aus Optimist wird Pessimist?

Ein Gedankenblitz traf mich, ein Rückblick auf die letzten 2,5 Jahre.
So vieles ist in dieser Zeit geschehen. Was ist aus mir geworden?  Was hat die Zeit aus mir  gemacht? Früher war ich Optimist, bin alles positiv angegangen, habe keine negativen Konsequenzen im voraus an die Wand gemalt. Ich lebte im heute – im hier und jetzt. Immer wieder habe ich mir gesagt: da gehst du durch, du tust es für dich.  Konnte nicht verstehen, warum meine Schulkameraden von vorne herein sagen konnten, das schaff ich nicht. Klar, wenn man sich selbst aufgibt schafft man es auch nicht. Warum nicht ausprobieren? Man möchte doch vorwärts kommen. Mach dich doch nicht abhängig von den Gedanken der anderen. Du selbst weisst doch am Besten was dir gut tut.

Wurde hinter meinem Rücken getuschelt , tat es mir zwar weh, aber sobald ich aus der Situation raus ging, war der Vorfall für mich  beendet.

Meine Meinung habe ich immer kundgetan, wenn es verlangt wurde. War mein Gegenüber anderer Meinung,  ja dann war es eben so. Solange mir keine aussagekräftigen Argumente vorgelegt werden konnten, blieb ich bei meiner Meinung. Nicht selten brachte das Unannehmlichkeiten mit sich, aber ich war nie nachtragend. Beim nächsten Aufeinandertreffen war die Sache für mich vergessen. Was ich ausgesprochen habe, war ausgesprochen. Warum muss man da noch lange diskutieren? Das konnte ich nie verstehen es machte mich wütend, was ich auch zu verstehen gab.

Vielleicht habe ich zu sehr auf mich selbst geachtet und oftmals mein Umfeld ausgeblendet. Was meine Mitmenschen fühlten oder dachten konnte ich nicht begreifen und nachvollziehen. Alles war sachlich und logisch, vermutlich Ich-bezogen.

Wie sieht es heute aus?  Mein momentanes Leben besteht aus Selbstzweifeln Ängsten, Kontrollen und Unsicherheit. Vieles nehme ich persönlich.  Zum Beispiel einen Profiltext auf Dshini ;-). Meine innere Stimme sagte mir doch tatsächlich das ich gemeint bin und dann habe ich meinen Profil- und Wunschtext mehrmals kontrolliert.

In einem anderen Forum werden Aussagen getroffen und ich fühle mich angesprochen, obwohl ich mit dieser Person nie zu tun hatte. Da schreibt jemand  „Jedes Mal der gleiche Mist hier.“ und ich überlege was ich falsch gemacht habe.

Theoretisch  ist es mir egal, was andere über mich denken, aber verletzen möchte ich niemanden. Wenn jemand denkt – „Sie benutzt nie Schminke und trägt Sachen *von gestern*.“ Stört es mich nicht. Wenn ich höre „Sie spricht kaum.“ ist es mir auch egal – das bin ich! Aber macht jemand Aussagen die ich nicht einsortieren kann, indirekte Aussagen habe ich das Gefühl ich bin  angesprochen, habe jemanden verletzt. Meine Art ist wieder angeeckt.

Einen neue Herausforderung ist verbunden mit sofortigen Selbstzweifeln. Mit den Fragen: Wird es mich  überfordern? Kann ich das überhaupt? Wird es wieder scheitern? Wo könnten meine Schwächen Probleme bereiten? Manchmal habe ich noch gesagt ich werde es versuchen,  war optimistisch,  habe es ausprobiert und bin doch gescheitert.  Plötzlich habe ich Panikanfälle, was früher für mich etwas völlig fremdes war.

Mir fehlt ein konkretes Ziel und jedes Ziel, das ich mir stecken möchte endet damit, das ich sage das wird mich wieder überfordern. Die Angst steigt und die Anspannung wird immer größer. Die Anspannung wiederum führt dazu das ich mich innerlich zurückziehe und somit die Aufgabe wirklich nicht, für mich zufriedenstellend, übernehmen kann. Wut und Enttäuschung über mich führt dann dazu, dass ich wieder abstürze.

Es gibt viele Momente wo ich nicht mehr weiter möchte. Mir sage: Nein, so kann ich nicht leben. Das ist nicht das was ich mir vorgestellt habe. Hört dieser Teufelskreis irgendwann auf?

Warum ist mein Leben plötzlich so völlig umgekrempelt? Ist es weil mir vieles einfach bewusster ist,  ich mittlerweile weiss, das ich „Besonderheiten“ habe, die nicht in das soziale Netzwerk passen? Habe ich früher meine Ängste und Kontrollen einfach weg geschoben indem ich in-mich-gegangen bin? Hatte ich weniger Probleme, weil ich nicht wusste das ich anders handele und reagiere als *normale* Menschen?  Kann es sein, das ich mich heute innerlich einfach zu sehr auf`s Anpassen konzentriere, was zwangsläufig nicht klappen kann? Oder liegt es einfach an den Geschehnissen der vergangenen zweieinhalb Jahre, die geprägt sind von vielen Verlusten?

Kann aus einem Pessimisten wieder ein Optimist werden?
Fragen über Fragen….

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11 Kommentare zu “aus Optimist wird Pessimist?

  1. Urgz… aber doch nich mein Dshini-Text, oder? >.<

    Und ja… aus einem Pessimist kann ein Optimist werden. Brauchst nur nen paar positive Erlebnisse denk ich 😉 Abgesehen davon gibt es dazwischen ja noch den Realisten 😉

    • zum Dshini Text sag ich nur 😉

      Ich versuche mich zumindest zum Realisten zu entwickeln, in den Therapiestunden klappt das mittlerweile ganz gut (theoretisch), aber im Alltag sieht alles anders aus (Praxis)).

      • Oh man.. darf ich dich hauen?
        Du bist sicher die letzte die ich meinen würde. *fauch* ^^

        Btw. kenn ich da jemanden der Lust auf Sozialkontakt mit dir hätte, aber bisher die Klappe hält, weil sie dich nicht überfallen will 😉

        Vorhin im Spiegel sah sie ganz freundlich aus.

        Und was den Optimismus angeht… Ich schätze wenn man meinen aktuellen Artikel liest… wird deutlich, dass der jedem von uns immer mal wieder verloren geht. Aber er kommt wieder. Ganz sicher.

        Ach ja.. schau mal 😉 :

        http://www.gratefulness.org/candles/candles.cfm?l=ger&gi=Zeit

  2. Vielleicht spürst Du jetzt stärker, welche Auswirkungen das Handeln auf die Beziehungen zu Menschen haben.
    Wenn man sich so in Frage stellt wie Du das hier zeigst kann viel Verunsicherung raus kommen: Kommen neue Punkte zu einem funktionierenden System muss neu geordnet werden, neues verknüpft werden, ein neues Bild gebaut werden. Andere streichen nur die Wände, Du baust komplett um – da muss man sich erst wieder zurechtfinden. Schon mal gebaut? Das ist anstrengend, manchmal zermürbend und man freut sich über jedes Eckchen, jedes Zimmerchen, das ein bisschen schöner geworden ist. Und manchmal fällt auch eine Mauer wieder ein und man fängt von vorne an.

    Je mehr ich verstanden habe von mir und meinem Umgang mit Menschen, um so deprimierter wurde ich.
    Mit der Übung und mit dem Ordnen der neuen Erkenntnisse wurde das aber wieder besser.
    Das „mir verzeihen“ war ganz wichtig. Erkennen, dass ich nicht alles können und sein MUSS, dass mehr zu mir gehört als ich haben wollte.

    Wenn Du nicht weiter kannst könntest Du auch einige Zeit stehen bleiben und nur leben? Dich beobachten und mögen? Dir verzeihen, wenn Du merkst, „falsch“- oder einfach für Dich normal gehandelt zu haben? Und Dich auf die Dinge konzentrieren, die Dir gefallen?

    Optimistische Grüße,
    murmel

    • Zum ersten Teil gebe ich dir vollkommen recht.

      Zum Thema bauen: Vor zweieinhalb Jahren ist mein Gerüst eingestürzt. Dann brauchte ich lange Zeit um den Schutt wegzuräumen. Als dieser einigermassen beseitigt war, habe ich vermutlich zu schnell wieder aufgebaut. Das Ganze ist abermals komplett eingerissen. Ich brauchte nicht allzu lange den Schutt wegzuräumen, aber es gibt immer noch Trümmer und die Erinnerung an dieses Gerüst.
      ***
      Die Schwierigkeit ist oft noch – positiv zu sehen, das ich die Trümmer schneller beseitigt habe. Generell irgendetwas positiv zu sehen, zu oft schleicht sich ein „aber“ ein.
      ***
      Das stehen bleiben ist momentan ein Thema in der Therapie, ich möchte es noch nicht so recht, obwohl ich weiss, im Augenblick wäre es das Richtige.

    • 😉

      Ich habe es gelesen, werde aber morgen noch einmal nachlesen müssen. Meine Konzentration ist momentan etwas schlecht, so das ich mir noch kein rechtes (innerliches) Bild machen konnte. Ohne Bild kann ich nicht sortieren.

      • Ja, es ist auch ziemlich lang geworden.

        Was mir noch einfällt: Hast Du Bekannte oder Verwandte in der Nähe, bei denen Du mal einige Stunden bleiben kannst?
        Ich gehe bei soviel selbstbestimmtem Alltag, wie ich gerade habe, auch kaputt und vermisse meinen früher zweiwöchigen Tapetenwechsel (Wochenende bei meinen Eltern).

  3. Am Sonntag sehe ich (da ich gestern angerufen habe) meine Mutter und 2-3 Geschwister nach 5 Wochen mal wieder. Als sie noch zu Fuss erreichbar waren, besuchte ich sie etwa alle 2 Wochen.
    Momentan habe ich somit keinen sozialen Kontakt, ausser der Therapeutin.

  4. Ich habe das gleiche Problem – oder die gleiche Sichtweise bei meinem Sohn mit ADHS beobachten können. Als die Krankheit akut war und vieles bei ihm falsch gelaufen ist und er durch das ADHS oft angeeckt ist, hat er ein ähnliches Verhaltensmuster gezeigt.
    Ich habe dann gezielt dagegen gesteuert und versucht die Krankheit als Normal hinzustellen und ich bin auf seine Besonderheiten nicht eingegangen. Seitdem akzeptiert er sich auch besser und seitdem er sich besser akzeptiert, ist auch die Umwelt und der Sozialkontakt besser.

    Vielleicht sich nicht so auf seine Eigenheiten fixieren. Und dran denken, jeder Mensch hat seine Fehler und kein Mensch ist perfekt. Aber jeder Mensch verdient es so gemocht zu werden wie er ist!
    Mella

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