mein Sichtfeld gibt mir Sicherheit

Schau nach vorne!  Schau mich an!  Schau nicht immer weg!

Wie oft habe ich diese Sätze gehört?
Unzählige Male.

Beim laufen fällt mein Blick oft  auf den Boden. Diese „Aussicht“ gibt mir Sicherheit. Ich sehe meine Füße die sich gleichmäßig bewegen, mal schnell mal langsam, aber immer beide im selben Rhythmus, links-rechts-links- rechts, sonst würde ich nicht vorwärts kommen. Der Boden ist mir bekannt, Stein, Asphalt, Sand oder Wiese, die verschiedensten Wege bin ich unzählige Male gegangen. Nichts ändert sich, alles ist gleichbleibend, vielleicht kommt  mal ein Blatt, ein Stück Papier oder ein Zigarettenstummel in das gewohnte Bild, das ist ok und nicht sehr störend. Wenn ich aufschaue, fange ich an zu schwanken, mein Gang wird unsicher und ich habe das Gefühl zu laufen als hätte ich etwas zuviel getrunken.  Zu viele Bilder strömen auf mich ein, hinzu kommen Geräusche die sich zu einem lauten Knäuel aus Stimmen, Motorengeräuschen und  sonstigem Lärm vermischen und absolut nicht mehr zu unterscheiden sind. Woher kommen sie ?  Wie laut sind sie wirklich ? Welche Geräusche/Bilder sind für mich gerade  wichtig ? Welche unwichtig ? Es ist einfach nur laut und voll und ich bin überfordert. Wenn ich aufschaue muss ich  dieses Geräuschknäuel entwirren und die vielen Bilder einsortieren, dann vergesse ich auf meinen Gang zu achten, auf die Gleichmäßigkeit.  Wenn ich auf alten Familienvideos sehe wie ich gehe, fällt mir auf, dass ich selbst  einen merkwürdigen Gang habe, wenn ich nach unten blicke – was ich auch auf den Videos immer tue! Wie muss es dann erst aussehen, wenn ich nach vorne schaue? Meinem Empfinden nach zu urteilen laufe ich wie jemand der sehr starke Gleichgewichtsstörungen hat. Vor allen Dingen habe ich das Gefühl, das meine Beine sich jeden Moment verknoten könnten, weil ich keine Kontrolle mehr habe.
An Kreuzungen bleibe ich natürlich stehen, schaue auf und sortiere die Bilder, unterscheide zwischen wichtig und unwichtig, was gerade an fremden Strassen  nicht immer einfach ist. Auch gibt es gewisse Punkte (nicht wenige) auf bekannten Wegen, die ich ansehe um mich zu vergewissern, das alles in Ordnung ist.  Sei es unser Fenster, der Mülleimer am Wegesrand, ein Baum oder sonstiges, was seinen festen Standpunkt hat, es gibt Halt.  Auf mir unbekannten Wegen suche ich diese Fixpunkte.
Mein Blick nach unten ist einfach ein Schutz vor Überforderung! Wenn ich dich nicht ansehe tue ich dies nicht böswillig sondern einzig und allein aus diesem Mechanismus heraus!

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