Problem Gruppenarbeit

Oft taucht in mir die Frage auf, warum konnte ich die letzte Ausbildung nicht zu Ende bringen? Welche Probleme traten auf, dass mir die Schule so über den Kopf gewachsen ist bis ich am Ende ein Burn Out erlitt? Was war hier anders als bei meiner ersten Ausbildung? Natürlich war die Schule nicht der einzige Grund, warum es zu meinem Zusammenbruch kam, aber es war vermutlich ein entscheidender Faktor. Durch die Herausforderungen der Schule, hatte ich keine Kraft mehr für mein Privatleben. Damals habe ich dies nicht gesehen, ich kapselte mich wohl mehr und mehr ab und es blieb kaum noch Zeit für Partnerschaft.  Durch die ständige Reizüberflutung in der Schule brauchte ich am Nachmittag Zeit für mich, auch meine Tochter wollte ver- und umsorgt werden. Vermutlich war dies ein Grund warum die Partnerschaft damals das erste Mal zerbrach. Das Ende war für mich allerdings ein großer Schock, da ich die Signale nicht wahrnahm/ nicht wahrnehmen konnte.

Zurück zum eigentlichen Thema. Meine erste Ausbildung war eine schulische Ausbildung.  Jeder Schüler arbeitete und lernte für sich, als Asperger Autist war dies für mich von großem Vorteil, ich musste mich nicht an Gruppen anschliessen, konnte in meinem Tempo lernen und für mich logische Schlussfolgerungen ziehen. Die Praktika absolvierte ich in mir bekannten Einrichtungen und am Nachmittag konnte ich nach meinem Rhythmus leben, dies alles gab mir Sicherheit.  Alles war strukturiert und vorhersehbar. Nicht so in der letzten Ausbildung. Es war zwar ebenfalls eine schulische, jedoch stand hier  überwiegend  Gruppenarbeit im Vordergrund. Dies bedeutete für mich täglich neue Herausforderungen, fast täglich nicht wissen was auf mich zukommen wird, täglich konfrontiert mit den Problemen im Umgang mit meinen Mitmenschen.  Hinzu verlangte der Lernstoff, die Auseinandersetzung mit der eigenen Person. Damals konnte ich meiner Lehrerin nicht erklären, warum Gruppenarbeit für mich ein großes Problem war, ich hatte selbst noch nicht herausgefunden was genau mir solche  Schwierigkeiten bereitete. Einzig, das es anstrengend war und das ich mich oft nicht verbal einbringen konnte, bemerkte ich. Unsere Lehrerin „liebte“ Gruppenarbeit, doch nicht nur sie, auch einige andere Lehrer verlangten Gruppenarbeit. Natürlich ist dies auch wichtig, vor allen Dingen in der Erwachsenenbildung, schliesslich arbeitet man später auch im Team zusammen und den Lernstoff mussten wir uns selbst erarbeiten, was normalerweise im Team auch besser gelingt.  Anfangs konnten wir die Gruppen selbst bestimmen, so hatte ich zumeist eine feste Gruppe mit der ich immer zusammenarbeitete. Allerdings gab es dann Schwierigkeiten, wenn gerade in verschiedenen Fächern Gruppenarbeiten liefen (was nicht selten der Fall war) und die Gruppengröße anders geregelt war. Dies hiess auch wieder eine andere Zusammensetzung der Gruppe. In der Klasse hatte ich nur eine Mitstudierende zu der ich einen engeren Bezug hatte, wir achteten darauf, dass zumindest immer wir zwei zusammen in einer Gruppe waren.  Wir arbeiteten ähnlich sachlich und logisch, kamen somit immer gemeinsam zu einem sehr guten Ergebnis. Da wir jedoch gemeinsam mit zwei Mitstudierenden die zu unserem „Grundteam“ gehörten, zu den Klassenbesten zählten, hatte unsere Lehrerin irgendwann die Idee die Gruppen selbst zusammenzustellen und Teams zu bilden in denen verschieden starke  Studierende voneinander lernen könnten. Für mich bedeutete dies ein totaler Wegfall der Sicherheit, ich war oft überfordert und wusste mit der Situation nicht umzugehen. Fühlte mich fremd und allein gelassen, allein unter Fremden. Natürlich waren meine Mitstudierenden nicht fremd und wir hatten in den Pausen etc. keinerlei Probleme miteinander, aber ich wusste nicht wie sie arbeiten, wie ich Kontakt herstelle, wie ich mich einbringen muss, wie ich mich und meinen Standpunkt erklären kann.   Nicht selten arbeitete ich dann doch für mich allein oder nahm sogar fast die komplette Aufgabe selbst in die Hand. Ich fand es  auch anstrengend warten zu müssen bis sich meine Teamkollegen den Inhalt der Aufgabe erschliessen konnten, mir dann auch oftmals anzuhören welchen unlogischen Weg sie gehen wollten , während ich schon den/meinen Weg hatte. Meine logischen Schlussfolgerungen wurden von diesen Teamkollegen oft nicht verstanden und so musste ich auch den Anfangs- , Mittel- und Endteil übernehmen.  Ich bearbeitete dann die komplette Aufgabe nach meinem logischen Prinzip, um für mich selbst den kompletten Weg richtig aufgeschrieben zu haben.  Oder aber ich erklärte ihnen „meinen“ Weg zur Lösung des Problems und sie fanden ihn so gut, sachlich und logisch erklärt, das sie ihn übernahmen ohne selbst am Weg mitgearbeitet zu haben. Für mich bedeutete dies natürlich Mehrarbeit und nicht selten arbeitet ich zu Hause bis spät in die Nacht an den Aufgaben. Wenn ich eine Herausforderung hatte, wollte ich sie auch gut meistern.   Da ich meist schneller als meine Mitstudierenden alle Details berücksichtigt und in wichtig oder unwichtig eingeordnet hatte, war ich auch meistens ziemlich schnell am erarbeiten der Aufgabe, was nicht selten von den Teamkollegen bewundert wurde. Jedoch war dies alles natürlich nicht Sinn einer Gruppenarbeit und der ständige Wechsel der Teams überforderte mich mehr und mehr, so dass ich mich am Ende mehr und mehr zurück zog, überfordert war und nur noch für mich selbst arbeitete.
Beim Wiedereinstieg nach meinem Zusammenbruch war mein Problem mit der Gruppenarbeit noch deutlicher erkennbar für mich, denn mein „Grundteam“  bestand nicht mehr, die einzige Mitstudierende mit der ich damals gut zusammenarbeiten konnte ignorierte mich.  Ich fühlte mich oft hilflos und verlassen.

Für einen möglicherweise nächsten Versuch, eine Weiterbildung zu machen, ist für mich auf jeden Fall wichtig feste Bezugspersonen und ein festes Team für Gruppenarbeiten zu haben.

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2 Kommentare zu “Problem Gruppenarbeit

  1. Oh Gott, das klingt für mich teilweise nach blankem Horror.
    Bei einem Bewerbungsseminar des Arbeitsamtes zum Thema Assessment Center bin ich auch gnadenlos an der Gruppenarbeitsaufgabe gescheitert. Als ich dann später, als die (für die Gruppenarbeit aufgeteilten) Teilnehmer wieder zusammenkamen, erwähnte, daß ich das Spiel in einer anderen Version kenne, kam dann gleich die Frage: „Und wie haben Sie das damals gelöst?“ – „äähh …“ Ich hatte auch damals vor acht Jahren nicht das Bedürfnis gehabt, mich da in den Vordergrund zu drängen. Leider wird genau das aber zunehmend als mangelnde Leistungsbereitschaft ausgelegt.
    Bei einem recht privaten Vorstellungsgespräch ist mir gesagt worden, daß ich doch keinesfalls bei anderen Vorstellungsgesprächen sagen solle, daß ich im Studium vor allem allein gelernt habe. Ich dachte eigentlich immer, daß das für einen selbst spräche …

    Ich bin mit dem Studium, das ich im Frühjahr abgeschlossen habe, übrigens ganz knapp nicht gescheitert (Abschluß mit 3,0), lasse aber viele Fachbereichskollegen im Glauben zurück, ein bißchen minderbemittelt zu sein.

    Mein Eindruck ist, daß man sich persönlich auch mit Mitte zwanzig/Anfang dreißig weiterentwickelt und eher empfindlicher wird, was den Umgang mit Außenreizen angeht. Ich habe jedenfalls das Gefühl, in den acht Jahren komplett umgekrempelt worden zu sein. Und ich kann nicht mal sagen, ob das jetzt an der Baustelle Schilddrüse liegt oder nicht (ich werde seit einer Strumaresektion vor 3 Jahren teilsubstituiert).

    Ich würde Dir gern Mut für weitere Bildungsprojekte machen, aber ich habe nicht den Eindruck, daß die Teilnahme daran mit zunehmendem Alter einfacher wird.

  2. Und jetzt wärst Du sicher auch in der Lage, mit den Lehrkräften zu sprechen und diesen Bedarf zu begründen.

    Ich finde es in der Schule schwierig, die bis zu 30 Schüler (Fachschule, also ab 16 Jahre) schnell so gut kennen zu lernen, um so etwas zu bemerken. Für nicht funktionierende Gruppenarbeit kann es 1000 Ursachen geben.

    Ich habe eine sehr ruhige Schülerin in der Klasse, habe sie versucht zu integrieren, eine passende Gruppe zu finden. Bis sie in einem Klassengespräch sagte, sie fänd es prima so und fühle sich ohne intensiveren Kontakt sehr wohl. Wir Kollegen hatten schon mobbing-Gedanken und hatten den Eindruck, sie würde ausgegrenzt.
    Gut, dass sie das so klar formulieren konnte.

    So wie Du hier schreibst kannst Du Dich bestimmt bei einer neuen Fortbildung erklären und triffst hoffentlich auf kooperierende Lehrkräfte.

    murmel

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