„Pünktlichkeit ist wichtig“ oder „was Unpünktlichkeit verursachen kann“

Heute um 11 Uhr hatte ich wieder eine Therapiestunde bei meiner Therapeutin.  Auf dem Weg dorthin, war ich noch ziemlich nervös,  da ein vorheriger Termin mich aus dem Gleichgewicht brachte.  Dort sollte ich um 9.15 Uhr zum Blut abnehmen erscheinen und anschließend hätte ein kurzes Arztgespräch gefolgt.  Ich war Punkt 9.05 Uhr in der Praxis, die Arzthelferin nahm mir auch pünktlich Blut ab und dann wartete ich.  Mein Blick  ging von dem Wandbild zur Uhr und zurück, immer wieder.  Die Zeit lief und kein Arzt war in Sicht.  Das es dort manchmal etwas länger dauert weiss ich und habe es vorher auch eingerechnet.  Meistens muss ich aber nicht länger als 20 Minuten warten, da natürlich auch der Arzt davon Kenntnis hat, das mich die Warterei ziemlich nervös macht und ich damit nicht richtig umgehen kann. In meinem Zeitplan war fest verankert, dass ich spätestens um 10.10 Uhr aus der Praxis muss um pünktlich um 10.25 Uhr die Bahn zur Therapeutin nehmen zu können. Ich bemerkte, dass ich mein „Sicherheitsknebel“  in der rechten Hand immer stärker knetete,  meine linke Hand lag über meiner rechten Hand und rieb immer stärker an den Gelenken.  Mein „Sicherheitsknebel“  löste sich mehr und mehr auf,  mein Fuss schwang auf und ab.  Anzeichen dafür, das ich immer nervöser wurde und mein „Tick“  sich immer weiter ausprägte.  Ich mag es nicht, wenn ich in der Öffentlichkeit in diese Muster verfalle, diese Nervosität oder Unruhe  immer erkenntlicher wird. Wenn ich spüre, das meine Hände sich zur Beruhigung immer mehr aneinander reiben, muss ich sehr stark auf meinen Körper achten, damit ich nicht völlig im Nebel verschwinde und noch etwas von meiner Umwelt mitbekomme.  Mittlerweile habe ich den Prozess dank meines „Knebels“ ganz gut unter Kontrolle.  Mein „Knebel“ besteht aus 2 Papiertaschentüchern die – so wie sie aus der Packung genommen werden – übereinander gelegt und dann zusammengerollt werden.  Anschließend ziehe ich aus der Mitte eine Ecke des inneren Tuches heraus, so das ein kleines Dreieck herausragt.  In dieses Dreieck lege ich meinen rechten Daumen und meine Finger umschließen die eingerollten Taschentücher.  Der Daumen spielt die ganze Zeit mit dem kleinen Dreieck,  es beruhigt mich einfach. Schon oft hinterliess ich in Wartezimmern  oder an anderen Plätzen kleine weisse Flöckchen von den Papiertaschentüchern, weil meine Nervosität so stark war.   Meine Therapeutin bat mir mal in einer Stunde an meine Tücher in ihren Müll zu werfen und neue Tücher von ihr zu bekommen, solange ich jedoch nicht aus dem Geschehen raus bin,  kann ich aber  nicht meinen teilweise schon ziemlich zerfetzten „Sicherheits-Knebel“ wechseln.
Zurück zum eigentlichen Thema. Ich saß da nun im Warteraum und sah wie der Minutenzeiger der Uhr immer weiter wanderte. Um 9.35 Uhr beschloss ich, dass ich in 10 Minuten zur Theke gehen werde um dort Bescheid zu geben, dass ich 10.10 Uhr die Praxis verlassen muss.  Ja, auch um nur jemanden Bescheid zu sagen, muss ich mir eine Uhrzeit setzen.  9.45 Uhr ging ich also zur Arzthelferin und schilderte ihr mein Anliegen, setzte mich anschließend wieder an meinen Platz.  Der Arzt kam um 9.58 Uhr, nahm mich als erstes dran, entschuldigte sich für die Verspätung (er hatte verschlafen) und ich bat ihn einfach nur um einen neuen Termin.  10.08 Uhr verließ ich noch immer ziemlich nervös und mich „im Nebel stehen“  fühlend die Praxis.
Der Zustand des „nicht wirklich anwesend sein“, „im Nebel stehend“ begleitete mich noch den ganzen Weg zur Therapeutin. Ich verpasste sogar eine Haltestelle und stieg später aus als gewohnt. Erst als ich um 10.52 Uhr auf dem Parkweg an „meiner“ Bank, kurz vor dem Haus der Therapeutin war spürte ich wie sich der Nebel langsam verzog. Wie ich langsam wieder in meinem Tagesrhythmus ankam.  Nie wieder werde ich zwei Termine an einen Vormittag legen!  Normalerweise tat ich das auch vorher nicht, ich hatte jedoch den Termin vom Arzt noch nicht in meinen mobilen  Kalender übertragen, als ich die Termine meiner Therapeutin bekommen habe.
Ich hoffe, das wird mir nie wieder passieren.

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2 Kommentare zu “„Pünktlichkeit ist wichtig“ oder „was Unpünktlichkeit verursachen kann“

  1. Och du Arme >.<

    Ich kann das – mal wieder – SO gut verstehen. Ich werde auch extrem unruhig sobald ich zu spät sein könnte und wenn ich nicht unmittelbar was dran ändern kann.

    Ich hoffe deine Therapie war wenigstens "gut" und du hattest noch einen schönen restlichen Tag!

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