die Sache mit dem Stimmungsprotokoll

Im April 2008 wurde ich zum ersten Mal aufgrund von Depressionen ins Krankenhaus eingewiesen. 12 lange Wochen verbrachte ich dort und fühlte mich dennoch nicht verstanden. Mir wurden Diagnosen auferlegt, die ich nicht akzeptierte, da ich mich damit einfach nicht identifizieren konnte. Mir ging es natürlich ,was die Depressionen anbelangt, wesentlich besser, aber ich wusste dennoch nicht woran ich weiter arbeiten kann, ich kam mir ja dennoch ziemlich fremd in dieser Welt vor und hatte Schwierigkeiten mit der Umwelt. Die Ärztin dort riet mir ein Stimmungsprotokoll zu führen um festzustellen wie oft ich mich nicht gut fühlte. Ich bekam einen Kalender in dem ich mein Befinden ankreuzen konnte, die Skala war in 6 Bereiche eingeteilt – Klinik, sehr schlecht, schlecht, weiss nicht, gut, sehr gut. Doch dieser Kalender brachte mich nicht weiter, weil ich die Ursachen für meine Stimmung nicht erkannte. Die Aufzeichnungen zeigten mir zwar eine gewisse Kurve und wie oft sich meine Stimmung wechselte, aber sie gab keinen weiteren Anhaltspunkt warum es so ist.  Im September 2008 fuhr ich zum zweiten Mal in einer Mutter-Kind-Kur, dort bekam ich einen erweiterten Stimmungskalender  und man legte mir ans Herz zusätzlich einen Wochenplan zu führen. Ich hielt das Ganze aber keine 2 Wochen durch, da es mir einfach zu viel Aufwand war, auch die Zeilenabstände waren in beiden Plänen oftmals viel zu klein – es gab zu wenig Platz um alles zu notieren, was wichtig gewesen wäre. Ich informierte mich im Internet über andere Formen eines Stimmungskalenders, fand aber keinen der meinen Bedürfnissen entsprochen hätte. Anregungen gab mir dennoch der ein oder andere Vorschlag. So bastelte ich mir also meinen eigenen Plan um Stimmungen und Aktivitäten festzuhalten . In diesem Plan sind meine Aktivitäten des Tages festgehalten, mit Angabe der Tageszeit, meine Stimmung ist erkennbar (auch in Kurvenform von oben nach unten ), Skills ( Beiträge zur Stimmungsänderung) können eingetragen werden und ganz wichtig die letzte Spalte – der Blick aufs positive. Es nimmt wesentlich weniger Zeit in Anspruch diesen Plan zu führen und meistens reicht es  abends einmal alles einzutragen. Was bei dem anderen Plan, aufgrund der stündlichen Angaben, nicht möglich war.
Meinen Plan nutze ich nun seit mehreren Monaten und ich muss sagen, er hat mir sehr geholfen festzustellen wann es Schwierigkeiten gibt, welche Gewohnheiten ich habe und er gibt mir die Möglichkeit Fortschritte zu sehen. Er ist weniger zeitaufwendig und beinhaltet dennoch alles wichtige. Gut ist vor allen Dingen die letzte Spalte (positive Ereignisse des Tages), denn selbst wenn als Stimmung sehr schlecht oder gar suizidal angegeben ist, versuche ich dennoch mindestens eine positive Sache aufzuschreiben. Und da es die letzte Spalte ist, bleibt diese auch länger in Erinnerung, wenn man den Plan nach der Eintragung beiseite legt.

2 thoughts on “die Sache mit dem Stimmungsprotokoll

  1. Oh… o.o
    Deinen eigenen “Stimmungskalender” finde ich sehr gut! Ich bin ja fast versucht ihn mir zu klauen. Denn auch ich habe große Probleme damit sowas zu protokollieren. Dabei soll ich im Moment gerade meine Gefühle in bestimmten Situationen benennen und aufschreiben… Vergesse ich aber auch meistens… Bist du denn mittlerweile bei einer Diagnose angekommen die dir stimmig erscheint?

    Was ich auch sehr problematisch finde, sind die in Kliniken vorgegeben Pläne zur Tagesstrukturierung. Mir waren die immer zu grob.. oder zu eng… oder zu falschen Blöcken zusammengefasst… oder viel zu wenig Platz… Da musst ich mir auch ein eigenes System bauen… Müsste ich nur auch weiter verwenden *hust*

    Ich glaub… Ich werde heute Nachmittag mal weiter stöbern… :)

  2. Die “ausführlichen” Berichten über Gefühle in bestimmten Situationen vergesse ich auch zuhauf zu schreiben. Aber mein “Protokoll” sprich “Stimmungskalender” hilft mir dann zumindest in der Therapiestunde genauer zu reflektieren.

    Ja, mittlerweile habe ich eine Diagnose, die ich annehmen kann – Asperger Syndrom und rezidivierende Depression.

    Mit den vorgegebenen Plänen der Kliniken zur Tagesstruktur konnte ich auch nie etwas anfangen…unter anderem aus den von dir genannten Gründen.
    Zumal meine Tagesstruktur, meistens immer gleich ist (Asperger eben), bei den Uhrzeiten stand dementsprechend immer das gleiche. Und wenn ich dann die Dinge nicht geschafft habe, weil es mir nicht gut ging und ich das dann auf den Plänen sah zog es mich noch mehr runter.
    Schwierig ist es für mich auch, wenn etwas unerwartet ist, anders als sonst, auch auf Grund meiner Stimmung nicht durchführbar, dass kann ich dann in meinem “Plan” festhalten. Natürlich auch was ich geschafft habe ;-)

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