ich höre dir zu!

Liebe(r) NT,

Um  mich auf ein Gespräch konzentrieren zu können,  benötige ich einen Fixpunkt. Dies ist üblicherweise mein Blick nach unten,  meistens auf eine bestimmte Stelle. Je mehr Geräusche und Bilder in der Umgebung sind, desto schwieriger wird es für mich dir zuzuhören. Dann kann es sein,  das du mir etwas sagen möchtest und ich antworte mit:  „bitte jetzt nicht“ oder sogar  gereizt ohne ein „bitte“.  Üblicherweise gilt dies aber einzig und allein für diesen Moment. Wenn die Umgebung wieder etwas ruhiger ist,  kann ich meine Konzentration wieder auf das Gespräch lenken.
Deine Aussage in einer Stresssituation würde sich  einfach in das bereits vorhandene Geräuschknäuel integrieren und ich könnte deine Botschaft nicht aufnehmen.  Es wäre ebenfalls  nur noch ein störendes Geräusch.  Diese Situation tritt vor allen Dingen in Kaufhäusern, bei Menschenansammlungen (Aufzug, Warteschlange,  Bushaltestelle etc.)  oder an Strassen auf.

Chaostochter weiss mittlerweile, dass ich ihr beispielsweise direkt an der Strasse nicht zuhören kann. Ihr ist bekannt,  dass ich es nicht böse meine wenn ich in dem Moment gereizt – „sei doch bitte mal still“ oder „jetzt nicht“ sage.  Es würde mich freuen, wenn auch Du diese Eigenschaft von mir akzeptieren könntest und nicht hinterher sagst ich hätte völlig unangemessen reagiert.

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Es kann auch vorkommen, dass ich dir  zuhöre, dir aber nur kurz und knapp (wenn überhaupt) antworte.  Das liegt dann häufig daran, dass ich das Gesagte erst einsortieren und wirken lassen muss. Wenn ich einen Rat für dich habe, werde ich dich darauf noch einmal ansprechen. Du kannst mir glauben, das ich unser Gespräch(sthema) ernst nehme,  auch wenn ich dich nicht ansehe.
 Es ist nicht böswillig,  sondern eher vorteilhaft, denn nur so kann ich mich auf das Gesagte von dir konzentrieren.
Meine Körpersprache stimmt vermutlich ebenfalls nicht mit meinem Empfinden überein, du hast vielleicht das Gefühl ich würde dir nicht zuhören. Doch das stimmt nicht. Wenn es eine Situation gibt, in der ich dir nicht zuhören kann, dann sage ich es dir.

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4 Kommentare zu “ich höre dir zu!

  1. Ich schaue bei schwierigen Gesprächen auch selten meinen Gesprächspartner an. Meistens nur kurz, dann geht der Blick unruhig durch den „Raum“ und meistens finde ich dann auch irgendwann einen Punkt den ich immer wieder anschaue. Mittlerweile merke ich das und versuche den Blick dann wieder aufnehmen. Ich lande aber trotzdem immer wieder bei dem Punkt.

    Merkst du es, wenn jemand DICH nicht anschaut im Gespräch? Und wie gehst du damit um?

    Bzw. generell frage ich mich… wie das ist, wenn du jemandem begegnest der genauso reagiert wie du. Du WEISST ja mittlerweile in vielen Dingen, dass es „anders“ ist… wenn du das bei anderen Menschen bemerkst (falls du es bemerkst…?) wie ist das dann für dich?

  2. Nun musste ich eine Weile nachdenken. Merke ich wenn jemand mich nicht anschaut?
    Früher habe ich nicht darauf geachtet ob mein Gesprächspartner mich ansieht. Die verbale Reaktion war für mich wichtig. Gab er mir eine Antwort, hat er mir zugehört, gab er mir keine fragte ich noch eimal nach.
    Heute achte ich mehr darauf ob mein Gesprächspartner zu mir schaut, aber diese Beobachtung verunsichert mich. Eine Interpretion in das Verhalten meines Gegenübers ist für mich unmöglich. Sieht er mich an, so sieht er mich an. Sieht er weg, so sieht er weg. Was aber sein Verhalten ausdrücken möchte ist für mich nicht einschätzbar. (Sieht er weg, weil er uninteressiert ist? Sieht er weg, weil er ebenfalls einen Fixpunkt braucht? Sieht er weg, weil er etwas anderes beobachten möchte mir aber dennoch zuhört? Hört er überhaupt noch zu?)
    Im Endeffekt bleibt es also doch dabei, das ich auf die verbale Reaktion angewiesen bin.

    Ich denke es gibt Situationen in denen ein „nicht-anschauen“ normal ist. Beispielsweise am Schultor, oder wenn ich jemanden treffe und wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen, im Auto/Bus/Bahn, generell im Strassenverkehr, auf dem Spielplatz etc. Wobei es hier auch wieder Ausnahmen gibt, wenn ich Mütter beobachte die sich zueinander gewandt unterhalten, für mich ist dies unvorstellbar.

    Zu deinem letzten Abschnitt muss ich sagen, wenn ich jemanden treffe, der ähnlich wie ich reagiert, fühle ich mich wohler, weil ich sein Verhalten einschätzen kann.
    Mit Asperger-Autisten hatte ich noch keinen direkten Kontakt, aber mit anderen psychisch Erkrankten
    und ich denke viele Eigenschaften ähneln sich, da man sich in akuten Phasen als „psychisch Kranker“ auch vorkommt als wäre man falsch auf dieser Welt. 😉

    PS: Danke, dein Kommentar hat mich zu einem neuen Artikel angeregt, mal schauen, ob ich meine Kopfbilder in Worte sortiert bekomme.

  3. Ich finde es sooo spannend, hier zu lesen.
    Oft habe ich mich gewundert, warum alle anderen so „intensiv“ und unkompliziert miteinander kommunizieren und warum mir das so schwer fällt.
    Oft hatte ich das Gefühl, die falschen Signale zu senden und die ankommenden falsch zu interpretieren oder gar nicht wahr zu nehmen.
    Dazu kommt, dass ich Gesichter nicht differenziert wahrnehmen kann. Wenn nicht noch andere Merkmale wie besondere Situationen oder Gegenstände, Stimme, Bewegungen, Erzählungen dazu kommen erkenne ich Menschen nicht wieder. Mimik zu interpretieren funktioniert auch immer erst in Kombination mit Stimme oder Textinhalt.

    Ich „weiß“, dass Anschauen zur Höflichkeit gehört. Aber ich winde mich immer und such dann auch den Fixpunkt. Oft schaue ich auf den Mund. Augen irritieren mich, dann kann ich mich wesentlich schlechter konzentrieren.
    Das Drumrum stört mich dagegen kaum, das kann ich völlig ausblenden.

  4. Ich kann – weil ich es trainiert habe – bei Vorträgen durchaus verschiedene Zuhörer anschauen. Im Gespräch unter 4-6 Augen ist das schwieriger. Mit direktem Augenkontakt habe ich trotzdem Probleme. Und ich glaube, das merkt mein Gegenüber auch.

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