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Posts Tagged ‘Sprache’

(Betonung auf “das”)

Da gehe ich wie jeden Tag meinen Weg zu Herzchaostochters Nachmittagsbetreuung um sie abzuholen. Plötzlich ruft jemand “Hallo?” Nicht einmal, nicht zweimal, mehrmals. Als ich innerlich registriere das ich gemeint sein könnte, sehe ich mich um und entdecke auf der gegenüberliegenden Strassenseite einen Mann, der etwa in meinem Alter ist. Er sitzt auf einer Treppe eines Hauseingangs und hat sein Telefon in der Hand. Dann fragt er mich: “Gegen wen spielt xy (hier ansässiger Fußballverein)  heute?” Ich zucke mit den Schultern und sage “weiss ich nicht”. Dann gehe ich weiter. (Zu mehr Reaktion wäre ich auch gar nicht fähig gewesen. Schon diese drei Worte sind viel.)

Plötzlich der Gedanke, was wollte dieser Mann nun tatsächlich von mir? Wollte er nur ins Gespräch kommen? Wollte er tatsächlich die reine Information? Hätte er nicht mit seinem Handy diese Information erhalten können? Wollte er schauen ob ich seine Interessen vertrete? Ist es nicht merkwürdig eine Frau auf Fußball anzusprechen? Einfach so.

Ich trug zwar an diesem Tag im entfernten Sinne die Farben des Vereins, allerdings fiel es mir erst auf als ich über die Situation nachdachte, den Verein, Fußball überhaupt.

Manchmal ist es schwer die Menschen zu verstehen, war es nun Direktheit oder eine verschlüsselte Botschaft? Die Sprache ist manchmal echt kompliziert.

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Nur wenige Sätze hat sie gesprochen und ich kann ihr nicht mehr zuhören. Sie bringt meine Bilder durcheinander, weil sie die Bilder anders benennt und viel zu schnell ist. So schnell kann ich nicht verstehen,  die Bilder aufrufen und sortieren, so schnell geht das nicht.
Der Dialekt macht mir zu schaffen, bringt Unruhe, Überforderung. Es muss soviel sortiert werden innen und sie spricht dafür zu schnell. Es ist als würde ich eine Fremdsprache hören obwohl ich weiss das sie deutsch spricht. Genau das ist es was nicht zusammenpasst. Würde sie eine andere Sprache sprechen, dann wäre es für mich nicht verstehbar aber verständlicher. Doch sie spricht deutsch, “falsches deutsch” und das ist unverständlich für mich.

Das Wort passt nicht, weil ich es nicht kenne und weil das Bild so nicht entstehen kann. Es tut weh in den Ohren und ich mag nicht mehr zuhören, möchte sagen das sie aufhören soll. Es strengt mich so sehr an, Worte  hören, “übersetzen”, Bilder entstehen lassen, all das in so kurzer Zeit, weil sie so schnell spricht, ist unmöglich.

Aufhören!
Aufhören!
Ich verstehe nicht was du sagt!
Es überfordert mich!
Es wollen Bilder entstehen, weil ich etwas höre, aber es sind keine Bilder da.
Du sagst es “falsch”!
So heisst es nicht!
Überforderung!

.

***

Ich möchte anhand eines kurzen Beispiels erklären was in mir geschieht:

Ein Kind sagt: “Boll” und zeigt auf den Ball
Ich weiss was es meint und berichtige das Kind (“Ja, das ist ein Ball.”)

Hier geschehen 3 Dinge: “Boll” wird erst einmal nicht verstanden, ich muss einen Moment nachdenken doch im Kopf entsteht kein Bild ,es ist einfach unverständlich. Nun muss ich auf die Gestik des Kindes achten, einen neuen Fokus setzen. Das zeigen des Kindes lässt mich das Bild entstehen, zu dem Bild habe ich ein Wort/Satz. Also berichtige ich das Kind und nenne ihm meine Bedeutung zu dem Bild.
Hätte das Kind nur das Wort gesagt ohne den Gegenstand zu zeigen, hätte ich sämtliche Bilder im Kopf aufrufen müssen um herauszufinden, was das Kind meinen könnte. Erst muss ich innerlich eine Kategorie suchen (wir sind draussen, wir sind auf dem Spielplatz ….), dazu bereits bekannte Bilder aufrufen und reflektieren ob es passen könnte. Eventuell mit nachfragen beim Kind. Nun ist es so, das ein Kind meist wartet bis es verstanden wurde und ich auch eine Rückmeldung geben kann wie es “richtig” heisst.
Wäre es ein Kind mit Migrationshintergrund, könnte es sein das es den Gegenstand tatsächlich so benennen kann, dennoch würde ich ihm “mein Wort” mitteilen. Gehört das gesagte Wort nicht in die momentane Umgebung ist ein Verstehen nicht möglich, da ich die passende Kategorie nicht finde.

In oben genanntem Gespräch war ein zeigen der Dinge nicht möglich, somit konnten keine Bilder entstehen. Auch konnte ich nicht  in “Kategorien” einteilen. Habe ich ein Wort ansatzweise verstanden konnte ich es nicht “korrigieren” da die  Person  erstens viel zu schnell sprach und zweitens ist es für mich unmöglich eine erwachsene Person zu korrigieren (hätte ich es verstanden), da ich weiss, das diese Person  in ihrem Akzent “richtig” spricht.

Das zwischendurch mal ein Wort verstehen und dann doch wieder nicht ist einfach nur anstrengend, weil die Bilder nicht sortiert werden können. Nicht mit einander in Verbindung gebracht werden können.

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Ein Merkmal des Autismus ist, dass Sprache wörtlich  interpretiert wird.  Autisten können nicht  “zwischen den Zeilen” lesen. Viele haben (gerade im Kindesalter) Schwierigkeiten Ironie, Floskeln, Metapher und Redewendungen zu verstehen.    Ich erinnere mich gut daran, das es in meiner Kindheit viele Aussagen gab, die ich nicht verstand.
Ein Ereignis geschah im Kindergarten, als ich etwa 5 Jahre alt war.  Ich saß wie so oft am Rande des Hofes unter einer Hecke,  plötzlich hörte ich wie ein anderes Kind rief:  “Julia hat ein Loch im Kopf.”  Ein Loch ist etwas tiefes, rundes, es wird gebohrt oder gegraben, das wusste ich, dementsprechend musste an Julias Kopf ein schwarzes Loch sein in das man hinein sehen kann. Ich vermutete es wurde gebohrt, denn ein Kopf ist sehr hart und an ihm kann nicht gegraben werden.  Also musste es ein Loch sein, wie es entsteht, wenn man mit der Bohrmaschine  in die Wand bohrt, solche Löcher hatte ich schon oft gesehen.  Ich ging zu der Bank auf der die Erzieherin mit Julia saß, was ich dann sah enttäuschte mich. Julia hatte kein  rundes, schwarzes Loch im Kopf.  Was ich sah, war ein roter, etwa 3cm langer Strich am Hinterkopf ziemlich verdeckt mit Haaren. Es war eine Wunde, vielleicht eine tiefe Wunde, aber  kein Loch.

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