Änderung der Tagesstruktur, Terminstress und weitere Unannehmlichkeiten

Schon am Donnerstag änderte sich mein Tagesplan für Freitag. Eine Erzieherin sprach mich an, ob ich Chaostochter am nächsten Tag später abholen könnte, da sie mit einigen Kindern ausser Haus sein wird und sie erst zum Ende der Betreuungszeit wieder zurück wären, Chaostochter würde sie sehr gerne mitnehmen. Anfangs bejahte ich, wie so oft auf spontane Fragen, doch dann erinnerte ich mich, das wir zum Geburtstag eingeladen waren und es somit nicht möglich war sie so spät abzuholen. Immerhin hätten wir noch eine Fahrt von 42 Minuten vor uns gehabt und wären somit erst am Abend auf dem Geburtstag. Da jedoch das „Ausflugsziel“ eine gute Verbindung hatte zu der Bahn mit der wir zum Geburtstag fahren würden, und von da aus die Fahrt auch nur 12 Minuten dauern würde, vereinbarte ich mit der Erzieherin Chaostochter am Ende  der  „Veranstaltung“ gegen 14.00 Uhr direkt vor Ort abzuholen. Den Ranzen würde ich zuvor aus der Schule holen.

Am Abend plante ich nun den neuen Tagesplan für Freitag. Ich ärgerte mich, dass ich noch immer keine konkrete Idee für ein Geburtstagsgeschenk hatte und somit einige Zeit in der Stadt einplanen musste.

Nachdem ich also Chaostochter am nächsten Morgen in die Schule gebracht hatte, ging ich direkt zur U-Bahn Haltestelle, denn der Weg nach Hause war nicht lohnenswert. Die erste Bahn liess ich vorbei fahren um nicht zu früh vor Ort zu sein und nahm die darauffolgende. Während der Fahrt dachte ich über ein Geschenk nach und tatsächlich fiel mir etwas ein. Zu Hause hatte ich noch einen neuen original verpackten Pizzateller aus Holz mit dazugehörigem 7-teiligen Pizzabesteck,  ich würde noch einige Leckereien wie Käse, Grissini, Rotwein holen und so ein kleines Präsent zusammenstellen.

Als  ich aus der Bahn ausstieg hatte ich noch 30 Minuten Zeit bis zum Zahnarzttermin, ich bin immer überall viel zu früh vor Ort, jedoch nutzte ich die Zeit um noch ein wenig zu laufen. Laufen lenkt mich ab. 5 Minuten vor dem Termin ging ich in die Praxis und wurde freundlich begrüßt. Im kleinen gemütlichen Wartezimmer saß ich alleine, die Tür aus Milchglas war geschlossen. Ich füllte den Anmeldebogen aus, da dies mein erster Besuch in dieser Praxis war und wartete anschließend darauf von der Assistentin abgeholt zu werden.  Leider dauerte dies etwa 10 Minuten und meine Anspannung wuchs.  Im Behandlungszimmer nahm ich auf dem Stuhl Platz und hielt meine Decke fest im Arm, meine Stulpen hatte ich ebenfalls angelassen. Der Zahnarzt begrüßte mich sehr freundlich und unterhielt sich anfangs nur mit mir, stellte  Fragen zum bisherigen Verlauf meiner Zahnarztbesuche und war sehr einfühlsam. Er fragte ob ich meine Decke gerne auseinanderfalten möchte um sie über den gesamten Körper zu legen, doch dies verneinte ich und hielt sie einfach so wie sie war im Arm. Ganz behutsam ging der Zahnarzt vor und erklärte jeden Schritt den er machen würde. Nach dem Röntgenbild gab es die Option den Zahn zu ziehen oder mehrere Behandlungen durchzuführen um ihn zu erhalten. Für Letzteres entschied ich mich.  Als erstes setzte er nun die Betäubungsspritze und verliess für einige Zeit den Raum.

In dieser Zeit dachte ich über meinen Tagesplan nach, denn mein Zeitplan geriet schon jetzt durcheinander. Schon jetzt verbrachte ich mehr Zeit in der Praxis als ich anfangs eingeplant hatte. Dieser Zeitdruck verursachte, dass ich in mich ging und die Aussenwelt ausblendete. Erst einige Minuten später kam ich wieder im Raum an und machte mir bewusst wo ich war, es war erstaunlich für mich, dass ich für einen Moment vergessen konnte auf dem Zahnarztstuhl zu sitzen.  Wenige Minuten später begann die Behandlung bei der ebenfalls sehr behutsam gearbeitet wurde. Zum Abschluss bekam ich einen Anschlusstermin für die nächste Woche und konnte nach 71 Minuten die Praxis verlassen.

Ich hatte nur noch 2,5 Stunden um für den Geburtstag  einzukaufen, den Ranzen zu holen, das Geschenk zusammenzustellen und den Bus zu bekommen, der zum Abholort von Chaostochter fuhr. Zudem musste ich noch mit der Bahn 20 Minuten zurück fahren. Während der Wartezeit beim Zahnarzt beschloss ich bereits alle Utensilien für das Geschenk in diesem Stadtteil einzukaufen, anschliessend heim zu fahren, das Geschenk zusammenzustellen, den Rucksack für die Übernachtung zu packen, als nächstes den Ranzen zu holen um dann rechtzeitig zum Bus zu kommen. Soweit gelang mir dies recht gut.

Im Bus bekam ich den Anruf der Erzieherin, dass ich etwas später vor Ort sein könnte, doch ich war bereits auf dem Weg, wieder einmal geplant 15 Minuten zu früh und nun noch 30 Minuten mehr Wartezeit.  So saß ich in der Kälte an der Bushaltestelle und wartete darauf, dass die Erzieherin mit den Kindern eintraf, was nach 40 Minuten der Fall war.

Mit Chaostochter fuhr ich nun zum Geburtstag. Gegen 15.30 Uhr kam meine Schwester mit ihrer Tochter hinzu, die jedoch nach 30 Minuten vorerst wieder gingen, da sie gerade renovieren (im selben Haus). Bis 16.30 Uhr waren wir die einzigen Gäste, dann stiessen nach und nach weitere Personen hinzu. Schon jetzt spürte ich eine innere Unruhe.  Wir waren nun  7 Personen am Tisch, Chaostochter setzte sich von Anfang an nicht dazu und zog sich immer in andere Räume zurück. Wir aßen gemeinsam, doch ich bekam kaum etwas herunter, auch Getränke verweigerte ich bereits vorher. Immer mehr zog ich mich in meine Innenwelt zurück, verschwand immer mehr in der Ecke.

Es war laut und alle redeten durcheinander, zu viele Bilder, zu viele Geräusche. Dann wurde auch noch Musik angemacht und ich konnte nichts tun, hätte am liebsten den Recorder wieder ausgemacht. In meinem Kopf dröhnte es, alles tat weh. Ich schaffte es, mich aus dieser Lage zu befreien und ging in den Nebenraum zu Chaostochter, sie lag auf dem Bett und las in einem ihrer Comics. Ich legte mich zu ihr und blieb dort etwa 30 Minuten liegen, dann sagte ich ihr, dass ich gerne nach Hause würde, doch sie wollte dort bleiben und wie geplant dort übernachten. Sie hatte sich sogar bereits ihr Schlafzeug angezogen.

10 weitere Minuten vergingen und ich kehrte zurück in die Küche in der alle Gäste beisammen saßen. Noch immer sprachen alle durcheinander, mittlerweile war auch mein Bruder eingetroffen, die Musik lief und es dröhnte in meinem Kopf. Keine 2 Minuten später stand ich wieder auf, ging zu Chaostocher, erklärte ihr, dass ich überfordert sei und wir nach Hause fahren werden. Sie verstand dies und zog sich nun wieder um. Dem Gastgeber teilte ich meine Entscheidung ebenfalls mit und es wurde auch direkt erkannt, dass mir alles zuviel war. Die 42 minütige Fahrt nach Hause war unheimlich, aber mit Chaostochter an meiner Seite machbar und wesentlich besser, als die Geräusche und Überforderung auf dem Geburtstag. Zu Hause schlief ich recht schnell ein, doch die Übelkeit und das Kopfweh welches vom Overload verursacht wurde, begleiteten mich noch durch den gesamten Samstag.

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3 Kommentare zu “Änderung der Tagesstruktur, Terminstress und weitere Unannehmlichkeiten

  1. Das kenn ich auch nur zu gut, dass es mir teilweise total zuviel wird, wenn viele Menschen durcheinanderreden und dazu noch Musik läuft. Da hab ich dann immer ne totale Reizüberflutung, zieh mich immer weiter in mich zurück und verlasse dann letztendlich geknickt die Situation. Ich denke nicht, dass das „typisch Aspie“ ist – ich hab ne andere Krankheit und kenn das wie gesagt auch sehr gut ;).

  2. Willkommen auf meinem Blog Tialda!

    Sicher ist dies nicht nur „Typisch Aspie“, es ist aber auch nur ein kleiner Einblick von dem Tag. 😉 Eine grobe Zusammenfassung sozusagen. Genau genommen war mir schon der erste zusätzliche Besucher zu viel und schon da konnte man es an meiner Körperhaltung erkennen, dass ich mich in mich verkroch. Ab dem Moment sprach ich auch nicht mehr bis auf einige wenige Worte. Konnte auch nicht mehr trinken und essen.

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