der Wolf und sein graues Grundstück

In meinem Heimatort, dem Ort an dem ich die ersten Jahre verbrachte gab es einen Wolf. Nein, nicht das Tier! Es war ein alter Mann mit einem langen grauen Bart und einem Gewehr. Warum er für mich der Wolf war, kann ich nicht sagen, doch dieser Mann machte mir Angst. Im Ort erzählten die Kinder sich gegenseitig, dass er eine Waffe hat und er würde hinter der Tür lauern um Kinder zu erschrecken, sogar auf Kinder geschossen haben soll er schon.  Manchmal spielten die Jungen und Mädchen Klingelmännchen und schellten gerade bei diesem Mann, ich konnte nicht verstehen, warum sie ihn weiter provozierten wo er doch so gefährlich war. Sein Haus war alt und die Gardinen hingen schräg an den Fenstern, die Hofeinfahrt war sehr uneben und bestand nur aus Sand und Schotter. Von der Strasse aus konnte man in seinem Hinterhof sehen, dort waren jede Menge Gruben, alte Baugeräte standen herum, eine alte Hundehütte moderte vor sich hin. Auch der Vorgarten sah  herunter gekommen aus, alles war grau und trist. Eine unheimliche Umgebung und noch heute sehe ich keine Farben, wenn ich an dieses Haus denke. An diesen Mann kann ich mich auch kaum erinnern, ich weiss nicht einmal ob ich ihn je gesehen habe, ob dieses Bild vom alten Mann mit dem grauen Bart und dem Gewehr in der Hand eine innere Vorstellung ist oder wahr. In diesem Haus lebte ein alter Mann, das war sicher, aber war es wirklich der Wolf ? Jahrelang veränderte sich kaum etwas, noch immer standen die Baugeräte auf dem Hof, noch immer hingen die Gardinen schräg herunter, noch immer moderte die Hundehütte vor sich hin. Irgendwie musste ich mir diese Umgebung immer wieder ansehen, die Beständigkeit die dort herrschte faszinierte mich. Sehr nah an das Grundstück ging ich nie, immer versteckte ich mich hinter einer Hecke auf der anderen Strassenseite. Durch ein kleines Loch beobachtete ich dieses graue Haus, die schrägen Gardinen und die scheinbar schlafenden Geräte auf dem Hof. In mir herrschte Angst, Anspannung und doch innere Ruhe. Der Wolf war tagsüber nie zu sehen, man erzählte sich, dass die Gefahr erst bei Eintritt der Dunkelheit lauerte.

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