Nachtrag zu „fremde Welt“

Biki antwortete mir unter dem Artikel   `fremde Welt` sehr ausführlich. Ihre Worte regten mich noch einmal zum Nachdenken an und ich möchte ihr hier gerne mein Feedback zu ihren Worten geben.

Zitat: „Ein halbwegs sensibler Mensch wird sicher auch schon ein einstudiertes Programm erkennen. Und ob wirklich alle -oft oberflächlich- Small-talkenden den Abbruch überhaupt bemerken würden?“

Deine Worte sind für mich sehr gut nachvollziehbar. Mir macht genau das Sorge, was du in diesem ersten Teil beschreibst. Ein sensibler Mensch bemerkt es vielleicht sehr schnell, auch Menschen mit denen ich des öfteren in Small-Talk Situationen komme, würden vermutlich schnell darauf aufmerksam werden. Inwieweit andere einen Abbruch bemerken kann ich nicht einschätzen, denn es gab des öfteren Situationen in denen ein Gespräch abrupt endete und wir zu zweit nur noch nebeneinander standen oder hergingen. Dies sind für mich (mittlerweile) immer sehr unangenehme Momente, da ich nicht weiss, wie mein Gegenüber das Ende des Gesprächs empfunden hat. Früher hatte ich keine Probleme damit, da ich mir keine Gedanken darüber machte. Jetzt wo vieles in der Therapie angesprochen wird, achte ich sehr auf die Situationen und bemerke die Unterschiede. Denke auch über mein Gegenüber nach, was ich früher kaum tat.

Zitat: „Ich habe small talk auch erst lernen müssen. Bekam dadurch immer ganz spät Kontakt in neuen Gruppen. V.a. wirkte und wirke ich immer viel zu zielgerichtet und unhöflich in Gesprächen – dadurch fühlen sich Menschen schnell überfahren.
Klären, dann für mich weiterdenken, Ergebnisse/Lösungen darlegen – kein gutes Muster um v.a. mit Frauen zu arbeiten. Und das als Frau.“

Das Menschen sich überfahren fühlen, weil man direkt etwas sagt ohne es mit Worten auszuschmücken ist mir auch sehr oft passiert.  Aussagen wie: „Das hättest du so nicht sagen dürfen.“ musste ich mir dann anhören, weil ich offen und ehrlich meine Meinung kundgetan habe.   Nie habe ich verstanden warum Offenheit und Ehrlichkeit nicht gewünscht war. Meine Aussagen waren eben so wie du es auch beschreibst zielgerichtet. Die ersten Worte Deines letzten Satz in diesem Abschnitt finde ich sehr treffend – „Klären, dann für mich weiterdenken, Ergebnisse/Lösungen darlegen“.
Zu direkt für viele Mitmenschen und gerade Frauen möchten oft reden, reden, reden und nicht direkt eine Lösung präsentiert bekommen.

Zitat: „Schon beim Mails schreiben schreibe ich erstmal mein Anliegen runter und füge dann oben und unten die üblichen Floskeln, Dank, Bezug, was auch immer ein.“

Dieses Prinzip verfolge ich beim Telefonieren. Das Anliegen wird mittig auf einen Zettel geschrieben, anschließend die Begrüßung und die Verabschiedung darüber bzw. darunter  und dann fühle ich mich etwas sicherer bevor ich zum Telefon greife.  Mails und Briefe von mir sind meines Erachtens nach  auch immer recht zielgerichtet und brauchen beim Erstellen nicht dieses Prinzip. Das Schreiben schriftlicher Dokumente geschieht anhand eines einstudierten Rituals,  Briefkopf,  Betreff , Begrüßung, mein Anliegen und Grußwort mit Unterschrift. Dies irritierte jedoch zeitweise meine Familie und Freunde , da ich auch ihnen Briefe und Mails zukommen liess, die eher in die Geschäftsordnung passen würden.

Zitat: „Was aber auch klar wurde: Leute, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin lassen sich nicht irritieren, empfinden das eher als klares und eindeutiges Verhalten.“

Diese Leute habe ich bisher leider kaum getroffen. Es gab immer mal einige, die eine Zeit lang mich und mein Verhalten akzeptierten und teilweise sogar bewunderten.  Irgendwann jedoch traten Probleme auf, da es für sie anstrengend war immer nur sachliche und lösungsorentierte Gespräche zu führen.

Zitat: „Ein paar einstudierte Teile bringen eine Art Ritual in Begegnungen und entlasten mich dadurch. Vielleicht wäre das bei Dir auch so?
Funktioniert für mich aber nur in Situationen, in denen ich mich nicht extrem unwohl fühle. Dann schalte ich auf Rückzug.“

Da gebe ich Dir Recht, gewisse einstudierte Rituale geben Sicherheit (wie auch oben anhand des Aufbaus eines Briefes beschrieben). Jedoch fehlt mir momentan (noch) das Verständnis, dass es diese Rituale auch in einer Small-Talk Situation geben kann. Gewisse Rituale sind wie bei jedem Menschen auch bei mir geprägt, hierzu gehört die Begrüßung ( je nach Tageszeit und Bekanntheitsgrad) und die Verabschiedung. In der Familie auch die Frage nach dem Befinden.  Treten hier Änderungen ein, verwirrt mich das sehr stark.  Als Beispiel gebe ich eine Situation an: Eine Mutter steht gemeinsam mit mir am Schultor, wir haben uns kurz begrüßt und stehen nun nebeneinander. Da ich meiner Tochter noch etwas sagen möchte gehe ich zu ihr auf den Schulhof, als ich wieder vor das Schultor trete ist die besagte Mutter gegangen. Hier fehlt die Verabschiedung und es begleitet mich sehr lange und löst eine große Unsicherheit aus.

Wenn nun weitere einstudierte Rituale hinzukommen wie beispielsweise nach der Begrüßung das Gespräch über das Wetter, was geschieht dann mit mir, wenn dieser Teil aus unbestimmten Gründen entfällt? Könnte ich wirklich überspringen zu einem nächsten Thema oder würde es mich sehr verwirren? Aus Erfahrung weiss ich, das ich große Probleme habe, wenn Rituale plötzlich wegfallen und meine dann noch stärkere Unsicherheit wäre vermutlich kein guter Faktor um ein Gespräch weiter zu führen. Ein starker Rückzug meinerseits würde vermutlich eher in Frage kommen.

Zitat: „Ich fand Deine Erklärungen 1-5 ganz wichtig und aufschlussreich. Danke! Habe Dich gerade erst gefunden und gleich abonniert.“

Danke Biki für dein Feedback! Ich freue mich über jeden Kommentar.

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