das erste Outing (1/5)

Irgendwann stand ich vor der Frage, oute ich mich als Asperger Autist oder nicht?  Das erste Mal tauchte diese Situation auf, als ich die Fortführung der Weiterbildung anstrebte. 10 Wochen Klinikaufenthalt lagen hinter mir, anschließend 6 Wochen zu Hause. Meine Mitstudierenden wussten dies,  hatten aber bis dato noch keine Erklärung für meinen Krankenstand.

7 Wochen ging ich dann wieder in den Unterricht, es folgten 4 Woche Kur in der ich gemeinsam mit dem dortigen Psychologen und nach telefonischer Absprache mit meiner Lehrerin, beschloss eine einjährige Pause einzulegen. 3 Monate lang stand dann erst eimal meine Stabilisierung im Vordergrund, bis ich mich zum ersten Mal wieder persönlich mit meiner Bezugslehrerin und der Sozialarbeiterin der Schule zusammensetzte.

Wir besprachen die mögliche Rückkehr und versuchten abzuschätzen wie meine Mitstudierenden darauf vorbereitet werden könnten. Das größte Problem bestand für mich nun erst einmal darin, mich in diesem Dreier-Gesprächen  zu erklären. Die Diagnose Asperger kannte die Sozialarbeiterin nicht und schon gar nicht meine Lehrerin.

Sie waren sehr einfühlsam, haben mir zugehört und mir Mut zugesprochen. Ich hatte jedoch oft das Gefühl, dass sie mich nicht wirklich verstanden haben. Alles was ich versuchte zu erklären schien irgendwie nicht verständlich zu sein. Die Aussagen, “ Ja wenn sie erst wieder integriert sind, dann wird es ihnen besser gehen.“ oder „Ich hatte schon einige Studierende mit Depressionen hier, wir helfen ihnen durch diese Zeit.“ waren aus meiner Sicht unangebracht, es ging nicht um meine Depression, es ging um Asperger Autismus. Asperger wird nicht geheilt und legt sich irgendwann wieder, die Probleme werden immer da sein. Nur mit Verständnis und teilweiser Rücksichtnahme würde ich die Weiterbildung fortführen können.

Mir wurde zugesagt, das ich die Unterstützung der beiden Damen habe und auch die Schulleitung würde sich  für mich einsetzen.  Dies fand ich sehr entgegenkommend und erwähnenswert, aber richtig verstanden fühlte ich mich immer noch nicht. Besser erklären konnte ich meine Probleme damals noch nicht, ich setzte mich selbst ja gerade erst mit der Diagnose auseinander und damit was  zu meiner Überforderung und der dadurch entstandenen starken Depression geführt hat.

Wir einigten uns darauf die Klasse in einem Gespräch auf meine Rückkehr vorzubereiten, die Lehrerin wünschte sich, dass ich am Gespräch teilnehme. Anfangs stimmte ich der Sache zu, machte mir aber später noch meine Gedanken darüber. Schnell war ein Termin für das Gespräch gefunden und wir verabschiedeten uns. Genauer gesagt die Lehrerin verabschiedete sich und ließ mich noch kurz mit der Sozialarbeiterin allein. Diese fragte mich, ob für mich die erfasste Regelung  in Ordnung sei und ob ich zufrieden wäre.

Durch das ziemlich lange vorausgehende Gespräch litt ich aber schon derart an Überforderung, dass ich nur noch zustimmte und mich ebenfalls verabschiedete. In meinem Kopf tobte ein Gewitter  und ich spürte, dass das Ganze nicht zufriedenstellend war. Mehr konnte ich aber erstmal nicht verlangen, es war für uns drei nicht einfach. Die beiden Damen hörten etwas, was sie vorher nie kannten und ich stand das erste Mal vor dem Problem einem Laien erklären zu müssen wo meine Schwächen liegen und inwieweit mich Asperger  im weiteren Studienverlauf einschränken könnte. Ich setzte meine Hoffnung darauf, dass die beiden sich eventuell selbst ein wenig darüber informieren, schließlich haben sie mir ja auch zugesichert sich für mich einzusetzen und mich so gut wie möglich zu unterstützen und zu begleiten.

Das war wohl eine Fehleinschätzung von mir. Im weiteren Verlauf, wurde mir mehr und mehr bewusst, das ich die Einschränkungen die eine Person mit Asperger besitzt und die Schwierigkeiten die bestehen nicht richtig erklärt hatte und das immer noch angenommen wurde mein Zustand wäre nur eine Phase. Die Phase würde sich bessern und ich würde ganz gesund und völlig normal werden. Doch so war es nicht.

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