einen Sinn, denn ich schaue ziellos und mit leerem Blick umher und nehme momentan irgendwie gar nichts wahr. Meine Sensoren sind ausgereizt.
Mit diesem Gefühl gehe ich auch nach Hause. In das dritte Geschäft schaffe ich es nicht mehr und ich weiss auch nicht, wann ich wieder die Kraft aufbringen kann erneut gezielt wegen einer Hose in die Stadt zu gehen. Was zu Hause folgt ist ein typischer Overload – Übelkeit, Kopfweh, erschöpft, gereizt …

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3 Kommentare zu “da war es wieder … (2/2)

  1. Hallo! Ich lese hier erst seit ein paar Tagen mit, ich freue mich, dass Du Deinen Alltag und Nicht-Alltag mit uns teilst!

    Daher weiß ich nicht, ob Du es schonmal probiert hast oder ob es für Dich gar nicht in Frage kommt. Aber ich mache es regelmäßig so: Hosen online bestellen, zu Hause anprobieren und ggf. alle wieder zurückschicken.

    Liebe Grüße
    Christina

  2. Ach, habe eben gelesen, dass Du die Frage ja schon im vorherigen Post beantwortet hast. Die Probleme mit der Verfügbarkeit hören sich nach H&M an, bei Esprit z.B. hatte ich das noch nie.
    Liebe Grüße

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