Redewendungen übersetzen

Nicht selten kommt es vor, das Chaostochter mich nach der Bedeutung einer Redewendung fragt. Da mir selbst Redewendungen immer sehr suspekt waren und ich sie nie verstand, gab es eine Zeit in der ich mich durch viele Bücher las die mir einigermassen Erklärungen boten.  Dieses angeeignete Wissen hilft mir nun auch Chaostochter Redewendungen verständlicher zu machen.  Jedoch gelingt mir dies nicht immer und ich kann ihr in diesen Fällen nur Beispielsituationen nennen in denen diese Redewendung angewendet wird.
Heute nun stand ich wieder vor dem Problem, das ich eine Aussage nicht erklären konnte. Sie fragte mich: “Mama, was heisst eigentlich leck mich?” Ersteinmal war ich etwas sprachlos, aber Kinder gerade im Schulalter hören eben doch sehr viel, vor dem man sie gerne schützen würde. Viel erstaunlicher jedoch fand ich, dass sie es in einem Kindercomic gelesen hat.  
Ich erklärte ihr das dies eine Abkürzung für einen verlängerten Satz ist. Warum er jedoch gesagt wird konnte ich ihr nicht erklären. Für mich ist dieser Satz sehr unschlüssig und ich finde keine Logik warum er angewendet wird.
Bei Redewendungen wie “Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.” habe ich gelernt das die genetische Zugehörigkeit gemeint ist. Aber zu dem von Chaostochter genannten Satz, fiel mir kein Zusammenhang ein. Gibt es eine logische Erklärung wie dieser Satz entstanden ist? Es gibt ja Redewendungen die aus früherer Zeit stammen und dort ihren Sinn finden. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, das diese Aussage tatsächlich irgendeinen Ursprung hat. Meines Wissens nach wird diese (sehr negative) Aussage angewendet, wenn ich keinen Kontakt mehr mit meinem Gegenüber wünsche. Wenn jemand mir aus dem Weg gehen soll, mich in Ruhe lassen soll, dann fordere ich ihn doch nicht auf mir körperlich näher zu kommen. Diese Aussage ist einfach zu widersprüchlich. “Lass mich jetzt bitte in Ruhe.” oder “Ich möchte darüber jetzt nicht mehr reden.” wäre doch in diesem Fall wesentlicher sinnvoller.  So habe ich es zumindest an Chaostochter weiter gegeben.

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5 thoughts on “Redewendungen übersetzen

  1. Auf der Suche nach einer Erklärung kam mir gerade “Du kannst mich mal …” in den Sinn. Auch so ein seltsamer Spruch, oder? “Du kannst mich mal …” – ja, was eigentlich? :D

  2. als ich als Kind solche oder ähnlich Fragen hatten (z.B. “warum heißt Sauerstoff Sauerstoff, der ist doch nicht sauer”), haben wir an “Die Sendung mit der Maus” geschrieben, da kam innerhalb ein paar Tagen immer eine Antwort. Vllt hilft das dir/euch ab und zu. Nicht speziell in diesem Fall, aber allgemein.

  3. Wenns um die Anwendung geht findest du hier die meisten gängigen Redensarten: http://www.redensarten-index.de/suche.php

    Die Herkunft ist manchmal schwieriger herauszufinden. Ich habe mal etwas gegoogelt und herausgefunden, dass der Spruch “Leck mich am Ar*” ursprünglich von Goethe stammt.
    Die Kurzformen “Leck mich doch”, “Du kannst mich mal..”, “Du kannst mich mal kreuzweise” (entweder von ‘kreuz und quer drüber’ oder ‘am Kreuz/Gesäss’) etc sind einfach gesellschaftsfähiger, da ein feiner Mensch das Wort Ar* nicht in den Mund nimmt. (Ich nehme es hier ja nichtmal in die Tastatur :)
    Die Bedeutung kann man sich mit diesem Hintergrund ja gut vorstellen, man wünscht dem Betreffenden einfach etwas ganz ekliges, unangenehmes.
    Solche Sprüche können sich aber auch wandeln. Bei uns in der Schweiz sagt man zum Beispiel noch verkürzter “Leck!” und meint damit durchaus positiv “Wow!”

    Das mit dem Apfel und dem Stamm ist eine Analogie, wie das Sprichwörter meistens sind. Der Apfel stammt ja (hier ist auch wieder das Wort ‘Stamm’ drin) vom Apfelbaum – und nicht etwa vom Birnbaum. Wenn man in einem Garten steht und beim einen Baum dicht daneben einige Äpfel liegen sieht und unter dem anderen Baum einige Birnen, dann kann man also relativ sicher sein, dass das eine ein Apfelbaum und das andere ein Birnbaum ist. Denn Äpfel fallen eben nicht weit weg vom Stamm des Apfelbaums, sondern direkt daneben.
    Das kann man dann so auf Menschen übertragen, dass zum Beispiel jemand aus einer Akademikerfamilie (das wäre der Apfelbaum) selbst auch eher Akademiker (also ein Apfel) als vielleicht Fabrikarbeiter (eine Birne) wird.

    So, ich hoffe das hat jetzt nicht noch mehr verwirrt :)
    Ich liebe Sprichwörter und Redensarten, da steckt so viel dahinter was es zu erforschen und entdecken gibt.. könnte stundenlang darüber referieren ^^

    Danke übrigens für deinen Blog, den ich schon einige Zeit still lese, und mich an manchen Stellen sehr gut wiedererkenne.
    Lieben Gruss von Sprachwissenschaftler aus Aspifamilie, bei dem das Apfel-Stamm-System nur bedingt passt ;)

    • Hallo! Danke für die Erklärungen!!!

      Zitat: „man wünscht dem Betreffenden einfach etwas ganz ekliges, unangenehmes.“
      So habe ich das noch gar nicht gesehen. Da merke ich wieder, das ich die Worte wahrnehme
      und nicht das dahinterstehende.

      Zitat: „Das kann man dann so auf Menschen übertragen,
      dass zum Beispiel jemand aus einer Akademikerfamilie (das wäre der Apfelbaum) selbst auch eher Akademiker (also ein Apfel) als vielleicht Fabrikarbeiter (eine Birne) wird.“

      Das ist ebenfalls noch ein ganz anderer Aspekt. Ich habe vermutet, das nur die Gene gemeint sind bzw auch Verhaltensweisen die von den Eltern kopiert werden. Interessant! Danke!

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