Entscheidungen treffen

Mittlerweile nun schon seit fast einem Jahr stellt sich mir die Frage, ob ich die  Rente beantragen sollte. Meine Therapeutin spricht sehr dafür, ebenso meine Mutter. In mir jedoch tauchen viele Ängste und Zweifel auf. Werde ich finanziell schlechter da stehen als jetzt? Leider habe ich es noch immer nicht geschafft eine Beratungsstelle diesbezüglich aufzusuchen, vermutlich muss ich erst jemanden finden, der mich dorthin begleitet. Meine Ängste kreisen wirklich hauptsächlich um die finanzielle Situation,  bisher habe ich in Foren nur von Berenteten lesen können, die  alleine leben und nicht noch ein Kind versorgen müssen. Momentan zahle ich für den  Mittagstisch der Kleinen nur einen Euro pro Tag, die  Kosten für die Klassenfahrten werden vom Arbeitsamt übernommen.  Sollte ich nun vielleicht mit Rente das gleiche Einkommen haben wie zur Zeit, fallen doch erhebliche Mehrkosten an, die momentan das Arbeitsamt übernimmt? Auch die Krankenkassenbeiträge werde ich selbst zahlen müssen. Was bleibt uns am Ende übrig, genauso viel wie jetzt, weniger oder mehr?

Ebenso frage ich mich ob Chaostochter noch einen Anspruch auf die Nachmittagsbetreuung hat, wenn ich berentet bin und somit offiziell fest steht, dass ich nicht mehr arbeiten gehen werde. Für uns ist die Nachmittagsbetreuung sehr wichtig, da Chaostochter dort ihre sozialen Kontakte pflegen und ich meine Alltagsstruktur beibehalten kann. Auch habe ich Angst vor Überforderung, sollte Chaostochter bereits ab Mittag täglich meine ganze Aufmerksamkeit benötigen. Vermutlich hört sich das an, als würde ich Chaostochter „abschieben“, dies ist aber nicht der Fall. Eher  trifft das Gegenteil zu, durch den strukturierten Alltag und die verminderte Zeit mit ihr ist das Beisammensein viel entspannter und qualitativ wertvoller. Ich kann mich besser auf sie einlassen und brauche während der gemeinsamen Zeit weniger Ruhepausen.
Momentan nehme ich keine weitere Hilfe in Anspruch um unsere Existenz stabil zu halten. Wir kommen relativ gut mit den finanziellen Mitteln klar, gönnen uns auch mal etwas Aussergewöhnliches, unternehmen viel, ich besitze ein Monatsticket und bis letztes Jahr hatten wir auch eine Jahreskarte für den Zoo. Ich versuche vieles für Chaostochter möglich zu machen, wenngleich auch nicht alles möglich ist (Musikschule, Schwimmverein etc.). Einige Male dachte ich darüber nach die Hilfe der Tafel in Anspruch zu nehmen, da ich  jedoch bisher immer ausgekommen bin, wagte ich diesen Schritt noch nicht. Natürlich würde dies auch vieles erleichtern, gerade in Monaten wie diesen (Chaostochter`s Geburtstag + Feier, Geburtstag der Mutter und des Bruders, Weihnachten, Silvester), aber es ist befremdlich, sicher gibt es andere Menschen denen es schlechter geht als uns und die es eher benötigen.
Wie jedoch wird es aussehen, sollte ich wirklich die Rente beantragen? Was wird sich ändern in unserem Leben?  Vor Veränderungen habe ich große Angst. Ich möchte in meinen geschützten 4 Wänden wohnen bleiben und ich möchte auch weiterhin absichern können, das ich Chaostochter alles bieten kann, was sie für ihre Entwicklung benötigt.

Der zweite Aspekt wäre, dass ich mir eingestehen muss tatsächlich in den nächsten Jahren nicht mehr arbeiten zu können. Es ist schwer für mich zu akzeptieren, das ich immer Schwierigkeiten haben werde auf dem 1. Arbeitsmarkt. Wozu habe ich meine erste Ausbildung mit einem Notendurchschnitt von 1,2 abgeschlossen? Ich habe doch bereits in einem sozialen Beruf gearbeitet, warum sollte dies nicht mehr möglich sein?  Nur weil ich jetzt die Diagnose habe? Weil ich jetzt ein Kind habe und meine Belastbarkeit damit schon ziemlich ausgelastet ist? Früher habe ich versucht mich anzupassen, habe es hingenommen das vieles nicht möglich war, bin oft an meine Grenzen gestoßen, musste auch aus diesem Grunde  schon kündigen und Dinge aufgeben. Aber, ich kann doch mehr als zu Hause sitzen und nur meinen Alltag strukturiert abarbeiten um nicht überfordert zu sein, oder?  Werde ich wieder eine Chance bekommen, wenn auf meinem Lebenslauf eine Rentenzeit angegeben ist? Fragen über Fragen. Was wird das neue Jahr wohl bringen?

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5 Kommentare zu “Entscheidungen treffen

  1. Viele Fragen kann ich dir nicht beantworten, aber einige schon: die Rente bekommt man anfangs in der Regel nicht „lebenslang“ sondern befristet, ab der 2. oder 3. Verlängerung dann für immer – doch du kannst sie jederzeit „zurückgeben“ – also wenn sich deine Situation ändern und du wieder in den Beruf einsteigen willst – ist das möglich (auch schrittweise).

    Bei mir ist die Rente etwas höher als die Grundsicherung. Die Grundsicherung steht dir auch mit Rente zu – bedeutet: wenn du mit der Rente drunter bist, kannst du Wohngeld und Grundsicherung beantragen – soweit ich weiß ist das nicht unter dem Hartz IV -Satz (bin mir da aber nicht ganz sicher).

    Allerdings ist dann nicht mehr das Arbeitsamt zuständig sondern dass Sozialamt. Da kann man dann auch Zuschüsse beantragen (in welchem Rahmen weiß ich leider nicht, da das für mich nie nötig/möglich war).

    Eine Alternative zum Informieren: wäre für dich denkbar dich an einen Sozialarbeiter zu wenden? Sozialpsychiatrischer Dienst oder psychiatrische oder psychosomatische Ambulanzen haben in der Regel Sozialarbeiter die grade in diesen Dingen meist ziemlich fit sind bzw die nötigen Informationen für dich einholen können.

    Ist vielleicht einfacher als bei einem Amt oder offiziellen Stelle nachzufragen (ging mir zumindest so). Zumal die ja auch mit den Eigenheiten best. Diagnosen oft besser umgehen können.

  2. Ich bilde mir ein, mal gelesen zu haben, daß es auch eine temporäre Verrentung/Arbeitsunfähigkeit gibt, z.B. bei Bandscheibenproblemen.

    Ansonsten scheinst Du ja Vor- und Nachteile sehr systematisch abzuwiegen. Gut so. 🙂

  3. Bei mir stand die Rente auch schon im Raum. Ich hab mich bisher allerdings auch gesträubt. 😉 Von daher bin ich wohl nicht der beste Anlaufpunkt um dich davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist… Ansonsten kann ich mich allerdings nur wiederholen…

    Vielleicht solltest du wirklich über eine Betreuung nachdenken… die könnte dir auch aktiv bei dem Kistenproblem helfen.

    Und:

    „Leider habe ich es noch immer nicht geschafft eine Beratungsstelle diesbezüglich aufzusuchen, vermutlich muss ich erst jemanden finden, der mich dorthin begleitet.“

    Ich würde mitgehen. Ernsthaft. Aber ich werde dir kaum ein Treffen mit mir aufdrängen, auch wenn ich glaube, dass es relativ stressfrei von statten gehen könnte 😉

    • Manchmal denke ich wirklich, es wäre eine Betreuung sinnvoll, aber ich glaube ich bin zu ehrgeizig und möchte alles alleine schaffen. Es hat ja bisher auch immer geklappt, aber da hatte ich zum Teil auch noch Unterstützung von einer Freundin.

      Wir werden es mit dem Treffen noch schaffen, ganz bestimmt, spätestens wenn Strubbel einfliegt, ich bin nämlich (bewusst) nach dir dran 😉

  4. Betreuung kann ich nur empfehlen – ist ja nicht so, dass die für dich die Sachen machen, sondern dich da unterstützen wo du es möchtest – sei es dass sie dich fahren oder eben begleiten oder einen Wochenplan mit dir erstellen (z.Bsp wenn du dann zwei Stunden an irgendeinen Tag für Sachen einplanst die nicht in die Alltagsroutine passen, da kannst du dann jede Woche mit Betreuung gucken was du in diesen 2 Stunden das nächste mal machst – war für mich hilfreich, weil das ja zu unkonkret war für mich für einen Plan).

    Auch die Anzahl der Stunden kannst du ja anpassen und wenn du merkst geht nicht – kannst du es auch wieder beenden.

    Die Stunden gehen von 1-8 die Woche – und wenn du da 2 oder 4 die Woche erstmal hast – musst du die auch nicht nutzen – aber kannst.

    Ich bin heilfroh über diese Hilfe – aber auch ich hab mir schwer getan diesen Schritt zu gehen – dieses „selbst machen wollen“ kenn ich auch 🙂

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